2000 Menschen zeigen Gesicht gegen Rechts in Ingelheim

Schon gegen 13.30 Uhr am Karsamstag war der Sebastian-Münster-Platz voller Menschen, die gemeinsam gegen Recht Gesicht zeigten. Foto: Helena Sender-Petry

Mit 600 bis 800 Menschen hatten sie gerechnet, am Ende gingen über 2000 Demonstranten in Ingelheim gegen einen Aufmarsch der Rechten auf die Straße - und machten Lärm für Toleranz.

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INGELHEIM. Es spielte keine Rolle am Samstagnachmittag, dass es nur ein kläglicher Haufen war, der in Ingelheim marschierte: vier Fahnen, drei Banner, ein Lautsprecher, 14 Rechte. Es war auch egal, dass es der Stadt Ingelheim nicht gelungen war, den Aufmarsch der Partei „Die Rechte Rheinhessen“, der „Kameradschaft Rheinhessen“ und des „Nationalen Widerstands Zweibrücken“ zu verbieten.

Was zählte, waren die über 2.000 Menschen, die Gesicht zeigten, die mit ihrer Präsenz ein Zeichen setzten, die auf beeindruckende Weise heraus schrien: „Nazis raus. Wir wollen euch nicht. Wir sind mehr.“

Für Weltoffenheit und gegen Rechts

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Schon vor 13.30 Uhr, dem offiziellen Beginn dieser friedlichen Demonstration für Toleranz, Vielfalt und Menschlichkeit, war der Sebastian-Münster-Platz schwarz von Menschen. Es war den Initiatoren – Rheinhessen gegen Rechts, In-RAGE, die Kirchengemeinden, die Musikschule, der Stadtsportverband, Boehringer Ingelheim, der Deutsch-Israelischem Freundeskreis, der Migrationsbeirat und vielen anderen Institutionen oder Unternehmen – mühelos gelungen, nicht nur die Ingelheimer zu mobilisieren. Auch Gruppen aus den Nachbarstädten wie Bingen oder Mainz zeigten Flagge.

Es muss eine Mischung auf Überraschung, Freude und auch Genugtuung für Dieter Engelhard, Vorsitzender von In-RAGE, gewesen sein, von der kleinen Rednerbühne auf so viele Menschen zu blicken. Mit 600 bis 800 Gegendemonstranten hatte er gerechnet. Über 2.000 Männer, Frauen und viele Kinder waren ins Zentrum gekommen. Das machte nicht nur Oberbürgermeister Ralf Claus „stolz“. Denn: „Weltoffenheit und Toleranz sind die Markenzeichen unserer Stadt. Deshalb stehen wir alle hier.“

Innenstadt abgeriegelt

Auch Landrätin Dorothea Schäfer sprach, genauso wie Pfarrer Christian Feuerstein und viele mehr. Silke Hammer verlas eine Rede des 2006 verstorbenen Widerstandskämpfers Peter Gingold, es wurde musiziert und gesungen. Dann zogen viele vom großen Platz Richtung Bahnhof, um den angekündigten Rechtsradikalen einen gebührenden Empfang zu bereiten. Doch die wählten die Route über die Binger Straße, durch die sie, eskortiert und geschützt von der Polizei, schließlich vor der „Wassersofa“ am Sebastian-Münster-Eck ihre Banner ausrollten. Die Strategie ging auf, die Rede des Wortführers der Rechten ging unter im Höllen-Lärm, den die 2.000 auf dem großen Platz machten.

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Die Innenstadt war zu diesem Zeitpunkt längst abgeriegelt. Nach ihrer mehr oder weniger gescheiterten Kundgebung zogen die Rechten unter anderem durch die Bahnhofstraße und die Gartenfeldstraße Richtung Bahnhof. Um 17 Uhr war der Nazi-Spuk vorbei. Es wurde still in der Stadt.