Kunstverein Ingelheim stellt vielseitig interpretierbare...

Studenten-Ausstellung beim Kunstverein. Vorne zu sehen ist der „Kühlschrank“ von Lea Krämer. Foto: Thomas Schmidt

Die Betrachter sollen hinter die Fassade blicken. Dazu fordern Studenten des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas auf, die beim Ingelheimer Kunstverein ihre Werke zeigen.

Anzeige

INGELHEIM. Fantasie und Orientierungsvermögen – das brauchten die Besucher der jüngsten Vernissage im Ingelheimer Kunstverein. Studenten des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz stellten erstmals in Ingelheim zwölf ihrer teils ungewöhnlichen Werke aus. Titel der Ausstellung: „Caluccino“. Dies stamme aus dem Italienischen und bedeute so viel wie „der Ring, den ein vom Kondenswasser feuchtes Glas auf dem Tisch hinterlässt“.

„Damit fordern die Studierenden die Kunstinteressierten dazu auf, nicht an der Oberfläche der Werke zu verweilen. Vielmehr soll an der Oberfläche gekratzt und hinter die Fassade geblickt werden, um zu sehen, was nicht explizit direkt vor uns liegt, und das Dahinter und das Dazwischen zu hinterfragen“, erläuterte Lena Trost bei ihrer Einführung.

Es sind keramische Plastiken, Gebilde aus Holz, Gips und Glas, die von den Koblenzer Studenten im Kunstverein gezeigt werden. Es gibt Aquarelle und Zeichnungen zu bewundern, in Glas und Folien verpackte, vielfach interpretierbare Skulpturen, ein aus Holz, Glas und Metall gefertigtes Objekt von Christian Schultz, das „Treue Hand“, benannt wird. Und es gibt Teile einer aufgeschnittenen Litfaßsäule mit dem Titel „Kühlschrank“ von Lea Krämer. Und dann ist da noch „The Tube“, eine 60 Zentimeter im Durchmesser, zwei Meter hohe Plexiglas-Röhre, in der die Künstlerin Lina Aazer sich in einer Art Performance eine Stunde still den Blicken der Ausstellungsbesucher präsentiert.

Anzeige

Die Titel der einzelnen Kunstwerke mussten sich die Besucher anhand eines Planes „erarbeiten“. Ziffern auf einem stilisierten Raumplan zeigten den Standort des Objektes, auf der Rückseite des Plans dann die dazu gehörenden Titel: „Crisper“ und „Kult“ nennt Song Zhifeng seine aus kaputten Scherben und Folie gestalteten Skulpturen. „Moonstruck“ heißen die verschiedenen Zeichnungen auf hellgrünem Grund von Elisa Ekler, „Above“ und Elevate“ nennt Helena Sekot ihre Plastiken aus Farbeffektglas, Gips, Keramik und Holz. „Die Straße dachte an den roten Abend“, betitel Liya Gabitova eines ihrer Aquarelle, Daniel Schönbauer nennt seine Bleistiftzeichnungen auf Papier, die von keramischen Blütenblättern eingerahmt werden, „Ursprünge des Waldes an unterschiedlichen Abenden im gefühlten November“.

Zu Beginn der Vernissage hatte Professor Jens Gussek einige Erläuterungen zum Institut für Keramik und Glaskunst gegeben. „Wir sind die kleinste Kunstakademie Deutschlands, mit rund 30 Schülern in zwei Klassen.“ Einzigartig sei das Institut auch deshalb, weil neben den üblichen Materialien der bildenden Kunst hier Keramik und heißes Glas für Skulpturen eingesetzt werden könnten.