Stolze 125 Sorten hat er im Rezeptblock

Vater Rino Zava und sein Sohn Matto Zva bei der Staffelstab-(Portionierer-)Übergabe vor dem Eissalon Rialto. Foto: Christine Tscherner

Matteo Zava führt im zarten Alter von 19 Jahren die Eisküche im Rialto in Bingen. Der Eissalon wurde vor 31 Jahren von seinem Vater eröffnet.

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BINGEN. „Der Laden ist mein Wohnzimmer, hier bin ich aufgewachsen.“ Matteo Zava (19) hat die Eisküche im „Rialto“ übernommen. Das Eiscafé vor dem Citycenter ist seine Heimat. Zusammen mit Vater Rino und Mutter Carla führt er den Familienbetrieb weiter. Wie die enge Zusammenarbeit der Generationen funktioniert, wie Geschmäcker sich ändern und warum die Wetterprognosen elementar geworden sind? Ein Besuch.

Matteo stellt Gin-Eis her. Der Alkohol als Antigefriermittel macht die Mischung diffizil. „Nichts für Anfänger“, sagt Matteo. Seit vier Jahren ist der Junior aktiv in den Familienbetrieb eingestiegen. Erfahrung hat er trotz Jugend. Inzwischen überlässt Rino Zava dem Sohn die Eisküche.

Rund 30 Sorten gilt es jeden Morgen frisch zuzubereiten. Drei bis vier Sorten wechselnd im Sortiment hält experimentierfreudige Kundschaft bei Laune. Sagenhafte 125 Sorten Eis hat Matteo im Rezeptblock.

„Die Schließzeit von November bis Anfang Februar nutze ich für Eismessen“, sagt der Junior. Mitgebracht hat er zuletzt Pink Grapefruit mit Ingwer, Cheesecake, Lavendel oder griechischen Joghurt für Variation auf der Waffel. Als Rino Zava vor 31 Jahren in Bingen seinen Eissalon eröffnete, war von solch kruden Nuancen noch keine Rede. Fast 40 Arbeitsjahre hat der 54-Jährige bereits gesammelt. „Ich war 14 Jahre alt, als ich von Italien kam.“ Die ältere Schwester in Montabaur war seine Anlaufstation, deren Eissalon der Start ins deutsche Arbeitsleben. Sieben Jahre später suchte er mit seiner Frau Carla Räume für die Selbstständigkeit.

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Ein Vermittler lenkte den Blick auf den Binger Leerstand im Eckhaus. „Ich kam und blieb.“ So einfach kann das klingen. Inzwischen bietet das Rialto zwölf Arbeitsplätze und Platz an insgesamt 48 Tischen.

Freude über extrem treue Kunden

„Wir haben extrem treue Kunden, das konnten wir in der Umbauphase des Citycenters spüren“, sagen Vater und Sohn dankbar. Zwei Jahre lang Baustellenlärm, Staub, Dreck und eingeschränktes Platzangebot galt es wirtschaftlich auszuhalten. Ein Härtetest. Auch weil Familie Zava in den Räumen über dem Eissalon wohnt.

Maulen und Jammern? Der Blick nach vorn war immer wichtiger. Die Familie renovierte und modernisierte ebenfalls laufend. Doch der letzte Umbau war umfassend und deutlich auf Zukunft ausgerichtet. „Als klar war, dass ich einsteige, haben die Eltern noch einmal richtig investiert“, sagt der Sohn. Zur 30-Jahr-Feier wurde die Optik vor allem im Innenraum spürbar attraktiver und moderner.

„Für Schlechtwettertage ist das wichtig“, sagt Matteo. Denn, wen wundert’s, das Eisgeschäft boomt eigentlich erst so richtig an Sonnentagen. „Jeden Abend schauen wir uns genau die Wettermeldung an“, sagt Rina Zava. Die Personalplanung ist eine Seite, die andere die Zutatenorder.

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„Jeden Morgen werden wir frisch mit Obst, Milch und Sahne beliefert“, sagt der Junior. Insbesondere Früchte wie Himbeeren oder Brombeeren gelten als sensibel. „Je nach Wetter bestellen wir abends die Menge“, erklärt Matteo. Von der Logistik hinter den Bällchen ahnt der Kunde nicht viel. Lecker soll’s halt sein, nicht zu teuer und frisch zubereitet.

Auch Crêpe und Snackwaffeln laufen gut neben dem Eissortiment. Der Klassiker abseits von der Bällchen-Portion bleibt Spaghetti-Eis – seit Jahrzehnten. Und wie Matteo nun ausgerechnet auf Gin-Tonic gekommen ist? „Einen Tag vor unserer Öffnung im Februar standen die Jungs von Loredry vor der Tür.“ Die Wanning-Brüder aus Münster-Sarmsheim haben mit ihrer Gin-Kreation vom Mittelrhein bereits internationale Wettbewerbe gewonnen.

Nach ein paar Testläufen ist die Mixtur perfekt

„Sie brennen genauso für ihr Produkt wie ich für das Rialto.“ Jungchef Matteo gefiel der lokale Ansatz, die Mentalität der Macher. Nach ein paar Testläufen und gemeinsamen Experimenten im Eiskeller stand das Rezept. „Genau wie bei Rum-Eis oder Mon Cherie zeichnen wir den Alkoholgehalt aus“, sagt Matteo. Aber 60 Gramm auf vier Kilo Eis seien unproblematisch.

„Man schmeckt Gin, nicht den Alkohol.“ Eine Kreation für warme Sommertage sei das Ergebnis. Papa lässt den Sohn experimentieren. „Der Kunde entscheidet am Ende, was häufiger ins Sortiment kommt.“ Eine Spur Gelassenheit zahlt sich nach seiner Erfahrung nämlich oft aus …