Jede Mehrheit hat ihren Preis

SPD und CDU teilten sich seither in großer Harmonie die Stühle im Ingelheimer Stadtvorstand: War der Oberbürgermeister ein Christdemokrat, stand ihm ein Genosse als...

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INGELHEIM/HEIDESHEIM. SPD und CDU teilten sich seither in großer Harmonie die Stühle im Ingelheimer Stadtvorstand: War der Oberbürgermeister ein Christdemokrat, stand ihm ein Genosse als Bürgermeister zur Seite. Und andersrum. Der alte und neue OB heißt Ralf Claus (SPD), Bürgermeisterin Eveline Breyer, selbstverständlich eine Christdemokratin, ist als hauptamtliche Beigeordnete noch bis März 2020 vom Rat gewählt. Es kann also noch viel Wasser den Rhein runterlaufen, bis diese Personalie zu verhandeln ist.

Anders verhält es sich nun mit den Positionen der ehrenamtlichen Beigeordneten, auch hier herrschte bisher die ausgewogene Symmetrie aus CDU und SPD, die durch das Ausscheiden von Irene Hilgert (CDU) aus der parteipolitischen Balance geraten könnte. Schließlich haben sich gleich zwei Sozialdemokraten öffentlich positioniert. Wolfgang Bärnwick will Beigeordneter bleiben. Martin Weidmann will es werden. Und auch Dr. Silvia Klengel (parteilos), jüngst von der AZ darauf angesprochen, hat nicht vehement widersprochen. Ein Luxusproblem der SPD, die die stärkste Fraktion im Stadtrat stellt? Der Heidesheimer Weidmann wird seinen Anspruch sicherlich nicht aufgeben, schließlich gewann er bei der Kommunalwahl 7342 Einzelstimmen und erzielte damit das zweitbeste Ergebnis. Nur OB Claus konnte ihn mit 10 636 Voten überbieten. Bärnwick indes lag 1664 Stimmen hinter Weidmann, was die Position des Heidesheimers parteiintern stärken sollte. Für diese Personalien spricht zudem, dass ein Vertreter eines neuen Stadtteils im Stadtvorstand durchaus Sinn machen würde. Sollte Bärnwick weiterhin gesetzt sein, würde sich das Gefüge zugunsten der SPD verschieben – wenn es dafür die notwendigen Mehrheiten gibt.

Apropos Mehrheiten im neuen Stadtrat mit 40 Sitzen: Es würde den Genossen (13 Sitze) schon reichen, mit den Grünen (8 Sitze) gemeinsame Sache zu machen. Eine Koalition oder, wie in Ingelheim wesentlich beliebter, eine Kooperation aus SPD, Grünen und FWG (4 Sitze) mit zusammen 25 Stimmen kann rein rechnerisch alles durchsetzen. Doch wie das so ist in der Politik, wer hier ja sagt, will dort etwas dafür haben. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass etwa die Grünen, die drittstärkste Kraft im Stadtrat, ein Auge auf einen Beigeordnetenstuhl geworfen haben.

Die Situation der CDU (11 Sitze), die bei der Kommunalwahl ordentlich Federn lassen musste, ist da wesentlich prekärer. Um Mehrheiten zu bilden, bleiben nur zwei Optionen: der lange eingeübte Schulterschluss mit der SPD (gemeinsam 24 Stimmen). Oder die Christdemokraten buhlen um die Grünen, die FWG und die FDP (gemeinsam 25 Stimmen), um zum Beispiel die Wiederwahl Eveline Breyers als Bürgermeisterin zu sichern – falls die Grünen nicht auch hier eigene Ziele verfolgen. Dass auch die SPD als stärkste Fraktion im Stadtrat einen Blick auf den Bürgermeisterinnen-Sessel geworfen haben könnte, ist nicht ausgeschlossen. Nicht zu vergessen: Die beiden „Einzelkämpfer“ Rolf Henrich (Linke) und Kerstin Klein (BLH) haben auch eine Stimme, bleibt abzuwarten, wer die am Ende kriegt.