Planung für Park+Ride-Anlage in Bingerbrück

Karikatur: Schwarze-Blanke

Im zweiten Halbjahr sollen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof für Park+Ride beginnen. Dafür müssen auch Eidechsen umgesiedelt werden und einige Strommasten stehen ebenfalls im Weg.

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BINGERBRÜCK. Nein, diesmal ist es nicht die Mopsfledermaus; auch nicht der Feldhamster. Diesmal sind es die Eidechsen, die umgesiedelt werden müssen. Sie hatten es sich mit den Jahren unterhalb der Stichstraße Am Rupertsberg auf dem ausrangierten Bahngelände gemütlich gemacht. Dort konnten sie auf dem Schotter der alten Gleisanlagen wunderbar in der Sonne vor sich hindösen. Aber mit der Ruhe ist es jetzt vorbei. Denn die Fläche ist inzwischen ganz anderen Zwecken gewidmet als dem Wärmebedürfnis der Eidechsen. Hier soll eine Park-and-Ride-Fläche mit 183 Plätzen für den nahen Hauptbahnhof entstehen. Die Planungen sind schon weit fortgeschritten. Rund zwei Millionen Euro soll es kosten. Und die Planer sind zuversichtlich, dass im zweiten Halbjahr 2020 begonnen werden kann.

Suche nach geeigneter Ersatzfläche

Zu den Problemen, die bis dahin gelöst werden müssen, zählt auch der Mieterschutz, den die Eidechsen umweltrechtlich genießen. Lange vorbei sind die Zeiten, da Bauprojekte mehr oder weniger keine Rücksicht auf Tier- und Pflanzenwelt nehmen mussten. Umweltverträglich soll es inzwischen sein. Und das bedeutet, dass eben auch die Eidechsen aus ihrer Wohnung nicht einfach hinausgeworfen werden können. Deshalb wird derzeit, den gesetzlichen Vorgaben entsprechend, nach einer geeigneten Ersatzfläche für die Tierchen gesucht. Gegebenenfalls muss diese Fläche auch erst hergerichtet werden, dass sich die Eidechsen gleichbleibend wohlfühlen können.

Die Genehmigung für den „vorzeitigen Maßnahmenbeginn“ liegt übrigens vor. Wie üblich dürfen mit Bundes- oder Landesmittel geförderte Projekte nicht starten, solange kein Förderbescheid eingegangen ist. Es sei denn, durch den vorzeitigen Maßnahmenbeginn wird der Baustart als förderunschädlich erklärt. Also der Zuschuss ist sicher. Die Bewilligung der Gesamtmaßnahme soll bis 2020 erfolgen.

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Deshalb kann nun bereits mit dem Rückbau der Altanlagen der Bundesbahn begonnen werden und eben auch mit der Umsiedlung der Eidechsen. Die Stadt hatte bereits Ende 2017 das Areal von der Bahn erworben. Als knifflig vor allem aus Sicht der Bahn gilt der Rückbau der Strommasten, von denen aus die Oberleitungen sich über das Gelände spannen. Diese Arbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Dass überhaupt die Stadt anstatt der Bahn selbst – um deren Pendler es schließlich geht – aktiv wird, leitet sich von dem Druck ab, unter dem das Parken generell in Bingerbrück steht. Es gilt die Devise: Wer auf die Bahn warten will, kann lange warten. Deshalb hatte Bingen die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, als sich die Möglichkeit zum Erwerb der Fläche bot. Allein dieser Transaktion gingen bereits Jahre an Verhandlungen voraus.

Die berechtigte Hoffnung ist, dass sich mit den zusätzlichen Pendlerparkplätzen die Situation in den angrenzenden Ortsstraßen entspannt, wo sich bislang Pendler und Anlieger ein Wettrennen um die wenigen Stellflächen lieferten. Klar ist dann aber auch, um die Stadtteilstraßen vor weiteren Begehrlichkeit von außerhalb zu schützen, dass ein Anwohnerparken eingeführt werden muss, dass eben auch nur Anlieger in den Straßen ihre Autos abstellen können. Zugleich ist die Bewirtschaftung der Koblenzer Straße angekündigt, es werden dort also Parkautomaten aufgestellt, die voraussichtlich ein ganztägiges Parken ebenfalls unterbinden sollen.

Noch nicht heraus ist, was das Anwohnerparken kosten wird und wie hoch auch die Gebühren auf dem Park-and-Ride-Platz ausfallen. In Mainz in der Altstadt kostet der Anwohnerparkausweis beispielsweise 60 Euro für zwei Jahre. Aber der Ausweis selbst ist weder in Mainz noch absehbar in Bingerbrück eine Garantie für einen Parkplatz in der eigenen Straße; schon gar nicht vor der eigenen Haustür. Es zeichnet sich ab, dass es um die Gebühren wie um die grundsätzliche Handhabung des Anwohnerparkens noch ordentlich Diskussionen geben wird.

Von Erich Michael Lang