Netzwerk-Treffen bei Börse für Neuigkeiten in Bingen

Die Majestäten Vanessa Litzius und Vanessa Gundlach (v.li.) beim Schwätzchen während des Stadt-Empfangs. Foto: Christine Tscherner

Beim traditionellen Empfang der Stadt findet ein reger Gedankenaustausch statt. Ein Herzenswunsch ist eine größere Hotelkapazität

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BINGEN. Herzliche Umarmungen, gute Neujahrswünsche und galantes Händeschütteln – der Empfang der Stadt zum Jahresstart ist nicht nur schöner Brauch. Er ist immer auch Netzwerk-Treffen für Ehrenamtliche und Jahrmarkt für Neuigkeiten. Das weiß Gastgeber Thomas Feser (CDU), Binger Oberbürgermeister. Er hält die Rede deshalb kurz und rückt die vierjährige Großbaustelle rund um das Rhein-Nahe-Eck ins Zentrum.

Die AZ hörte sich im Parkett um. Wie optimistisch schaut Bingen ins neue Jahr? Was sind die Herzensthemen? „Mehr Hotelkapazität“, sagt Touristik-Chef Georg Sahnen spontan. Seine 2019-er Stichworte: Netzwerke ins Laufen bringen, das Kongressgeschäft anpacken und am Image der Stadt feilen. „Ärmel hochkrempeln, darum geht’s im neuen Jahr.“

„Wir haben in Bingen so viel zu bieten, aber zu wenig Platz für Übernachtungsgäste.“ Vanessa Gundlach greift als Prinzess Schwätzerchen den Faden auf. Sie freut sich am meisten auf die Eröffnung des Papa-Rhein-Hotels „hoffentlich noch in meiner Amtzeit.“

Zusammen mit Kollegin Vanessa Litzius schlendert sie im roten Kleid von Gruppe zu Gruppe. Das Jahr startet für die gekrönten Damen mit einer Reise ins englische Hitchin, in die englische Partnerstadt.

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Apropos Briten. „Ich sehe 2019 als spannendes und vom Brexit geprägtes Jahr“, sagt IHK-Geschäftsführerin Dr. Ingrid Vollmer. Die Wirtschaft der Region ist stark vom Export geprägt, viel stärker als der Laie ahnt. Herausforderung für die Wirtschaft bleibt der Fachkräftemangel, der inzwischen branchenübergreifend angekommen sei. „Ich appelliere immer wieder an Firmenchefs, die Ausbildung in den Fokus zu rücken.“ Vor ganz anderen Herausforderungen sieht sich Menna Mulugeta. Die Binger Sängerin mit Wurzeln in Äthiopien studiert ein albanisches Lied ein. „Eine Band aus der Partnerstadt Prizren wird zum ‚Bingen swingt‘-Festival anreisen.“

Steffen Grünewald aus Büdesheim freut sich auf die Weinpirsch in seinem Stadtteil Ende März. „Wir haben die ersten Weißweine abgefüllt, der 2018-er Jahrgang wird spitze.“ Die Musikvereinigung Gaulsheim setzt ebenfalls auf Wein als Lockstoff für das neue Format „Groove & Wein“. „Der Kartenvorverkauf startet“, kündigt der Vorsitzende Andreas Hemmes an. Männer der Feuerwehr stehen zusammen. „Ich bin auf ein Seminar im Binger Wald zu Klimafolgen gespannt“, sagt Peter Krick, Vorsitzender einer internationalen Feuerwehrführungskooperation. „Brauchen wir eher kleinere und wendigere Fahrzeuge, wenn Starkregen und Waldbrände zunehmen?“ Neben ihm sind Schuldirektoren mit Kindergartenleitern im Gespräch, Kreuzschwestern vom Rochusberg mit Ehrenbürgern, Ärzte mit Kulturschaffenden, Naturschützer mit Firmenvertretern und Sportler mit Bankern.

Fastnachter freuen sich auf eine ungewöhnlich lange Session. Silvia Lampert, Sitzungspräsidentin der Sponsheimer Stechert, bespricht mit Kollegin Manuela Beck vom BVK den Besuch bei den Bingerbrücker Damen. „Zusammenhalt ist wichtig“, sagt Lampert und meint nicht nur die Helau-Phasen im Binger Leben. Gesprächsfetzen klingen positiv im Tenor. Allerdings deprimieren Ladenschließungen der Innenstadt. „Bingen wird als Einkaufsstadt sterben, aber das ist kein Einzelproblem, das geht anderen Städten genauso“, sagt Klaus Horbach. Die Jahresprognose des FDP-Urgesteins: „Er wird für eine bürgerliche Koalition bei der Kommunalwahl reichen.“ Ach ja, kaum ein Ausblick auf 2019, der nicht die Wahl des Stadtparlaments aufgreift. Der OB-Urnengang scheint als Herbst-Thema noch etwas weiter weg. Ein spannendes Jahr steht also an, eines das ganz sicher Weichen stellen wird für die Binger Zukunft.

„Der Umbau des Rhein-Nahe-Ecks hat besondere Brisanz, denn da unterscheiden wir uns klar von der CDU“, sagt SPD-Mann Sebastian Hamann. „Damit haben wir eine echte Themenwahl und nicht nur eine nach Köpfen.“

Michael Stein als CDU-Fraktionschef startet „hoffnungsvoll optimistisch“ ins neue Jahr. Die zahlreichen Projekte unter christdemokratischer Führung in den vergangenen Jahrzehnten seien „Beweis für den guten Job“. Stein führt den grundlegenden Umbau des westlichen Stadteingangs ebenfalls als zentrales Projekt an. Währenddessen gibt der Animationsfilm zur künftigen Straßenführung im Kongresszentrum Schützenhilfe – oder wirkt abschreckend, je nach Blickwinkel des Betrachters.

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Was sich die Dame mit dem Getränketablett für das neue Jahr wünscht? „Ehrlich gesagt, einfach mal wieder Sonne“, sagt Claudia Witte. Mit diesem Wunsch aus tiefstem Herzen ist die Sekretärin des Stadtkämmerers wahrscheinlich nicht allein im Saal…