Vorverkostung zur Binger Winzerfestweinprobe

Konzentriert und unbestechlich. Bei der Blind-Weinprobe in der Vinothek in Aktion (von links): Günter Weis, Michael und André Choquet, Georg Sahnen und Stefan Blaesius. Foto: Thomas Schmidt
© Thomas Schmidt

In diesem Jahr soll sich einiges ändern. Das fängt schon damit an, dass die festliche Weinprobe zum Winzerfest im Kongresszentrum stattfinden wird. Es soll ein Glanzlicht sein.

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BINGEN. Äußerst konzentriert wird geschnüffelt, gekostet. Zahlen werden leise geflüstert. Eine sakrale Stille umfängt das Geschehen. Das alles hat nun ganz und gar nichts von einer handelsüblichen Weinprobe, mit schenkelklopfendem Lachen und lautem Stimmengewirr. Und doch ist es eine. Genauer gesagt eine Vorprobe. Günter Weis, Michael und André Choquet, Georg Sahnen und Stefan Blaesius bestimmen mit der Ernsthaftigkeit, die dieses verantwortungsvolle Amt erfordert, die Weine für die festliche Weinprobe zum Binger Winzerfest am 6. September. „Bingens weiße Burgunder“ ist diesmal das Thema.

43 Gewächse stellen sich zur Wahl

Aus 43 von den Binger Winzern eingereichten Weinen gilt es zwölf herauszuschmecken, die dann den Gästen im Rheintal-Kongresszentrum serviert werden. Je drei Weine zu den vier Menügängen.

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Bei der kleinen Expertenrunde handelt es sich im positiven Sinn um ausgewiesene Weinnasen. Die Unbestechlichkeit des Urteils wird dadurch befördert, als es sich um eine Blindverkostung handelt. Kein Etikett ist zu sehen, kein Weingut zu erkennen. Bingens Touri-Chef Georg Sahnen hat sorgfältig die Flaschen mit Pappmanschetten verhüllt und durchnummeriert. Umgekehrt zum Schulnotensystem werden Punkte vergeben. Sechs heißt hervorragend, eins, na ja, das muss nicht näher ausgeführt werden. Ein Wein mit weniger als einer durchschnittlichen 2,5 fällt ohnehin raus. Außer Konkurrenz und deshalb offen kredenzt der „Eichwein“, den die Gäste vorab zur Einstimmung eingeschenkt bekommen, ein Auxerrois Blanc vom Hildegardishof. Alles andere hat sich in den Manschetten versteckt, auch die beiden Prosecco, von denen einer dann am 6. September den Auftakt zur festlichen Weinprobe machen wird.

Der ganze Aufwand ist Teil des Konzeptes, diesen Höhepunkt des elftägigen Winzerfestes mit der Leistung aus Binger Kellern und Küchen zu einem echten Glanzlicht zu machen. Und in diesem Jahr soll die Schraube noch eine Drehung enger gezogen werden bei Anspruch und Angebot. Das fängt schon damit an, dass es diesmal ins Kongresszentrum geht, was die Kapazität auf rund 250 Gäste zu den Vorjahren verdoppelt. Es soll im Binger Festkalender eine „Leitveranstaltung“ sein, so Sahnen. Deshalb werde das Profil geschärft, damit die festliche Weinprobe allseits als ein gesellschaftliches Ereignis gelte. Mehr Leistung verursacht aber auch höhere Kosten. Statt 59 wird die Karte in diesem Jahr 79 Euro kosten. Wer das Ereignis kennt, weiß allerdings, dass dieser Abend in jeder Hinsicht ungleich viel mehr wert ist. Das werden nicht zuletzt die Köche unter Beweis stellen: André Choquet von der Vinothek, Guido Müller vom Zollamt, Frank Kraus vom NH Hotel und Eberhard Röthgen von der Konditorei Café Röthgen. „Das wird ein schöner Abend, aber anspruchsvoll“, sagt André Choquet. Allein die Küchenlogistik für 250 Gäste ist eine Herausforderung, vor allem weil es gilt, exquisite Speisen auf die Tische zu bringen.

Inzwischen hat sich der kleine Kreis der Experten in der Vinothek etwas voran bewegt. Der erste Probenabschnitt ist bewältigt. Die Wertungen sind streng. Billigen Jubel kann hier kein Wein ernten. Der Wettbewerb ist hart. Es gilt der alte Leitsatz der guten Gastronomie: Für die Gäste nur das Beste.

Von Erich Michael Lang