Schlafplätze unter Baumkronen

Markus Bender ist Geschäftsführer der Lauschhütte mit Outdoorpark. Foto: Christine Tscherner

Bei der Binger Lauschhütte ist dies und vieles andere möglich. Markus Bender hat vor zehn Jahren mit dem Kletterwald Neuland betreten.

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BINGEN. Blitzeinschläge und Sturm konnten ihn nicht aus der Ruhe bringen: Markus Bender hat vor zehn Jahren mit der Lauschhütte und dem Kletterwald echtes Neuland betreten. Wie der Wildnistraum aussah, wo das Konzept nachjustiert wurde und wer zu den Fans der Höhenlage gehört? Die AZ fragte zum Jubiläumsfest (16. November) nach.

Die ersten Schneeflocken fielen Ende Oktober. Bender postet das erste Winterweiß jedes Jahr. Der Chef der Lauschhütte erntet regelmäßig ungläubiges Staunen aus der Stadt. Echt jetzt? Ja, die Höhe ist die Besonderheit der Immobilie neben der einsamen Lage mitten im Wald. „Dieser fast unbesiedelte Wald, das ist wirklich einmalig in der Region.“

Trotz Abgeschiedenheit hängt Benders Team extrem am Auf und Ab der Wirtschaft in der Region. „Denn zu 40 Prozent leben wir vom Gruppengeschäft.“ Geht es den Firmen gut, sitzt das Geld für Team-Events locker. Seit zwei Jahren leitet er aus dem Kontakt mit Neukunden wie Kanzleien, Familienbetrieben und Handwerksfirmen ab: Mitarbeiter werden umworben wie nie, sind kostbar und sollen mit Teambuilding an die Firma gebunden werden.

Zu Top-Kunden zählen Boehringer und Schott. Aber auch Betriebe jenseits der Rheinlinie gehören zu den Freunden der Wald-Spiele. Zwischen Bäumen Klettern und anschließendem Hüttenessen ist nur eine Variante unter inzwischen vielen. Highland-Games, Tontaubenschießen, Fußballgolf oder Bogenschuss kamen hinzu. Geo-Cashing wurde ein starkes Thema für Kindergeburtstage.

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„Nach zwei Jahren haben wir uns mit Überachtungsangeboten beschäftigt“, sagt Bender. Doch grünes Licht für einen Hütten-Anbau im FFH-Gebiet war schnell naturschutzrechtlich vom Tisch. Also wurde die Idee vom Schlafen im Baumhaus geboren. „Diesen Winter werden wir zwei oder drei Baumhäuser neu installieren.“ Die Schlafplätze unter Baumkronen bleiben jedoch ein Saisongeschäft mit Camping-Charakter.

Der Vorteil an gebuchten Gruppen ist selbst für Gastro-Laien leicht zu verstehen: Wer reserviert hat, erscheint auch bei grauem Wetter und Nieselregen. Die Lauschhütte setzt verstärkt auf dieses planbare Geschäft und hat im Gegenzug die Regel-Öffnungszeit verkürzt. Statt dienstags bis sonntags ist die Gastronomie nur noch freitags bis sonntags geöffnet; der Kletterwald hat an den Wochenenden den Freitag gestrichen. „Dafür haben wir in den Schulferien jeden Tag geöffnet.“ Zu personalintensiv sei das Warten auf Gäste wochentags. „Ein paar Rentner zum Mittagessen reichen einfach nicht.“ Knapp 40 Mitarbeiter beschäftigt die Lauschhütte samt Kletterteam in der Hauptsaison. Die Minimalbesetzung in der Durststrecke zwischen Weihnachtsferien und Ostern sind zwei Festangestellte. Für den Komplettumbau der Lauschhütte griff der Pächter in die eigene Tasche, ist dafür jedoch 20 Jahre pachtfrei in der städtischen Immobilie. Mit der Umstellung der Öffnungszeiten schreibe die Gastronomie nun eine schwarze Null. Das gewachsene Outdoor-Programm trägt das Mischkonzept.

Im Winter stehen Krimi-Dinner im Programm und Fackelwanderungen. Auch mit Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen sind die Räume in der Kaltsaison gut gebucht.

Wer die Lauschhütte jenseits der 140 Gruppen pro Jahr ansteuert? „Das Gros sind Tageswanderer.“ Eine Runde drehen hoch zum Salzkopfturm und Durchatmen oder auch größere Sonntagsspaziergänge mit Einkehr gehören zum beliebten Standard.

Touristen als Etappen-Wanderer sieht Bender dagegen selten. „Die stärkste Gruppe bei uns läuft den Ausoniusweg von Mainz nach Trier.“ Den Soonwaldsteig gehen nur Hardcore-Hiker. Was Bender mit der Lauschhütte gelernt hat? „Ich kenne mich inzwischen beim Pilze sammeln aus und kann Wild zerlegen. Wenn ich es noch einmal zu entscheiden hätte, ich würde vom Start weg voll auf Event-Location setzen.“ Nach zehn Jahren stehen die ersten Renovierungen an.