Roter Löwe thront in Büdesheimer Kreisel

Der Braunschweiger Löwe in Rot auf dem Kreisel an der Dromersheimer Chaussee weist auf die Stadt hin, in der Löwen Entertainment 1949 gegründet wurde. Foto: Thomas Schmidt

Ottmar Hörl hat für den Kreisel an der Dromersheimer Chaussee eine Skulptur nach dem Vorbild des Braunschweiger Wappentiers geschaffen. Ein Fingerzeig auf Löwen Entertainment.

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BÜDESHEIM. „Ja, ist das denn ein roter Drache?“, wird in den sozialen Netzwerken gerätselt. Nein, es ist ein Löwe, genauer gesagt das Wappentier der Stadt Braunschweig, zu erkennen am Löwenschwanz, wie Künstler Ottmar Hörl erläutert. Alle Löwen der Bundesländer können nämlich durch ihre Schwänze unterschieden werden. Und was hat diese hohe Schule der Heraldik nun mit dem neuen Kreisel an der Dromersheimer Chaussee zu tun? Hierzu geben Christian Arras, Geschäftsführer von Löwen Entertainment, und Oberbürgermeister Thomas Feser am Rande der Verkehrsanlage Aufklärung.

Denn der Spielautomatenhersteller Löwen Entertainment feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag und wurde 1949 in Braunschweig gegründet. Da stellen sich also auf einmal die Bezüge her, wobei Künstler Hörl sich augenzwinkernd und ausschließlich „schuldig“ bekennt, den Braunschweiger Löwen selbst ins Spiel gebracht zu haben. Ins Spiel, das 2017 „Playground“ hieß, eine Installation bei den Löwen an der Saarlandstraße mit 300 in Serie gegossenen, allerdings goldenen Braunschweiger Löwen. Die waren seinerzeit allerdings nicht viel größer als Gartenzwerge, im Gegensatz zu ihrem roten Bruder auf dem Kreisel, der in Polyester gegossen mächtig aufragt und geradezu ein eigenes Verkehrszeichen abgibt. Die Konfektionsgröße ist mit 300 x 262,8 x 88,6 Zentimeter angegeben.

Der Kreisel bot nach seiner Fertigstellung eine leere Fläche für die Fantasie. Der Oberbürgermeister nutzte den kurzen Draht zur Löwen-Geschäftsführung und fragte an, ob das Unternehmen die Gestaltung des Kreisels sponsern wolle. „Das war im Herbst 2018. Wir haben natürlich spontan zugesagt und gleich auch an Ottmar Hörl gedacht“, erzählt Arras. Das Ergebnis schließlich hat den Geschäftsführer so beeindruckt, dass er manchmal auf dem Weg zur Arbeit einmal rund durch den Kreisel fährt, um den roten Löwen von allen Seiten zu bestaunen, wie er schmunzelnd preisgibt. Die Skulptur sei für ihn zugleich auch Ausdruck für das „sehr gute Miteinander“ mit der Stadt Bingen, so Arras.

Das Kompliment erwiderte Oberbürgermeister Feser mit der Bemerkung: „Löwen Entertainment gehört einfach zu Bingen.“ Auch nutzte er die Gelegenheit, um die neue verkehrliche Anlage selbst mit Lob zu versehen. Entgegen vieler kritischen Stimmen am Anfang, komme der Kreisel gut an und sorge für eine flüssige Verkehrsführung.

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Auch der Künstler fügte den Lobreden ein Lob aus ästhetischer Sicht dazu: „Die Situation tut dem Löwen gut.“ Tatsächlich heben die Straßenachsen durch die jeweiligen Fluchtpunkte das Objekt recht majestätisch im Büdesheimer Verkehrsalltag hervor. Hörl verwies aber auch darauf, dass ein Künstler „immer jemanden braucht, der Geld in die Hand nimmt.“ Vermutungen, Löwen Entertainment habe deshalb irgendwelchen Einfluss auf die Gestaltung des Objektes genommen, wies Hörl zurück; auch nicht auf den Titel, der auf „Löwen Entertainment“ lautet, ein Wortspiel, das der Künstler als passend empfand.

Am Kreisel wird übrigens auch noch ein Schild angebracht, das Erläuterung geben wird, was es mit dem roten Löwen auf sich und wie er den Weg nach Büdesheim gefunden hat. Damit er nicht länger für einen Drachen gehalten wird.

Von Erich Michael Lang