Mit kindlicher Neugier ans Werk

Er ist voller Energie: Matthias Schmandt.Archivfoto: Schmidt  Foto:

Auftakt der Saison: Das Museum am Strom startet mit frischer Energie. Die AZ fragte Kulturamtsleiter Dr. Matthias Schmandt (48) nach Plänen für Ausstellungen, Aktionen und...

Anzeige

BINGEN. Auftakt der Saison: Das Museum am Strom startet mit frischer Energie. Die AZ fragte Kulturamtsleiter Dr. Matthias Schmandt (48) nach Plänen für Ausstellungen, Aktionen und Arbeit hinter den Kulissen.

Herr Schmandt, Was tut sich neu im Museum?

Wir haben die Ausstellung „Rhein im Spiel“ wieder eröffnet. Bei mittlerweile weit über 100 historischen Spielen zum Rheinthema im Bestand ist die Schau extrem wandelbar. Selbst wer sie vor drei Jahren bereits gesehen hat, wird Neues entdecken. Außerdem nutzen wir den Raum in diesem Jahr stärker für Veranstaltungen.

Welche?

Anzeige

Im April wird es ein Hildegard-Konzert mit Instrumenten und Gesang geben. Der Rheinhessische Römertag wird im Binger Museum eröffnet. Im Oktober ist eine zweitägige Tagung über die Geschichte der Juden am Mittelrhein angesetzt.

Wie kommen die Forschungen zur Stadtgeschichte voran?

Im Juni soll der nächste Band vorliegen, der im Jahr 1871 ansetzt. Unser Museumsteam wird 2018 stärker mit Dingen beschäftigt sein, die viel Arbeit machen, aber vielleicht weniger sichtbar sind. Wie beispielsweise die Vorabeit zur Monografie über Bingen in der NS-Zeit, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Seriöse Quellen wie Protokolle und Polizeiberichte sind die Grundlage. Für diesen größtenteils weißen Fleck der Binger Geschichte sind wir spät genug dran.

Was folgt aus den Erkennnissen?

Unser neues Wissen werden wir beispielsweise in Texten unter den Bürgermeister-Porträts im Ratssaal der Burg Klopp einbringen.

Anzeige

Was gibt es Neues auf dem Feld der Führungen?

Am 22. April werden wir erstmals zu einer neuen Rupertsberg-Führung einladen. Start ist das Museum und wir laufen zum Gelände des ehemaligen Klosters. Die Führung wird Grundlage für ein Heftchen und die neue Außeninszenierung. Ziel ist es, dass Gäste unseren Kulturraum mit neuen Augen sehen. Das Kloster steht nicht mehr, das lässt sich nicht ändern. Aber man kann es virtuell zeigen. Für die solide Grundlage sind wir in den letzten Jahren inhaltlich gut vorangekommen.

Auf was freuen Sie sich persönlich am meisten?

Ich werde in diesem Jahr mit einem Tübinger Musikwissenschaftler an Ideen tüfteln, um Klangwelten des Mittelalters für uns in einer Ausstellung umzusetzen. Neue Wege suchen, wie man im Museum etwas zeigen kann, das nicht sichtbar ist – solche Knobelaufgaben finde ich spannend. Sich aber kindliche Neugier behalten dürfen, das empfinde ich als großes Privileg.

Das Interview führte Christine Tscherner.