Vom Spielplatz bis zum Standesamt

Wie funktioniert eigentlich Demokratie? Und was ist kommunale Selbstverwaltung? Kann ich, wenn ich selbst noch nicht wählen darf, dennoch demokratische Prozesse anstoßen?...

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BINGEN. Wie funktioniert eigentlich Demokratie? Und was ist kommunale Selbstverwaltung? Kann ich, wenn ich selbst noch nicht wählen darf, dennoch demokratische Prozesse anstoßen? Schon länger habe man in der Stadtverwaltung diskutiert, erzählt Oberbürgermeister Thomas Feser, wie man Kindern auf eine sympathische Weise die Demokratie auf Stadtebene nahebringen könnte. Da sei ein Angebot des Verlages Peachy360 gerade zur rechten Zeit gekommen. Die Broschürereihe „Versteh Mal“ ist spezialisiert auf genau solche Formen der Wissensvermittlung. Und: Es entsteht nicht einfach irgendein standardisiertes Werk. Das Ergebnis lässt sich ganz auf Bingen zuschneiden. So entstand die Broschüre „Versteh Mal – Das Rathaus“, mit Grußwort des Oberbürgermeisters, Binger Titelbild und auch im Innenteil grafisch an Binger Institutionen angelehnten Illustrationen. 3000 Exemplare wurden gedruckt und an alle Binger Grundschulen ausgegeben. So könne man gleich mehrere Jahrgänge abdecken, teilt Pressesprecher Jürgen Port mit. Die Broschüre lädt ein zu einem Rundgang durch die Binger Stadtverwaltung.

Da kann das Rathaus zum Beispiel vom Empfang bis zum Büro des Oberbürgermeisters als Ausmal-Bild entdeckt werden – der Titel „Versteh Mal“ soll durchaus auch in diesem Sinne verstanden werden. Es wird viel gemalt in der Broschüre. Und auch anderweitig können die Leser kreativ werden: Mit einem Buchstabenrätsel werden zum Rathaus gehörige Begriffe gelernt, die Tagesordnung zu einer Stadtratssitzung wird als Lückentext ausgefüllt, ein Mal-Labyrinth führt durch die Stadt. Anhand des Beispiels „Die Schüler brauchen einen neuen Spielplatz“ wird gezeigt, wie man den Antrag über die Schulleitung in den Stadtrat einbringen kann, und wie eine Abstimmung zu einem solchen Thema läuft. Aber auch Institutionen wie das Ordnungsamt oder das Standesamt werden vorgestellt. Auch Steuern als wichtige Einnahmequelle der Stadt deckt „Versteh Mal – Das Rathaus“ ab. Als ganz wichtiges Thema darf in einer Broschüre für Kinder natürlich das Thema Kinderrechte nicht fehlen.

Wirklich gelungen findet Feser das Ergebnis und hofft, dass die Broschüre in den zweiten und dritten Klassen der Grundschulen häufig zum Einsatz kommt. Auch Eltern sollen auf diese Weise indirekt erreicht werden, so Feser, denn wenn Kinder sich mit Demokratie beschäftigten, bekämen das auch die Eltern mit. Und wenn von Seiten der Schulen dann das Interesse bestünde, einmal selbst im Rathaus vorbeizuschauen oder auch einmal eine Fragerunde mit dem Oberbürgermeister zu veranstalten, freue man sich.