Eine Dachterrasse wäre auch schön

Anhand eines Modells überlegen die künftigen Bewohner, wie das Wohnprojekt aussehen könnte. Foto: Thomas Schmidt

Bei einer Planungswerkstatt zum Wohnprojekt „Polychrom projekt1“ in Ingelheim tauschen künftige Bewohner und Architekten ihre Ideen aus.

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INGELHEIM. (tte). Sie schrieben auf grünen und blauen Zetteln ihre Wünsche und Träume an eine Pinnwand: Nullemissionshaus, ökologische Bauweise, lebendige Fassaden, keine „Bauklötze“, gemeinsame Dachterrasse, Außen- und Innenraum für eine lebendige Gemeinschaft, frische Waren vom regionalen Bauern. Die Rede ist von den rund 15 Gesellschaftern von „Polychrom projekt1“, die eine zweitägige Planungswerkstatt im Ingelheimer Konferenzzentrum durchführten. Sie planen das erste generationenübergreifende Wohnprojekt in Ingelheim auf dem 3850 Quadratmeter großen Eckgrundstück Wilhelm-Leuschner-Straße/San-Pietro-Straße. Dort befindet sich derzeit noch ein städtischer Parkplatz. Es gibt mit der Stadt Ingelheim einen Optionsvertrag, der der Planungsgemeinschaft den Zugriff auf das Areal erlaubt.

Generationenübergreifendes Wohnen im Vordergrund

Zur Eröffnung der Planungswerkstatt sprach Landrätin Dorothea Schäfer von einem „tollen Projekt“, das sie gerne unterstütze: „Uns sind die Familien weggebrochen. Es gilt, verschiedene Generationen wieder zusammenzubringen, damit man nicht allein ist und einer den anderen unterstützt.“ Genau das ist das Ziel von Polychrom projekt1: Jung und Alt ein Zuhause zu bieten, in dem jeder seine eigene Wohnung hat und dennoch Gemeinschaft und Begegnung möglich sind. Zur Planungswerkstatt eingeladen waren nun drei Architekturbüros, die im intensiven Dialog mit den künftigen Bewohnern erste Ideen und Vorschläge für eine künftige Bebauung erarbeiteten. Es gehe nicht darum, schon die fertige Variante zu entwickeln, sondern „Türen aufzumachen“, um unterschiedliche Möglichkeiten der Bebauung vorzustellen, betonte Wohnprojekt-Berater Rainer Kroll. Das dialogische Verfahren ist relativ neu und erlaubt es, subjektbezogen die Gemeinschaft und das Individuum in den Mittelpunkt der Planung zu stellen. Das unterscheidet sich vom üblichen Verfahren, bei dem die Vorstellungen eines Investors den Rahmen für die Planung vorgeben. Die drei Planungsbüros Michael Gies aus Freiburg, plus+ aus Neckartenzlingen und bb22 aus Frankfurt entwickelten Schritt für Schritt in einem kreativen Austausch mit den künftigen Bewohnern ihre Ideen.

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Für das Gelände gibt es keinen Bebauungsplan. Deshalb waren die Planer angehalten, sich mit ihren Vorstellungen an die Gegebenheiten im Umfeld zu halten. So ist die Höhe der Gebäude auf drei Vollgeschosse plus ein Staffelgeschoss begrenzt, eine Tatsache, die besonders die künftigen Nachbarn interessierte, die zu der Planungswerkstatt eingeladen wurden. „Wir wünschen uns ein freundliches Gesicht zur Stadt hin. Wir wollen keinen ‚Riesen-Riegel’ als Baukörper, sondern bevorzugen eine kleinteilig strukturierte Bauweise mit verschiedenen Höhen und Tiefen“, formulierte die Geschäftsführerin von Polychrom projekt1, Patricia Frühwirth-Bohne, die Vorstellungen und Ansprüche an die Planung.

Energieeffizient will man bauen, möglichst zertifizierte Passivhäuser errichten. Gemeinschaftsräume soll es geben, viel Grün und Platz für Kinder zum Spielen. Laubengänge sind gewünscht, die es den Bewohnern ermöglichen, sich schwellenfrei zu begegnen. Bauamtsleiter Philipp Laur skizzierte die planerischen Vorgaben der Stadt: „Es muss eine gewisse Dichte geben. Wir wollen keinen Platz verschwenden.“ Es wurde an diesen zwei Tagen gerechnet, gezeichnet, geplant und wieder korrigiert und überplant. Am Ende gab es ganz unterschiedliche Antworten der Architekten auf die Fragen, die die Polychrom-Gesellschafter stellten. Alle drei Planungsbüros sollen nun ihre Ideen verfeinern und konkretisieren. Die Gesellschafter von Polychrom projekt1 werden sich dann für einen Entwurf entscheiden, über den noch der Stadtrat abschließend befinden muss. Zwischen 40 und 60 Wohneinheiten, je nach Größe der Wohnungen und Anzahl der Bewohner, sollen dann einmal auf dem Grundstück an der Wilhelm-Leuschner-Straße/Ecke San-Pietro-Straße entstehen.