Bioscientia-Chef: „Corona wird jetzt anders bewertet”

Bioscientia-Geschäftsführer Oliver Harzer sieht im Abwassermonitoring eine sinnvolle Ergänzung.

Für das Ingelheimer Labor von Bioscientia hat Corona an Bedeutung verloren. Im Interview sagt Chef Oliver Harzer, woran das liegt – und wofür das neue Abwassermonitoring gut ist.

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Herr Harzer, immer mehr Corona-Regeln werden zurückgefahren. Man könnte auf die Idee kommen, die Pandemie wäre vorbei. Täuscht der Eindruck?

Der Eindruck täuscht. Es ist richtig, dass wir sehr viel weniger Tests bekommen. Aber von denen, die wir bekommen, ist jeder zweite positiv. Zum einen werden nur noch Menschen mit Symptomen getestet. Zum anderen wissen wir, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist wegen der asymptomatisch Infizierten. Deutschland und viele andere Länder haben sich entschieden, die Regeln zu lockern, weil wir eine relativ gute Durchseuchung und eine ganz gute Impfquote haben. Das Ursprungsthema, dass man mit Corona-Regeln die vulnerablen Gruppen schützen muss, ist zu relativieren. Es liegen immer noch viele Patienten im Krankenhaus, die schwere Verläufe haben. Corona ist noch lange nicht weg, aber es wird jetzt anders bewertet. Für uns als Bioscientia ist das Virus damit nur noch eines von vielen Krankheitserregern, die wir untersuchen, wie etwa Influenza oder das RSV-Virus. Deswegen haben wir mit Corona nicht mehr schrecklich viel zu tun. Das ist nur noch ein Nebengeräusch, da passiert nicht mehr viel.

Wie viele PCR-Tests pro Tag wertet Bioscientia in Ingelheim noch aus?

Wir haben einiges schon wieder abgebaut, aber wir könnten rund 15.000 PCR-Tests pro Tag auswerten. Tatsächlich liegen wir bei uns im Haus aber nur noch bei zwischen 800 und 1200 Tests am Tag. Vor vier Wochen waren es doppelt so viele. Vor sechs Wochen waren es dreimal so viele. Nach der Herbstwelle hat sich das mit dem Wegfall der Isolationspflicht und dem Freitesten komplett reduziert.

Was passiert dann mit ihren drei Hightech-Vollautomaten, von denen jeder 3000 Tests pro Tag auswerten kann und 900.000 Euro gekostet hat?

Wir haben die Philosophie, die Geräte zu kaufen. Jetzt haben wir sie da, nutzen sie aber im Moment nicht. Wenn wir in einen normalen Zustand wie vor Corona kommen, dann werden wir diese Kapazitäten nie mehr benötigen. Die Zahlen kommen nicht mehr an die Zeiten heran, als wir versucht haben, uns aus der Pandemie heraus zu testen – was ja nie möglich war. Vielleicht können wir manche Geräte an andere Institutionen verkaufen, die damit noch arbeiten. Im allerschlimmsten Fall müssen wir sie stilllegen und wirtschaftlich abschreiben.

In Zeiten, in denen sich kaum noch jemand testet: Kann da das neue Abwassermonitoring einen Überblick verschaffen?

Man kann anhand der Abwasserproben eine Beziehung herstellen zur Infektionslast im Gebiet der jeweiligen Kläranlage. Es geht auch darum, Erfahrungen für mögliche andere Pandemien zu sammeln. Wenn in einer bestimmten Region eine Erkrankung ausbricht, kann man dort gezielt weitere Testmaßnahmen einleiten oder auch die Ärzte vor Ort für diese Krankheit sensibilisieren. Das Monitoring ist ein wirtschaftliches Mittel, sich einen Überblick über eine Gesamtsituation verschaffen.

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Teils gibt es Sorge vor der neuen Omikron-Variante BQ.1.1. Ist sie berechtigt?

Wir sequenzieren nach wie vor positive PCR-Tests, um zu sehen, wie sich das Virus weiterentwickelt. Da sehen wir zwar einen Anstieg, aber der ist nicht so rapide wie im Frühjahr beim Wechsel von Delta auf Omikron. Die BQ-Varianten sind aktuell für rund 20 Prozent der positiven Fälle verantwortlich. Außerdem haben sie bisher keinen wesentlichen Einfluss auf das Klinikgeschehen.