Auf der Suche nach Verunreinigungen

Auf einem Teil des früheren Dyckerhoff-Geländes, das sich zwischen Mainzer Landstraße und Golfplatz befindet, sollen Wohnungen für 800 Menschen gebaut werden. Foto: hbz/Jörg Henkel

Auf dem früheren Dyckerhoff-Gelände in Budenheim soll ein Wohngebiet für bis zu 800 Menschen entstehen. Doch zuvor findet auf dem Areal am Golfplatz eine Bodenuntersuchung statt.

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BUDENHEIM. Auf der Industriebrache „Dyckerhoff“, nördlich des Golfplatzes gelegen, soll ein neues Wohnquartier für rund 800 Menschen entstehen. Derzeit laufen Untersuchungen auf dem 6,3 Hektar großen Areal, um das Ausmaß der vermuteten Schadstoffbelastung festzustellen. Um die Altlastensanierung vor Ort durchführen zu können, ist der Bau einer Bodenaufbereitungsanlage geplant. Das Projekt wird realisiert von den Firmen Molitor und Orgentec gehörenden BG Grundbesitzgesellschaft mbH & Co. KG.

Aus der Kommunalpolitik kommen positive Signale im Zusammenhang mit der anvisierten Revitalisierung. „Es ist positiv, wenn wir Budenheim aufwerten können und belastetes Material wegbekommen“, äußert sich Bürgermeister Stephan Hinz (CDU). Die Grünen bringen eine soziale Förderung von 25 Prozent der Wohneinheiten ins Gespräch und laden zu einer Info-Veranstaltung im März ein. Unabhängig davon soll laut Bürgermeister von der Gemeinde das benachbarte Baugebiet „Wäldchenloch“ (Probleme mit Bauaufschüttung) endlich realisiert werden.

Nach dem derzeitigen Entwurf für den Flächennutzungsplan sollen 3,8 Hektar mit vierstöckigen Mehrfamilienhäusern (direkt an der Mainzer Landstraße) sowie Reihenhäusern und Doppelhaushälften (Anbindung über Schwarzenbergweg) bebaut werden. Der Mix steht noch nicht fest. „Ich rechne mit Wohnraum für rund 750 bis 800 Menschen“, ist von BG-Projektleiter Franz-Josef Kleinmann zu erfahren. Die angrenzende Gewerbefläche umfasst 2,9 Hektar. Für die Reinigung des belasteten Erdreichs soll dort eine Bodenaufbereitungsanlage entstehen.

Der Optionsvertrag, abgeschlossen von der von Dirk Gemünden und Dr. Wigbert Berg gegründeten BG Grundbesitzergesellschaft sowie dem Eigentümer Dyckerhoff, enthält eine Ausstiegsklausel. Sollte sich nämlich nach der Prüfphase herausstellen, dass die Schadstoffe im Boden das Ganze unwirtschaftlich machen, bleibt die Industriebrache unbebaut. Derzeit läuft auf dem Dyckerhoff-Gelände, das östlich des Schwarzenbergwegs liegt, eine umfangreiche Bodenuntersuchung. „Wir sind am Bohren, auf der Suche nach Metastasen“, informiert Dirk Gemünden.

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Nach AZ-Informationen war das unwegsame Areal einst ein Teil des inzwischen renaturierten und als Golfplatz genutzten Steinbruchs. „Da standen die Dyckerhoff-Betriebsgebäude, auch mit einer Werkstatt für die Eisenbahn“, heißt es. Eine Kontamination des Bodens mit Altölen wird befürchtet. An anderer Stelle, nämlich am Standort der inzwischen abgerissenen Schießanlage, soll sich eine wilde Deponie befunden haben. Heißt: Dort wurde über Jahre Müll aller Art illegal abgelagert. In diesem Bereich, der mit einer Betonplatte gedeckelt werden soll, ist der Bau der Aufbereitungsanlage geplant.

Das Großprojekt stößt im Gemeinderat grundsätzlich auf Zustimmung, angestrebt wird ein städtebaulicher Vertrag. Mit der beantragten landespflegerischen Stellungnahme beim Kreis sollen im Vorfeld der Aufstellung eines Bebauungsplans alle rechtlichen Fragen abgeklärt werden. Öffentlich Kritik äußert SPD-Ratsmitglied Hans-Jürgen Veit, der den Zeitdruck beklagt und Antworten auf viele offene Fragen vermisst. „So gibt es keine Angabe darüber, wie lange die Aufbereitungsanlage in Betrieb sein soll. Wenn wir nicht aufpassen, haben wird die 20 oder 30 Jahre an der Backe.“ Es gibt Befürchtungen, dass demnächst Baumaterial aus der gesamten Region in Budenheim recycelt wird.

„Es muss darauf geachtet werden, dass der Betrieb der Bodenaufbereitungsanlage zeitlich begrenzt wird und dass naturnahe Flächen, wie der Baumbestand am Schwarzenbergweg, als Wildbrücke zu den Rheinauen erhalten bleiben“, so die Grünen. In einer nachhaltigen und zumindest energieneutralen Bebauung sehen sie aber eine gute Chance, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Mit dem Investor sollte deshalb vereinbart werden, dass 25 Prozent der Wohneinheiten sozial gefördert werden“, so Josef Dechent in einer Presseerklärung. Die Grünen wollen über das Dyckerhoff-Vorhaben öffentlich diskutieren und laden ein zu einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 13. März, um 19 Uhr im Bürgerhaus an der Waldsporthalle.