In Büdesheim soll auf dem VOG-Gelande...

Hier soll es hin, das neue Zuhause für 12 bis 15 Parteien in Büdesheim auf dem VOG-Gelände.Foto: Thomas Schmidt  Foto: Thomas Schmidt

Es gibt viel zu erzählen, obwohl noch nichts zu sehen ist. Die Pläne sind geschmiedet, an ihnen wird nun gefeilt. Was einmal zu sehen sein wird, soll Leuchtturmcharakter für...

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BINGEN. Es gibt viel zu erzählen, obwohl noch nichts zu sehen ist. Die Pläne sind geschmiedet, an ihnen wird nun gefeilt. Was einmal zu sehen sein wird, soll Leuchtturmcharakter für die ganze Stadt Bingen haben. Und die daran arbeiten, sind irgendwie schon Pioniere, obwohl sie sich als „ganz normale Leute“ sehen, wie Wolfgang Held sagt, Kassierer beim Verein Wohn(T)raum.

Gelände an der Ecke Saarland-/Raiffeisenstraße

Der Name ist Programm. Es geht um den Traum vom gemeinschaftlichen, generationenübergreifenden Wohnen und Leben. Und diesem Traum soll ein Raum geschaffen werden, nämlich auf dem ehemaligen VOG-Gelände in Büdesheim an der Ecke Saarland-/Raiffeisenstraße. Also das Areal, wo sich die Stadt selbst eine Zeit lang an einer städtebaulichen Erneuerung versucht hatte, allerdings ohne Ergebnis.

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Seit Vereinsvorsitzender Matthias Halfmann Mitte letzten Jahres den Stein dieser Idee in den öffentlichen Teich warf, hat er weite Kreise gezogen. Inzwischen kann Wohn(T)raum 15 Mitglieder zu seinem Kreis zählen, die bereit und auch mit Begeisterung entschlossen sind, acht Parteien in der geplanten Wohnanlage zu belegen. Insgesamt werden nach gegenwärtigem Planungsstand 12 bis 15 Parteien auf dem VOG-Gelände ein neues Zuhause in Gemeinschaft finden können. Deshalb ist der Verein auch noch dabei, Interessierte zu werben. Vor allem junge Familien wären willkommen. „Wir wollen schließlich kein Getto für Alte sein“, schmunzelt Halfmann.

Der Verein ist dabei die organisatorische Klammer für die erste Stufe des Projektes. Für die Umsetzung und den Betrieb der Anlage schwebt den Aktiven eine Genossenschaft vor. „Vielleicht auch eine GmbH; aber die Genossenschaft hat klar den Vorzug“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Birgit Held. Der Vorstand bereist das Land, schaut sich andere Projekte an, um zu lernen. Klar ist, dass die Gemeinschaftlichkeit auch individuell gesetzte Grenzen hat. „Wir werden keine Kommune sein“, lacht Held. Der Mix soll es machen zwischen gemeinschaftlich genutzten Bereichen, wie vor allem einem großen Gemeinschaftsraum, und den jeweiligen Wohnungen. Der private Bereich fällt dann nach Quadratmetern einen Ticken kleiner aus, zugunsten der Gemeinschaftsfläche, wo ja dann vielen möglich ist, was in den eigenen vier Wänden nicht mehr vorgehalten werden muss; Platz zum Feiern beispielsweise. Unter dem Dach der Genossenschaft soll eben eine richtige Hausgemeinschaft entstehen, vielleicht auch ein wenig mit familiärem Charakter. So eigentlich, wie das früher mit der guten Nachbarschaft war. „In der heutigen Zeit muss einfach etwas geschehen. Die Strukturen sollten wieder zu einem dörflichen Charakter finden“, sagt Birgit Held.

Das Interesse an diesem Projekt hat alle zusammengebracht. Vorher kannte sich eigentlich keiner. Um so wichtiger ist es, im Verein mit allen abzustimmen, wer seinen Hut mit in den Ring werfen kann. Denn die Chemie muss schon stimmen. Auch sieht der Vorstand, dass es nötig sein wird, für das Zusammenleben ein kleines Regelbuch zu erstellen.

Auf dem Vorhaben ruhen Wohlwollen und Segen der Kommunalpolitik. Kürzlich hat der Planungsausschuss bis zum Spätjahr Zeit gewährt, um dem Verein die weiteren Vorbereitungen zu ermöglichen. „Das ist sehr, sehr wichtig, dass wir weiterhin Zeit bekommen“, so Birgit Held. Mit dem Grundstück hatte Wohn(T)raum auch großes Glück. Andere, am gemeinschaftlichen Wohnen interessierte Gruppen, suchen Jahre. Die meisten Bebauungspläne zeigen sich blind gegenüber solchen Konzepten, die natürlich mehr Fläche benötigen als jeweils Einfamilienhäuser.

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Derzeit steht die Bonitätsprüfung der Mitglieder an. Ein Architekt muss gefunden werden, denn auch in der Zunft ist gemeinschaftliches Wohnen planerisch vielfach Neuland. Der Verein konkretisiert die Liste der benötigten Räume, und natürlich wird weiter für das Projekt geworben. Auch steht unter anderem noch ein Bodengutachten an. Viel Arbeit also für die nächsten Monate. Gegenwärtig rechnet der Verein mit einem Baustart im zweiten Quartal 2021. Für das reine Bauwerk samt der Technik wird mit 2,1 Millionen Euro kalkuliert.

Von Erich Michael Lang