Mitarbeiter vor der Zerreißprobe

Sie haben neuen Mut geschöpft und sind auf Nachwuchssuche: die Mitglieder des Orga-Teams (v.l.) Matthias Jung, Shanna Reis, Dominik Schätzl, Fabienne Kohlberger und Andreas Kissinger. Foto: Sören Heim

Das Orga-Team des Binger Open-Air-Festivals ist auf der Suche nach neuen Mitstreitern. Weil einige der angestammten Mitarbeiter wegen personeller Veränderungen nicht mehr an...

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BINGEN. In diesem Sommer wurde das Binger Open Air 30 Jahre alt. Anlass, die unerwartete Erfolgsgeschichte des einst von mehreren Binger Jugendorganisationen aus der Taufe gehobenen Festivals noch einmal zu feiern. Aber auch ein Kraftakt, der einige Probleme, mit denen die Organisatoren zu kämpfen haben, noch einmal besonders deutlich offen legte. „Der Stress war groß, einige Mitstreiter haben dann nach dem diesjährigen Festival beschlossen, dass sie die Belastung nicht mehr tragen können“, berichtet Matthias Jung, der seit vielen Jahren im Orgateam der Open-Air-Kooperative mit dabei ist.

„Das ist kein großer Knall. Das Team wird seit Jahren im Schnitt immer ein wenig älter, aus beruflichen Gründen, weil sie wegziehen oder Kinder bekommen haben, steigen Leute aus, wenige kommen nach.“ In diesem Jahr, berichten Beteiligte, sei es dann aber beinahe existenzbedrohend geworden. „Unter dem Eindruck der gewaltigen Anstrengung, die es bedeutet, so ein Festivalwochenende reibungslos über die Bühne zu bringen, dachten wir zeitweise: Das war’s. So etwas können wir nicht nochmal stemmen“, sagt Shanna Reis, eines der jüngeren Mitglieder im festen Orga-Kreis. Doch der tolle Zusammenhalt während des Open-Air-Standes auf dem Winzerfest habe neuen Mut gegeben. Nun ist man fest entschlossen: Mit dem Open Air soll es weitergehen. Man weiß aber auch: Es muss sich einiges ändern.

„Wir brauchen neue Leute“, formuliert Andreas Kissinger, der sich seit Jahren auf dem Open Air um die Technik kümmert, die Problemlage kurz und knapp. Eine Kampagne mit Flugblättern hat das Open Air schon gestartet, erste Erfolge zeigten sich nach dem Winzerfest: „Einige Interessierte haben sich tatsächlich schon gemeldet, und wenn die alle dabei bleiben, könnten wir unsere Verluste sogar ausgleichen“, so Jung.

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Da man sich darauf aber nicht verlassen kann und die Nachwuchsarbeit kontinuierlich laufen müsse, werde man einen Teil der knappen Ressourcen in Zukunft genau in dieses Projekt investieren. Interessierte können den Orgakreis per E-Mail unter Wewantyou@boaf.de direkt anschreiben. Bei fortdauerndem Interesse soll die Möglichkeit bestehen, langsam einzusteigen, zuerst einmal nur ein paar Aufgaben zu übernehmen und zu schauen: Wo und wie passe ich vielleicht in dieses Team? Außerdem, so wiederum Reis, müsse man sich an die eigene Nase fassen, was die Integration der zahlreichen Helfer, die das Open Air an den drei Festivaltagen unter anderem an Kasse und Ausschank unterstützen, beträfe. Von denen wechselt nämlich allzu selten mal jemand in den festen Orgakreis. „Das ist letztendlich eine Folge des großen Drucks, unter dem wir alle am Festivalwochenende stehen. Da klappt dann die Kommunikation vielleicht nicht immer, und keiner von uns hat Zeit, die Helfer abseits der Dienste noch an die anspruchsvolleren Aufgaben heranzuführen. Aber auch wenn es schwierig ist, keine Frage: Das müssen wir verbessern, die Zeit müssen wir uns nehmen.“

Eine weitere Idee zur Nachwuchsgewinnung hat Dominik Schätzl eingebracht: Man könne die alten Gründungsvereine vielleicht wieder versuchen mit einzubeziehen, soweit diese noch existieren. Neben dem JUZ, das traditionell immer noch stark mit dem Open Air verbunden ist, sei vielleicht der Asta der FH eine gute Anlaufstelle, die das Anliegen des Orgateams in die Studentenschaft tragen kann.

Kleinere Bands, weniger Technik

Ein wenig gesund geschrumpft habe man das Festival zuletzt sowieso schon, erklärt wiederum Kissinger. Etwas kleinere Bands, etwas weniger Technik. Es gebe ein bestimmtes Level an Gästen, das der Berg bewältigen könne, und das sei erreicht. Wachsen müsse jetzt eben nicht das Festival selbst, sondern der Organisationskreis. Damit es auch nach 30 Jahren tatsächlich weitergehen kann und nicht jedes Festival die Ehrenamtlichen, ohne die es nicht geht, vor eine Zerreißprobe stellt.

Am 28. Oktober findet die jährliche Vollversammlung des Open-Air-Vereins ab 15 Uhr im JUZ Bingen statt.