Ohne Engagement der Hausbesitzer gibt es keine attraktivere...

Vera Reichert von der Stadtplanung zeigt auf Fotos, wie es im Hof an der Kapuzinerstraße vor dem Umbau aussah. Foto: Tscherner

Beim Rundgang mit Oberbürgermeister Feser wird klar: Seit geraumer Zeit rufen private Investoren Fördermittel ab und beteiligen sich am Projekt, die Binger Innenstadt...

Anzeige

BINGEN. Die Fassaden sind schöner, die Sockel von Klinker-Fliesen befreit und die Wohnungen modernisiert: Der erste Stadtrundgang mit dem Oberbürgermeister zu Investitionen in Optik und Substanz zeigte Wirkung. Vorher-nachher-Fotos demonstrieren: Seit dem Startschuss des Förderprogramms „Aktive Stadtzentren“ hat sich richtig viel getan. Das Gefühl von Baugerüsten und frischer Farbe im Stadtbild trügt nicht. Der Rundgang schult das Auge.

Klar kann die Stadt investieren in das sanierte Kulturzentrum, den Löhrturm oder das Umfeld des CityCenters. Alles bekannt. Aber auch private Hauseigentümer nutzten den Fördertopf „Aktive Stadtzentren“. Endlich. Denn Zuschüsse gab es auch früher schon für sanierte Innenstadt-Immobilien und Fassaden. Nur blieben die Töpfe lange fast unangetastet. Gutscheine, Generationenwechsel und Zinsentwicklung brachten kräftigen Impuls.

„Wir wollen zeigen, was sich seit Frühjahr 2015 getan hat“, sagt Feser zur Motivation. Vor drei Jahren hat der Rat den Weg frei gemacht für ein Entwicklungskonzept mit Personalstellen und klarer Linie. Den Erfolg von Modernisierung und Instandsetzung demonstrieren Mitarbeiter der Stadt auf dem Rundgang.

Anzeige

25 Neugierige folgen. Gleich zu Beginn an der Kapuzinerstraße wartet eine Überraschung. Hinter dem Kapuze-Treff erstrecken sich ein Hof und ein von alten Mauern umgebenes Grünidyll. „Ein baufälliges Hinterhof-Gebäude musste abgerissen werden“, informiert Quartiersmanagerin Constanze Bückner-Baklouti. Das Garten-Kleinod sei eine „tolle Aufwertung für die Wohnqualität im Vorderhaus“, betont Stadtplanerin Dagmar Leitner.

Investoren rufen Mittel aus Zuschusstöpfen ab

Weiter geht’s zu zwei bekannten Beispielen aus der Salzstraße. Die „Heimat No5“ und das Eckhaus Rosenhauer & Kunz gelten als Musterbeispiele für gelungene Sanierung mit Gespür für alte Substanz. „Haben Sie auf die Reklameschrift geachtet?“, fragt Bückner. In dieser Form soll sich auch die Front des Punter-Hauses am Fruchtmarkt präsentieren, wenn die angelaufene Sanierung abgeschlossen ist.

Ungläubig fragen die Spaziergänger in der Rheinstraße zum Alten Kochlöffel nach. Ja, der Investor wolle das Haus ebenso wie den Alten Simpel abreißen und Neubauten erstellen, bestätigt Feser. Durch die Rathausstraße, Stopp am Felsenkeller der Amtsstraße und an der Löhrstraße geht es weiter ins Kulturzentrum und zur Baustelle an der Basilikastraße.

„Der Bürgerbüro-Vermieter am derzeitigen Standort hat uns 35 Prozent Mieterhöhung aufgedrückt“, sagt der Stadtchef. „Das machen wir nicht mit.“ Lieber investiere die Stadt in einen Neubau. „Durch Gespräche habe ich 80 Prozent Zuschuss statt 65 Prozent ausgehandelt“, so Feser. Die Drei-Millionen-Investition sei nun für den städtischen Haushalt deutlich günstiger.

Anzeige

Durch die Schmittstraße, über den Neffplatz und die Schlüsselgasse endet der Rundgang am Speisemarkt. Was ganz klar ankommt: Ohne das Engagement privater Immobilieneigentümer lässt sich der Traum von einer attraktiveren Innenstadt nicht umsetzen.

Um Private ins Boot des Programms „Aktive Stadtzentren“ zu holen, winkt die Stadtverwaltung mit Beratungsgutscheinen für die Sanierung, Unterstützung und Geldspritzen. Maximal 30 000 Euro Fördergeld ist möglich.

24 Gutscheine sind laut Planungsamt bislang abgerufen worden. 21 Eigentümer haben bereits zugegriffen und insgesamt drei Millionen Euro investiert; 300 000 Euro Fördergeld sind seit Mai 2015 ausgeschüttet worden, weitere 200 000 Euro anvisiert. Ein guter Schnitt? „Unser Sanierungsberater mit Erfahrung in anderen Kommunen gibt Bingen sehr gute Noten“, sagt Vera Reichert von der Stadtplanung.

Rundgänge mit dem Oberbürgermeister sollen keine Eintagsfliege bleiben. „Wenn an der Basilikastraße der Rohbau steht, das wäre ein guter Termin für die nächste Tour.“ Sein Dank geht an die Privatinvestoren im Schlepptau. „Ohne ihr Engagement ginge es nicht so zügig voran.“