Die Forschungsergebnisse der Ingelheimer St. Remigiuskirche

Bei der Veranstaltung wurden auch neue Info-Tafeln eingeweiht. Foto: Thomas Schmidt
© Thomas Schmidt

Besucher können seit dem Wochenende nicht nur die frisch renovierte Kirche, sondern auch die archäologischen Funde im Turm bestaunen.

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INGELHEIM. Wer einen Blick in die Schatzkammer von St. Remigius werfen wollte, brauchte am Sonntagnachmittag Geduld. Die archäologischen Funde im Turm der katholischen Kirche konnten nur in geführten Kleingruppen besichtigt werden. Aufgrund des großen Andrangs mussten die Besucher vor dem Zugang Schlange stehen. Über eine Treppe ging es hinab zu den Denkmälern, die seit 2010 im Zuge archäologischer Grabungen zutage getreten waren. Im Inneren des Kirchturms hatte man zwei Steinsarkophage aus dem elften Jahrhundert gefunden sowie ein frühchristliches Taufbecken.

„Auf diesen Tag haben wir lange gewartet“, erklärte Pfarrer Christian Feuerstein bei der Vesper, die den Rahmen für die Eröffnung der Präsentation bildete. Ebenfalls eingeweiht wurde am Sonntag der Kirchhof von St. Remigius, der umfassend saniert und umgestaltet worden ist. Die Ausgrabungen durch die Kaiserpfalz-Forschungsstelle und die Sanierungsmaßnahmen mit Turm und Außengelände hatten sich über einige Jahre hingezogen. Nicht nur, weil sich die Turmsanierung deutlich aufwändiger als erwartet gestaltete, auch die aufsehenerregenden Grabungsergebnisse führten dazu, dass sich die Kirchengemeinde lange Zeit mit wechselnden Baustellen arrangieren musste.

Das gehört nun der Vergangenheit an. Kirchturm und Außengelände strahlen in neuem Glanz und sind obendrein zu einem „Erinnerungsort“ geworden, wie es Holger Grewe, Leiter der Kaiserpfalz-Forschungsstelle, am Eröffnungstag formulierte. Grewe ließ noch einmal die wichtigsten Ergebnisse Revue passieren, die die Archäologen ans Licht befördert haben. „In den Sarkophagen wurde mehrfach bestattet“, so der Leiter der Forschungsstelle zu den mittelalterlichen Gräbern im Kirchturm. „Fünf Individuen sind dort nachweisbar.“ Die Auswertung der rund 60 Proben, die weitere Details liefern sollen, laufe noch. Die Reste der Taufpiscina reichen sogar bis ins siebte Jahrhundert zurück. In dem gemauerten Becken wurden erwachsene Täuflinge stehend mit geweihtem Wasser übergossen. Ein Ritual, in das sich die Besucher bei der Führung gewissermaßen hineinversetzen konnten. Anschaulich gemacht wurde im Zuge der Gesamtmaßnahme auch die Dimension der um 650 gegründeten Vorgängerkirche von St. Remigius. In den Boden eingelassene Bruchsteinstreifen auf dem Kirchhof deuten die Umrisse des frühchristlichen Bauwerks an, das deutlich größer als die heutige Kirche war.

„Was im Turminneren entdeckt wurde, hat dazu geführt, dass die Geschichte der Stadt ein Stück weit neu geschrieben werden musste“, verdeutlichte Oberbürgermeister Ralf Claus die außergewöhnliche Bedeutung der Funde. Die archäologischen Ausgrabungen belegten, dass an dieser Stelle schon in der Merowingerzeit ein bedeutender Kirchenstandort gewesen sei. Damit die Erkenntnisse der Archäologen nicht im stillen Kämmerlein verborgen bleiben, haben Kirchengemeinde und Stadt beschlossen, die Denkmäler zu konservieren und öffentlich zu präsentieren. „Ein weiterer Baustein in Zusammenhang mit unserer großartigen Geschichte“, unterstrich der OB in der vollbesetzten Remigiuskirche und dankte all jenen, die zur Realisierung des Projekts beigetragen hatten. Darunter auch Tobias Schäfer, ehemaliger Pfarrer von St. Remigius und heute Propst am Wormser Dom, der den Beginn des Prozesses in seiner Ingelheimer Zeit mit angestoßen hatte.