Künstler Robin Schicha zeigt in Ingelheim Kindern mit...

Robin Schicha (hinten) macht den Kindern vor, wie das Comiczeichnen funktioniert.Foto: Thomas Schmidt  Foto: Thomas Schmidt

Robin Schicha sitzt am Tisch, vor ihm ausgebreitet Postkarten mit Karikaturen, die er selbst gestaltet hat. Daneben Bücher, die ebenfalls aus seiner Feder stammen. Der junge...

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INGELHEIM. Robin Schicha sitzt am Tisch, vor ihm ausgebreitet Postkarten mit Karikaturen, die er selbst gestaltet hat. Daneben Bücher, die ebenfalls aus seiner Feder stammen. Der junge Mann wohnt in Duisburg, hat in Düsseldorf Kommunikationsdesign studiert, ist Künstler und Buchautor. Was ihn nach Ingelheim führt, ist eine Einladung des „Elternkreises Autismus Rheinhessen“. Der Verein hat ihn für eine Doppelveranstaltung ins Mehrgenerationenhaus (MGH) geholt. Dort liest der 27-Jährige nicht nur aus seinen Büchern, er hält auch einen Workshop, in dem Kinder und Jugendliche unter fachkundiger Anleitung Comicfiguren zeichnen.

Der Workshop ist inklusiv, denn neben Mädchen und Jungen mit Asperger-Syndrom sind auch Geschwisterkinder dabei. Das Asperger-Syndrom ist eine Variante von Autismus, einer Entwicklungsstörung, die sich sehr unterschiedlich äußern kann. Das Spektrum reicht von Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion bis hin zu Sonderbegabungen. Dabei gibt es nicht nur hochbegabte Mathematiker oder geniale Computerfreaks, sondern auch andere Talente, wie der Elternkreis deutlich machen will. „Wir freuen uns, mit den Veranstaltungen von Robin Schicha den Blick auf nicht so bekannte Facetten des autistischen Spektrums lenken zu können“, sagt Claudia Sporn vom Elternkreis. „Autisten sind nicht immer Computernerds und Mathegenies, sondern können auch sehr kreativ und künstlerisch begabt sein.“

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Robin Schicha, selbst vom Asperger-Syndrom betroffen, ist das beste Beispiel dafür. Der junge Mann zeichnet Cartoons, Karikaturen und Comics, schreibt Bücher, die er selbst illustriert, spielt Theater und bietet Workshops an. Was ihn auszeichnet, ist nicht allein seine Kreativität, sondern auch die Art, wie er auf die Kinder und Jugendlichen eingeht. Es fällt ihm nicht schwer, die Gruppe für das Thema zu begeistern.

„Ich erkläre mal kurz, was ich mit euch vorhabe“, sagt Robin Schicha und stellt eine Comicfigur auf den Tisch. Es ist der Klassiker Donald Duck. Mit leichter Hand malt Schicha den aufbrausenden Enterich an die Tafel. Das geschieht Schritt für Schritt: erst ein Kreis für den Kopf, dann Augen und Schnabel, danach Haartolle, Arme und Hände bis hin zu Beinen und Füßen. Nicht zu vergessen die Matrosenmütze, die Donalds Haupt bedeckt. Nach jedem Arbeitsschritt dreht Schicha eine Runde und begutachtet die Kunstwerke. Hier und da greift er ein, beantwortet Fragen, gibt Tipps und motiviert, wenn nicht alles gleich perfekt gelingt. „Ich habe selbst mindestens 50 Donalds gemalt, bis ich so weit war“, macht der Künstler den Kindern klar, dass letztlich Übung den Meister macht.

Bereits am Vorabend hatte Robin Schicha im MGH aus seinen Büchern vorgelesen, darunter „Außerirdische Reportagen vom Schulalltag“. Ein wichtiges Thema, wie Claudia Sporn vom Elternkreis betont. Denn in der Schule haben Kinder mit Autismus oft keinen leichten Stand. Deshalb wird der Elternkreis nach den Sommerferien in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule eine Fortbildungsreihe zum Thema „Autismus und Schule“ starten. Bei den insgesamt sieben Fachvorträgen können sich Eltern und Fachkräfte über verschiedene Aspekte der Thematik informieren.