„Ingelheimer Fahrradforum“ soll die Rahmenbedingungen für...

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Große Fahrradstädte haben solche Instrumente bereits. Runde Tische oder Konferenzen, bei denen die Fahrradpolitik der jeweiligen Kommune auf den Prüfstand kommt. Nun führt...

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INGELHEIM. Große Fahrradstädte haben solche Instrumente bereits. Runde Tische oder Konferenzen, bei denen die Fahrradpolitik der jeweiligen Kommune auf den Prüfstand kommt. Nun führt auch die Stadt Ingelheim ein derartiges Gremium ein. Das „Ingelheimer Fahrradforum“ soll zu einer festen Einrichtung werden und künftig ein- bis zweimal jährlich tagen. Ziel ist, die Infrastruktur für Alltags- und Freizeitradler zu verbessern. Ideengeber für das Forum, das am Dienstag erstmals zusammenkam, ist Erich Dahlheimer, Fahrradbeauftragter der Stadt Ingelheim. Rund 30 Teilnehmer, darunter Vertreter von Stadt und Vereinen, Schulen, Firmen, Polizei und Energieversorger nahmen an der Veranstaltung im Rathaus teil.

In Ingelheim präsentiert man sich gerne als fahrradfreundliche Stadt – belegt durch diverse Auszeichnungen, die man in den vergangenen Jahren erhalten hat. Doch natürlich ist für Radler im Stadtgebiet längst nicht alles optimal. Das weiß Erich Dahlheimer, der regelmäßig auf Gefahren und Schwachstellen hinweist, ebenso wie Oberbürgermeister Ralf Claus. „Wir sind zwar eine fahrradfreundliche Stadt“, erklärte der OB, man sei aber auch eine autofreundliche Stadt. In diesem Spannungsfeld gebe es noch einiges zu tun, um dem zunehmenden Fahrradverkehr Rechnung zu tragen. Das Fahrradforum bezeichnete Claus als gutes Instrument für Vernetzung, Austausch und Bedarfsermittlung.

Wie man in der Stadt Mainz mit dem Thema umgeht, berichtete Franziska Voigt, die seit September 2015 „Radfahrbeauftragte“ der Landeshauptstadt ist. Die gelben Leihfahrräder, von denen es mittlerweile mehr als 800 im Stadtgebiet gibt, sind ein deutlich sichtbarer Baustein der Mainzer Radfahrpolitik. Als weitere Punkte nannte Voigt den Mainzer Schulradroutenplaner, Fahrradabstellpavillons in Wohnquartieren und Stadtteilverbindungen, auf denen Fahrradfahrer Vorrang vor dem Autoverkehr haben.

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Mindestens ebenso wichtig wie gute Rahmenbedingungen sind Kenntnis und Beachtung der Verkehrsregeln. „Geisterfahrer, die auf Radwegen in die falsche Richtung fahren, haben ein sechs bis acht Mal höheres Unfallrisiko“, nannte Erich Dahlheimer ein Beispiel, auf das er immer wieder aufmerksam macht. Die Falschfahrer stellten in allen Städten ein massives Problem dar. Diskutiert wurde beim Forum auch die Frage, ob Radler auf der Straße oder auf dem Radweg sicherer unterwegs sind. Separate Fahrradwege vermittelten oft nur eine gefühlte Sicherheit, so der Beauftragte. Viele Unfälle ereigneten sich an Kreuzungen oder Einmündungen, wo Radler von Autofahrern übersehen würden. Auch der Kreisverkehr sei ein Problem, betonte ein Forumsteilnehmer. Ebenso der Bereich am Roten Turm, der von vielen Schülern der Gesamtschule genutzt und als nicht sicher empfunden werde, so ein weiterer Hinweis.

Mehr Schilder allein bringt keine Sicherheit, darin waren sich die Teilnehmer des Forums einig. Viel wichtiger seien Information und Aufklärung. Neben der Verkehrssicherheit beschäftigte sich das Forum auch damit, wie Ingelheim als Fahrradstadt attraktiver werden kann. Man solle Radwegeverbindungen an den Knotenpunkten besser ausschildern oder Gepäckschließfächer am Bahnhof einrichten, lauteten zwei Anregungen aus dem Plenum.