Pfandschüsseln und Butterbrotpapier

Linda Butz vor „Heimat No 5“  mit Kartoffelsalat  und veganer Suppe im Glastiegel mit Deckel für Mitnehmer. Foto: Christine Tscherner

Linda Butz vom Bistro „Heimat No 5“ in Bingen setzt bei ihren Gerichten zum Mitnehmen auf umweltfreundliche Verpackungen.

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BINGEN. Gegen Müllberge: Linda Butz setzt mit „Heimat No 5“ in der Salzstraße auf Schüsseln mit Pfand und Butterbrot-Papier. Die Resonanz auf den Bistro-Vorstoß fällt überwältigend aus. Über 2000 Menschen reagierten innerhalb weniger Tage mit Beifall im Netz und Daumen hoch vor Ort.

Roter Reis mit Brokkoli und Chili, Grillgemüse-Quiche oder Orangen-Thymian-Tarte – in dem Bistro an der historischen Salzstraße finden sich Alternativen zu Pizza, Döner und Bratwurst in der Mittagspause. Das vor zwei Jahren eröffnete Geschäft füllte eine Marktlücke in Bingen und etablierte sich schnell.

Die Investoren Pia Struck und Karsten Dörr hatten aus einem alten Frisörsalon ein schmuckes Café mit Seele entwickelt. „Heimat No 5“ gilt seither als Vorzeigeobjekt. Der frische Unternehmerschwung wurde belohnt. Das Konzept: Feinkost und Delikatessen zum Mitnehmen, Snacks aus Bioprodukten sowie gesundes Speise- und Getränkeangebot fanden nicht nur Abnehmer, sondern auch Stammkundschaft.

Vor einem Jahr übernahm Linda Butz als gelernte Köchin und Frau vom Fach im Sinne der Start-Unternehmer das Bistro. Die Idee von nicht-industrieller Küche und Wohlfühl-Atmosphäre lebt sie weiter. Vieles in den Töpfen und Tiegeln am Tresen ist vegetarisch, oft auch vegan. Kuchen und Quiches sind selbst gebacken, Snacks und Sandwiches mit Zutaten aus der Region zubereitet. Ganz überwiegend kommt Bio in die Vitrine, Dinkelmehl, Bio-Obst und -gemüse, Kaffee von Kleinbauern-Kooperativen und keine Industrieware.

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Weil das Bistro selbst nur 25 Plätze im Innenraum bietet, schätzen Gäste das Mitnehm-Angebot besonders. „Aber ich achte doch nicht auf Bio und kurze Produzentenwege, um dann bergeweise Müll zu produzieren.“ Linda Butz startete deshalb Ende März spontan mit einen Satz Pfandschüsseln.

„Hartglas mit dichtem Deckel kostet im Großhandel nicht die Welt.“ Suppen und Salate füllt das Heimat-Team seither für Mitnahmen ins Glasgefäß. Mit dem Pfand von fünf Euro schafft sich das Bistro zudem ein zusätzliches Stück Kundenbindung. Nach der Rückgabe durchläuft das Geschirr dann den Hygienegang in der Heimat-Küche.

„Wer seine eigene Dose, Schüssel oder Tasse mitbringt, wird bei uns nicht schief angesehen. Im Gegenteil“, sagt Linda Butz. Mehrwegbecher werden im Bistro seit dem Start gern mit Getränken befüllt. Denn jeder Pappbecher belastet für den kurzen Genuss nicht nur die Umwelt, sondern kostet mit 60 Cent den Wirt auch bares Geld.

Möglichst sparsam Verpackungen einsetzen, das hat sich Heimat-Wirtin Butz auf die Fahnen geschrieben. Für Bananenkuchen und belegte Brote auf die Hand reicht Brotpapier völlig. Styropor und Aluschalen sind tabu.

Die Kundschaft dankt es ihr: Aus den ersten 15 Startschüsseln wurden inzwischen knapp 70. Rund die Hälfte der Mittagesser nutzt laut Butz den Mitnehmservice. „Ich wollte nicht lange diskutieren, bis alle Binger Betriebe mitziehen, sondern einfach machen“, sagt Linda Butz. Der Erfolg kann anderen Gastronomen Mut machen. Nachahmer sind willkommen.