Souvenirs aus Bingen – ein Stück Rheinromantik für Zuhause

Foto: Lucky Dragon – stock.adobe

Beim Thema Souvenirs kann sich Bingen bei anderen touristischen Regionen noch was abgucken. Der Schwarzwald etwa macht derzeit Furore.

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BINGEN. Pralinen aus Brüssel, Kräutermischung aus der Provence und Schiffermütze aus Hamburg – Städte vermarkten ihre Produkte. Touristen wollen Erinnerungen zum Anfassen, Schmecken, Anziehen. Der Schwarzwald macht derzeit Furore: Kuckucksuhr, Kirschtorte und Bollenhut erleben einen Relaunch. Klischees dienen als Vorlage für neue Ideen, um auch für die junge Generation frisch zu bleiben. Und damit sind Jungunternehmer rund um den Feldberg ziemlich erfolgreich.

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Beim Souvenirangebot in Bingen ist noch Luft nach oben. Foto: Christine Tscherner

Der Blick nach Baden-Württemberg könnte für Binger lohnen. Wie jeder touristische Landstrich der Welt hat der Schwarzwald seine Eigenheiten. Unverwechselbar kommen sie jedem in den Sinn, der ein paar aufzählen soll. Marketing-Fachleute nennen sie „unique selling propositions“ und empfehlen: Was in den Köpfen fest verwurzelt ist, sollte genutzt und ausgebaut werden.

Mäuseturm und Rheinromantik, dynamische Winzer und Hildegard zählen in Bingen zu den Schlagworten. „Am Merchandising sind wir ganz klar dran“, sagt Georg Sahnen, Marketingleiter der Stadt. Neue Souvenirs im städtischen Sortiment sind seit der Weihnachtssaison ein Punkt unter vielen. Sahnen setzt auf Erlebnisse, die sich so nur in Bingen finden lassen. Wie die neue Mai-Weinprobe auf dem Rheinschiff mit Winzern an Bord. Oder das Festival mit hochmittelalterlicher Musik aus der Hildegard-Zeit.

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Bewährt hat sich das Gläschen mit Aufdruck für die Nacht der Verführung. Einfach, aber genial: Das Erinnerungsstück steht bereits in vielen Tausend Küchenschränken und ist Gebrauchsgegenstand. Ebenfalls auf Gebrauch setzen die cleveren Strategen beim Zollamt. Neben Shirts und Kappen mit Bingen-Schriftzug druckt das Team sein Löwen-und-Krone-Symbol auch auf Pfeffermühlen, Grillgewürz, Sekt und Wein.

Das Sortiment von der Rheinfront ist jederzeit im Internet bestellbar. Denn wer im Urlaub eine Kaufidee hat, will nicht unbedingt die mitreisende Familie mit Einkaufsbummel nerven. Shoppen im Nachhinein, um die Urlaubserinnerung wachzuhalten, das haben Winzer längst als Strategie erkannt.

Staubfänger wie Mäusetürme aus Keramik stellt sich kein Mittzwanziger ins Regal. Auch für Postkarten gilt: Auslaufware. Toll dagegen die Idee der Turner-Route im Mittelrheintal. In den Fußstapfen des berühmten Malers lassen sich die beeindruckenden Original-Perspektiven seiner Gemälde nachempfinden – und via Smartphone in die Welt senden.

Doch zurück zu konkreten Markenprodukten aus dem Schwarzwald: Hartmut Olpps „Hackbrett“-Longboards aus dem Holz heimischer Wälder sind Kult. Unter dem Label „Da heim“ produziert Jan Knopp schöne Wohnaccessoires aus altem Scheunenholz. „Blackest forest“ heißt das Kleiderlabel für Schwarzwälder Underground-Style. Bei den Kuckucksuhren, allgegenwärtig in den Souvenirshops, gehen Manufakturen ganz stylische neue Wege: Manche reduzieren das Design auf eine schwarze Box mit Türchen, andere verwenden Pappe, halten den Zierrat unterm Giebeldach schlicht oder variieren in Pink-Türkis den Klassiker mit gekreuzten Knochen.

Apropos Klassiker: Die Schwarzwaldtorte gibt es als Rezept-Set samt Zutatenkoffer für die süße Versuchung zu Hause. Bäckermeister Johannes Ruf steckt seinen Kirschkuchen sogar in Dosen. Von dem alle zwei Jahre stattfindenden Kirschtorten-Festival in Todtnauberg kann die Dromersheimer Eisweintorte nur träumen. Ein Top-Seller wurde die aufwendig mit Jury gekürte Kreation des Eiswein-Geburtsortes nie.

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Binger Betriebe machen immer wieder Anläufe zu Kooperation und neuen Kreationen. Die opulente Holunderblüte auf der ,,Flower-Power-Torte“ des Cafés Köppel ist in den Köpfen; sie warb für eine süße Versuchung aus der Gartenschau-Stadt. Handgefertigte Marzipan-Mäuse des Cafés Röthgen sind ein beliebtes kleines Geschenk. Weinbrand in markanten Mäuseturm-Flaschen, Gin aus Büdesheim oder mit Mittelrhein-Nuance der „Loredry“, Kräuter-Likör, Kalender mit historischen Stadt-Ansichten und der Bingen-Schirm mit Baudenkmälern – das alles findet der Gast, wenn er sucht. Hildegard-Literatur gibt es gleich an mehreren Stellen. Selbstredend gehören Weinflaschen zu den beliebtesten Mitbringseln.

Von Kitsch wie bedruckten Kaffeetassen oder Plastikspielzeug mit Mäuseturm-Motiv hat die Werbegemeinschaft bislang zum Glück die Finger gelassen. Gut so. Aber ist das Angebot jenseits des Weins wirklich zeitgemäß und breit genug für eine Tourismusstadt? Und wie lässt sich das Geschäft ankurbeln? Ein letzter Blick in den Schwarzwald: Wer am Mummelsee übernachtet, eine Adresse, die schon die Großeltern als Sommerfrische kannten, erhält beim Auschecken Gutscheine für den Schwarzwaldshop nebenan: Mindestens das warme Ofenbrot und original Schwarzwälder Schinken nimmt nahezu jeder Gast mit nach Hause – als genussreiche Verlängerung der Urlaubstage.

Fazit: Zu den echten Markenprodukten „Rheinromantik reloaded“ muss am Rhein-Nahe-Eck noch eine Schippe draufgelegt werden. Die Bundesgartenschau 2029 muss Zielmarke sein. Spicken in andere touristische Regionen ist erwünscht.