Chefarztwechsel am Heilig-Geist-Hospital

Dr. Karl-Heinz Leyser (r.) und sein Nachfolger in der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin Dr. Olaf Lühker. Foto: Thomas Schmidt

Dr. Karl-Heinz Leyser übergibt den Staffelstab an Dr. Olaf Lühker. Leyser war seit 1997 Chefarzt der Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin. Auch ist er Ärztlicher Direktor.

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BINGEN. Seit vielen Jahren gibt er dem Heilig-Geist-Hospital (HGH) ein Gesicht: Dr. Karl-Heinz Leyser. Nun kommt aber die Zeit, in der sich die Öffentlichkeit an neue Gesichter gewöhnen muss. Mit 67 Jahren übergibt Leyser den Staffelstab als Chefarzt der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin zum 2. Januar 2019 an Dr. Olaf Lühker. Als Ärztlicher Direktor am HGH wird Leyser noch mindestens bis zur Mitte des neuen Jahres aktiv sein. Am Horizont zeichnet sich aber auch hier bereits der Wechsel ab.

Die Entscheidung, nach Bingen zu gehen, habe er keinen Tag bereut, so Leyser. Am 2. Februar 1997 übernahm er den Chefarztposten, im Jahre 2000 wurde er nach einer Zeit als Stellvertreter zudem Ärztlicher Direktor. Oberarzt war er an der Uniklinik, wo ein Assistenzarzt aus Bingen ihm die Stadt am Rhein ans Herz legte. „Mir war Bingen bis dahin nur durch meine Kindheit ein Begriff, weil ich mit meinen Eltern mit dem Zug Ausflüge gemacht habe“, erinnert er sich.

In Bingen habe er eine gut aufgestellte Abteilung vorgefunden, wie auch das ganze Haus überzeugte. Sein Wunsch sei nicht die wissenschaftliche Karriere an der Universität gewesen, sondern genau eine solche Chefarztposition, die ein bisschen Freiheit bei Entscheidungen gewähre und die Kompetenz zum Gestalten herausfordere. Gestalten musste Leyser in all den Jahren, denn die Medizin und die Krankenversorgung bleiben nicht auf der Stelle stehen. Das drückt sich auch in der namentlichen Entwicklung der Abteilung aus, von der Anästhesie zur heutigen Trias mit der Intensiv- und Notfallmedizin. Rund 3200 Anästhesien führt das Team heute bei stationären und ambulanten Patienten durch. „Inzwischen ist das ein sehr breites Fach“, so Leyser.

In diese Zeit der steten Fortentwicklung der Abteilung fiel auch die Krise am HGH. Diese Zeit hat sich Karl-Heinz Leyser tief eingeprägt, musste er doch in der Direktion als Ärztlicher Direktor das Krisenmanagement mitgestalten. „Wir haben damals das Äußerste versucht und waren auch am Rande der Möglichkeiten. Es war zunächst nicht klar, wie nah das HGH tatsächlich am Abgrund stand.“ Die positive Erfahrung, die er in all den Jahren, vor allem aber in der kritischen Zeit mitgenommen hat: „Die Mitarbeiter standen in der großen Krisenphase zum HGH. Es war für jeden existenziell. Es hat sich als die große Stärke des Hauses erwiesen, dass alle zu ihrem Krankenhaus stehen. Da macht es auch Spaß zu arbeiten.“

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Wer Leyser kennt, den überrascht es nicht, dass er in seiner sympathischen Art lächelnd abwehrt, danach gefragt, ob er jetzt seinen Nachfolger mit vielen guten Ratschlägen überhäufen werde. Und Olaf Lühker nimmt nicht minder sympathisch den Ball auf: „Es wäre ja eine Sünde, wenn ich 22 Jahre an Erfahrung nicht mitnehmen würde.“ Was an Kenntnis da ist, sollte auch genutzt werden. Der 42-jährige Lühker ist ein Binger Bub, nämlich im HGH geboren, allerdings in Waldalgesheim aufgewachsen. Nach einer großen Schleife des medizinischen Wirkens, die ihn bis in die Niederlande führte, kehrt er jetzt sozusagen zurück in die Heimat. Zufällig hatte er die Stellenausschreibung im Ärzteblatt gesehen. Auch er weiß wie sein Vorgänger, dass die Abteilung sich stetig wird fortentwickeln müssen, neue Standards implantieren, die Augen offen und die Zukunft im Blick halten.

Menschen mit Ängsten beistehen

Ein zentraler Punkt ist für Lühker dabei, alles für eine optimale Patientenversorgung und -sicherheit zu tun. Die Arbeitsweise in den Niederlanden hat ihn dabei geprägt, wo zum Teil andere Ansätze gefahren werden. Dazu zählen auch Punkte wie das Risikomanagement oder die Hygiene.

Es geht aber nicht um bloß technisch-medizinische Aspekte. Lühker lässt sein Rollenverständnis als Arzt anklingen – Wissenschaftler und Seelsorger zugleich. Denn Betreuung von Patienten bedeute eben auch, sich mit den Ängsten der Menschen auseinanderzusetzen, mit denen gerade die Anästhesie besetzt sei. Vor und nach einem Eingriff gelte es, Patienten individuell zu begleiten. Und das auch vor dem Hintergrund, dass in der demografischen Entwicklung die Menschen immer älter und kränker werden.

Von Erich Michael Lang