Loreley-Kliniken vor dem Ende

Weil die Beraterfirma „Aktiva“ für die Standorte Oberwesel und Sankt Goar keine wirtschaftliche Zukunft sieht, wird die Unternehmensgruppe Marienhaus GmbH die Kliniken schließen.

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OBERWESEL/SANKT GOAR/BINGEN. (red). Auch wenn die Gesellschafter-Beschlüsse erst in den kommenden Tagen noch fallen werden, so steht doch bereits eindeutig fest: Die Loreley-Kliniken Sankt Goar-Oberwesel müssen geschlossen werden. An dieser bitteren Entscheidung führt kein Weg mehr vorbei, nachdem die im Mai beauftragte Beratungsfirma „Aktiva“ bei ihren Berechnungen zu dem niederschmetternden Ergebnis gekommen ist, dass keine der möglichen Varianten wirtschaftlich tragfähig ist, teilt die Marienhaus GmbH in einer Presseerklärung mit.

Diese Entscheidung gelte somit nicht nur für die ursprünglich geplanten baulichen Maßnahmen zur Realisierung der Ein-Standort-Lösung in Oberwesel (Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit dem Schwerpunkt Orthopädie und 183 Betten), sondern auch für alle anderen Varianten – von der Fachklinik ohne Innere Medizin, Intensivstation und Notfallversorgung über die Fachklinik für Konservative Orthopädie mit Chirurgie bis hin zur Orthopädischen Rehaklinik. Daran würde sich laut „Aktiva“ selbst dann nichts ändern, wenn ein Umbau in Oberwesel zu 100 Prozent durch Fördermittel finanziert würde und der Eigenanteil der Klinik in Millionenhöhe somit entfiele.

Verantwortlich für das Ende der Loreley-Kliniken seien, darin sind sich die Gesellschafter auf jeden Fall einig, die von der Politik auf Bundesebene in diesem Jahr verschärften gesetzgeberischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich insbesondere für kleinere Krankenhäuser massiv verschlechtert hätten.

Neben den gesetzlichen Neuregelungen, insbesondere den neuen Vorgaben zur Notfallversorgung und dem Pflegestärkungsgesetz, das ab 2020 die Pflegebudgets ausgliedert und die Personalkosten nicht ausreichend finanziert, seien es die überproportional gestiegenen Tariflöhne und die verstärkten Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, die den Loreley-Kliniken schwer zu schaffen gemacht und sie letztlich finanziell in die Knie gezwungen hätten.

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„Die Schließung der Loreley-Kliniken wird zügig erfolgen“, betont die Marienhaus GmbH. Während für den Standort Sankt Goar bereits Ende 2019 Schluss sein soll, werde Oberwesel Ende März 2020 schließen. Das Loreley-Seniorenzentrum werde weiter betrieben.

Parallel zur Schließung der Loreley-Kliniken werde die Marienhaus Unternehmensgruppe den Standort Bingen stärken. Hierbei könne sie auf die Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz zählen. Das Heilig-Geist-Hospital gehört ebenfalls zur Marienhaus Unternehmensgruppe.

Derzeit laufen intensive Gespräche mit dem Land, die ursprünglich für den Neubau vorgesehenen Mittel aus dem Strukturfonds umzuwidmen. Ziel ist es, auf diesem Wege die Auswirkung der Schließung möglichst sozialverträglich gestalten zu können.