Plätzchen und Nikoläuse gehen gut

Kunden und Mitglieder des Samstag-Morgen-Cafés stöbern im Weihnachtsangebot von Kaffee und Feinkost Sabine Martin. Foto: Sören Heim

Binger Geschäftsleute sprechen bislang von einem eher verhaltenen Weihnachtsgeschäft

Anzeige

BINGEN. Das Wetter hatte dieses Jahr lange keine Anzeichen geliefert, dass der Winter kommen könnte. Und lassen sich nicht sogar die Weihnachtslieder im Radio dieses Jahr länger Zeit? Langsam wird es dann doch kühler, und nachts sogar richtig kalt. Und in Bingen auf dem Speisemarkt hat das Winterdorf aufgebaut, der erste Vorbote des kommenden Weihnachtsmarktes. Nun drängt es sich doch so langsam auf: Weihnachten steht fast vor der Tür. Und das heißt auch: Es könnte so langsam Zeit werden, sich über Geschenke Gedanken zu machen.

Das wiederum bringt den Binger Einzelhandel auf den Plan, der auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hofft. Weihnachtlich geschmückt sind schon viele Schaufenster, Weihnachtsbäume sprießen zwischen Textilien, Lichterketten hängen und Kunstschnee macht sich breit. In den Schaufenstern der Konditoreien Röthgen und Köppel lassen Weihnachtsmänner und andere weihnachtliche Leckereien das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber kaufen die Binger auch schon für Weihnachten ein?

„Bei uns gehen Plätzchen und Weihnachtsmänner tatsächlich schon ziemlich gut“, erzählt Heike Köppel-Allesch. Ein besonders reges Interesse bestehe an Weihnachtsmännern aus weißer Schokolade. „Da haben wir nur noch ganz wenige im Schaufenster, einfach weil sie so unglaublich oft gekauft werden.“ Ein wenig wundere sie das, so Köppel-Allesch, aber vielleicht liege das daran, dass weiße Schokolade an Weihnachten ansonsten noch immer relativ selten sei.

Ein eher durchwachsendes Bild vom frühen Weihnachtsgeschäft zeichnet Sabine Martin von Feinkost Martin in der Salzstraße: „Bis vor wenigen Tagen war überhaupt nichts los, was das Weihnachtsgeschäft betrifft. Man kann das ja auch verstehen. Da war ewig Sommer, und nun soll plötzlich Weihnachten vor der Tür stehen?“ Mit den ersten kühleren Tagen sei das Geschäft aber angezogen: „Gerade Großkunden haben vergessen, überhaupt ihre Bestellungen für Weihnachten aufzugeben und jetzt haben wir plötzlich das andere Extrem. Es wird schwer mit der plötzlichen Nachfrage Schritt zu halten.“

Anzeige

Bei Neumann am Salztor merkt man noch nicht viel von weihnachtlicher Einkaufsfreude, gibt Inhaberin Lioba Neumann zu Protokoll. Zwei Gründe macht sie aus: Das Wetter und die zunehmende Konkurrenz durch Versender wie Amazon: „Die Leute haben sich gerade zum „Black Friday“ mit Schnäppchen eingedeckt, das merkt man.“ Immerhin, aufgrund des anhaltenden Niedrigwassertourismus könne sie sich trotzdem nicht über ausbleibende Kunden beklagen, „und für mich als Katholikin fängt die Weihnachtszeit ja tatsächlich jetzt mit dem Advent erst an.“ Dann kämen auch die Kunden, besonders wenn die Weihnachtsmärkte rundum anlaufen. „Und die freuen sich, wenn sie Binger Artikel finden, die sie sonst nirgends anders bekommen. Da fühlt man sich dann so richtig weihnachtlich.“

Ein wenig vom Wetter abhängig ist auch Intersport Brendler & Klingler im City Center. „Jetzt wird es zum Glück endlich kälter und die Leute kaufen Mützen, Schals, Kleidung für Outdoor-Sport.“ Auch auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken gingen Kunden, die die Beratung im Geschäft schätzten. „Aber natürlich werden auch wieder zahlreiche Kunden auf den letzten Drücker kommen“, lacht Markus Klingler. Nicht alle Binger planten ihre Weihnachtsgeschenke lange im Voraus.

Konkurrenz durch den Onlinehandel macht auch Gunnar Döll von der Buchhandlung Schweikhard zu schaffen: „Es geht jedes Jahr ein wenig später los mit dem Weihnachtsgeschäft und wird auch weniger“. Als Herbstbestseller hat Döll Michelle Obamas „Becoming“ ausgemacht, außerdem blickt man bei Schweikhard gespannt auf die gerade erschienene Monographie „Bingen im Nationalsozialismus“. Da gebe es großes Interesse, und für regionale Literatur kämen die Kunden auch in den Laden. Sein weihnachtlicher Höhepunkt aber sei die jährliche Wunschbaum-Aktion gemeinsam mit der Caritas: „Alle 70 Wünsche sind schon erfüllt“, so Döll. „Da bin ich richtig stolz auf meine Kunden.“

Auch wenn der Start schwierig war, blickt man in Bingen im Großen und Ganzen also optimistisch auf den kommenden Monat. Weihnachten kann kommen!