Klimawandel vor der Haustür

Trockenheit und Borkenkäfer setzen sogar den eigentlich robusten Kiefern im Lennebergwald zu, erläutert Forstwirtschaftsmeister Thomas Köhrer (li.) dem CDU-Landespolitiker Christian Baldauf. Foto: hbz/Jörg Henkel

Die Trockenheit lässt sogar die Kiefern im Lennebergwald sterben. Inzwischen ist im Naherholungsgebiet, das hauptsächlich zu Budenheim gehört, die Hälfte aller Bäume geschädigt.

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BUDENHEIM. Der sterbende Lennebergwald lässt sich am „Grünen Haus“ eindrucksvoll beobachten: Eine der beiden markanten Kiefern, beide um die 140 Jahre alt, ist schon abgestorben, am zweiten Baum sind die Dürreschäden unübersehbar. „In vier Wochen ist auch diese Kiefer tot“, weiß Forstwirtschaftsmeister Thomas Köhrer vom Zweckverband Lennebergwald. Anlass des Morgenspaziergangs ist der Auftakt der „Fünf-Wälder-Landestour“ des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf, mit CDU-Vertretern aus Mainz und Budenheim.

Der Jahrhundertsommer 2018 und die Hitzewellen in diesem Jahr haben dem 800 Hektar großen Lennebergwald mächtig zugesetzt. Der Klimawandel lässt sich dort vor der Haustür beobachten. Im Naturschutz- und Naherholungsgebiet, das der Stadt Mainz, der Gemeinde Budenheim und dem Land gehört, sind die massiven Dürreschäden besonders an Kiefern und Buchen unübersehbar. Die Hälfte der Bäume aller Altersklassen ist durch Trockenheit und Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kommen Eichenprozessionsspinner und Rußrindenkrankheit.

„Überall sieht man nur noch Baumleichen. Ich komme mir schon vor wie ein Leichenbestatter“, bringt ein frustrierter Thomas Köhrer die Situation im Forstrevier Lenneberg auf den Punkt. Doch selbst die toten Bäume werden inzwischen nur noch gefällt, wenn sie die Sicherheit der zahlreichen Waldbesucher gefährden.

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Dem erfahrenen Forstmann bereitet aber besonders Kopfzerbrechen, dass die standorttypischen Kiefern, die eigentlich an trockene Sandböden und wenig Regen gewöhnt sind, vertrocknen und absterben: „Wir stehen wie vor einer Riesenwand. Und fragen uns: Was sollen wir nur machen? Es gibt keinen Königsweg.“ Ratlosigkeit macht sich breit. Auch über die Zukunft des Waldes als Wirtschaftsfaktor. Für aktuell 4000 Festmeter Kiefernholz werden Käufer gesucht. Aber die Preise sind ob des Überangebots im Keller. Der Verkauf des „klimageschädigten Holzes“ in Containern nach China sei inzwischen jedoch gestoppt.

Die größte Herausforderung ist, wie der Lennebergwald nachhaltig gesichert und mit hitzeresistenteren Arten neu aufgebaut werden kann. Versuche zur Wiederaufforstung sind angelaufen. Dazu gehört eine durch einen Zaun vor Wildschweinen und Rehen gesicherte, rund 7000 Quadratmeter große Brachfläche: „Da stand ein 35, 40 Jahre alter Kiefernwald, der ist komplett abgestorben“, erklärt Thomas Köhrer. Inzwischen seien dort rund 50 000 Eicheln verteilt worden, die Pflänzchen würden regelmäßig bewässert, sogenannte Beikräuter sorgten für etwas Schatten bei den auch in diesem Sommer schon erreichten Temperaturen von 40 Grad. Wenn in ein paar Jahren „5000 oder 6000 Eichen übrig bleiben, dann sind wir zufrieden“. Dazu kommen Sämlinge, gewonnen aus uralten Mainzer-Sand-Kiefern.

Große Tafeln mit der Aufschrift „Was hat der Klimawandel angerichtet? Aufbau stabiler Zukunftswälder als Jahrhundertaufgabe für Forstleute“ sollen die Waldbesucher über die Extremsituation informieren und den oft gehörten Vorwurf „Ihr macht ja den Wald kaputt“ entkräften. „Wenn man das sieht, kann keiner behaupten, dass sich das Klima nicht verändert“, unterstreicht Thomas Köhrer. Die Anregung von Christian Baldauf, Unis und Fachhochschulen mehr Mittel zur Erforschung von Klimawandel-Projekten zur Verfügung zu stellen, stößt auf Zustimmung. Und der Forstmann äußert einen konkreten Wunsch: „Es gibt zu wenig Baumschulen, die uns mit Pflanzenmaterial beliefern können.“