Beim Waldtag des Naturnahen Kindergartens in Budenheim liefert...

Die Nacktschnecke fasziniert die Kita-Kinder, die an ihrem Waldtag alle Warnwesten tragen, um gut gesehen zu werden.  Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto:

Wenn man den Wald direkt vor der Haustür hat, nutzt man ihn auch intensiv. Das jedenfalls trifft auf die Kinder des Naturnahen Kindergartens in Budenheim zu. 50 Meter vom...

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BUDENHEIM. Wenn man den Wald direkt vor der Haustür hat, nutzt man ihn auch intensiv. Das jedenfalls trifft auf die Kinder des Naturnahen Kindergartens in Budenheim zu. 50 Meter vom Kindergartengelände in der Gonsenheimer Straße entfernt beginnt der Lennebergwald, für die Zwei-bis Sechsjährigen ein riesiges Spielgelände, in dem es nie langweilig wird.

Der regelmäßige Waldtag gehört dementsprechend zum Grundkonzept der Kita. In den Wald gehen bedeutet, mit Naturmaterialen spielen, Pflanzen und Tiere beobachten und kennenlernen, auf eigene Faust die nähere Umgebung erforschen und auch toben und Energie ablassen.

Wenn 38 Kindern mit ihren Erzieherinnen in den Wald gehen, gilt es einige Regeln zu beachten. „Die Kinder tragen alle gelbe Warnwesten, so sind sie gut zu sehen. Sie dürfen sich nur so weit von der Gruppe entfernen, dass wir sie und vor allem sie auch uns noch sehen können. Pilze werden nicht angefasst, und es wird nichts mutwillig zerstört“, erläutert Kitaleiterin Sonja Wagner. „Wir erklären den Kindern immer, wir sind Gäste im Wald, er ist das Zuhause von Tieren und Pflanzen, da machen wir nichts kaputt“.

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In einem lichten Waldstück, das dafür vom Förster freigegeben wurde, dürfen die kleinen Waldbesucher auf eigene Faust losrennen. Neben der Entdeckerkiste, die wichtige Utensilien wie Fernglas, Kescher, Lupen, durchsichtige Boxen zum Sammeln und einen „Schnuppi“, eine Insektenfalle, in der die Tierchen nicht verletzt oder getötet werden, enthält, wird nur ein Trolley für die Getränkeflaschen mit in den Wald genommen.

Dort angekommen, sind die älteren Kinder ruckzuck zwischen den Bäumen verschwunden. Überall liegen Stöcke herum, Blättern rascheln unter den Füssen. Ada, Henry, Sophia und Aurel wollen ein Tipi bauen, suchen dazu einen geeigneten Baum mit Astgabel und das passende „Baumaterial“, lange Stöcke. Matti und Helena haben es die vielen Nacktschnecken angetan, die überall kriechen. „Ich hab Klebefinger“, stellt Paula fest, nachdem sie eine der dicken, rötlichen Tiere unter die Lupe platziert und genau studiert hat. Auch Spinnen sind gerne untersuchte Tiere, und Regenwürmer sammeln macht den Kleinen besonders Spaß. „Die sind für unsere Hühner“, erklären sie. Elli und Anna haben zwei aufeinanderliegende Bäume entdeckt, die sich als Wippe eignen, Kim und Anneke sitzen etwas abseits auf einem ruhigen Plätzchen und reden leise miteinander.

„Wer hat Lust auf eine Schatzsuche?“, fragt Erzieherin Nadine und animiert einige ihrer Schützlinge, weiße Steine, Schneckenhäuser, Rindenstücke und Moos zu sammeln. Die gesammelten „Schätze“ werden auf einem weißen Taschentuch ausgebreitet. Erzieherin Ramona hilft den Tipibauern beim Verkeilen der Äste, die Behausung nimmt Formen an. Auch tolle Sandbilder haben sie schon gefertigt, aus dem Sand, Speisestärke und Wasser eine klebrige Pampe hergestellt, und damit Bilder auf dem Waldboden gemalt oder Gesichter auf Bäumen modelliert. Gelegentlich organisieren die Erzieherinnen auch eine Schnitzeljagd durch den Wald, ein beliebtes Spiel.

Doch grundsätzlich gibt es nur eine sparsame Anleitung und Hilfe von den Erzieherinnen. „Die Kinder brauchen uns, wenn sie im Wald spielen, so gut wie nicht“, das haben Wagner und ihr Team festgestellt. „Sie entdecken hier so viel, können sich wunderbar mit sich selber und der Natur beschäftigen“.