Binger Winzerfest-Weinprobe kommt blendend an

Ehemaliger und amtierender Weinconsul Gert Reis (r.) und Thomas Krauß mit Binger Weinprinzessinnen und Ausblick auf Rheingauer Weinhänge im Kongresszentrum. Foto: Christine Tscherner

Mit einem exklusiven Vier-Gänge-Menü zu einer tollen Palette an weißen Burgundern punktet die Stadt bei ihren Gästen im Kongresszentrum.

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BINGEN. Gekostet, geschnüffelt, probiert und gesüffelt: Die festliche Winzerfest-Weinprobe mit Menü zog 125 Weinliebhaber in das Kongresszentrum. Ein Vier-Gänge-Menü als Begleiter zur Weinauswahl hat sich etabliert. Der Abend gilt als edler Höhepunkt des längsten Weinfestes am Rhein. Mit dem Kongresszentrum wurde ein neuer Ort gefunden, der schlichtweg Platz für Gästezulauf bot.

Ein Dutzend Binger Weine – blind von einer Jury ausgewählt – durfte sich präsentieren. Weiße Burgunder in zahlreichen Facetten rückte das Team um die Moderatoren Michael Choquet und Carsten Dörr ins Rampenlicht. Die Messlatte legte zum Start ein Auxerrois Blanc des Weinguts Hildegardishof. Als Tochter eben jenes Weingutes stellte Prinzess Schwätzerchen Vanessa den Starter vor.

Vom spritzig-fruchtigen weißen Burgunder bis zum aromenreichen Pinot Gris und Eiswein aus Chardonnay-Trauben konnten sich die Weinfreunde durch Melonen-Aroma, Geruch von gelben Rosen und Barriquenoten testen. Ungewohnt wohl für die meisten Zungen: die Orange-Auslese des Dromersheimer Weinguts Werner Hochthurn. Der Mix einer festlich-informativen Winzerfest-Weinprobe passte zur Reise durch Binger Weinlagen. In gewohnt unterhaltsamer Manier pickte sich Genusscoach Choquet Gäste im Saal als Gesprächspartner heraus.

Winzer Frank Hemmes gab einen Ausblick in die bald startende Lese, Weinconsul Gert Reis entführte als Korkenspezialist in die Welt des Plopp. Ein Gast aus Dubai reichte Kamelmilch-Schokolade herum, Schauspieler Dörr schaffte mit Wein-Lyrik aufmerksame Ruhe im Saal. Weinprinzessinnen in Gala-Robe nahmen nach Talkshow-Manier Platz auf dem roten Sofa.

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Eine der sehr guten Gestaltungsideen war die Moderation aus der Saalmitte heraus statt von der Bühne herunter. Ebenfalls von Skeptikern der Location als gelungen notiert: Fenster zum Rhein ließen den Blick auf Weinberge zu. Der aufwendig gestaltete Imagefilm vorweg und wechselnde Bingen-Motive signalisierten den Stolz der Weinstadt.

„Ich möchte jedes Jahr eine Schippe drauflegen“, betonte TI-Chef Georg Sahnen. Mit dem Umzug ins Kongresszentrum sei vor allem Platz und Potenzial gewonnen. Der obligatorische Baustein des elftägigen Winzerfestes hat bereits viele Umzüge hinter sich: Palais-Restaurant, auf dem Schiff in den Sonnenuntergang, über den Dächern der Stadt im TH-Altbau und dem Restaurant der Burg Klopp oder im Kulturzentrum noch mit Schnittchen statt Menü. Wer neuerdings knapp 80 Euro pro Platz bezahlte, hatte eine hohe Erwartungshaltung. Der festliche Rahmen erfüllte sie. Zur Erinnerung: Die Idee mit feinem Vier-Gänge-Menü und guten Tropfen aus Binger Lagen für gut 40 Euro pro Karte empfand der Touristikausschuss noch von wenigen Jahren als viel zu elitär. Inzwischen ist in den Köpfen angekommen: Spitzenweine aus Bingen strahlen zu Rindercarpaccio, Erbsen-Minz-Süppchen und Kalbsrücken einfach heller als vor Laugenbrezel und Käsewürfel. Lob also für die Teamleistung von Binger Köchen, die in einem Weinschaumtörtchen an Pfirsich ihr Finale fand.

Vier Gänge und einen „Krisecco Blanc“ als Aperitif durften die Gäste zu ihren jeweils drei Proben pro Gang testen. Und während die Weinfreunde prüfend Chardonnay, Grauburgunder Spätlese und Weine des Scharlachbergs kosteten, sorgte die Weilerer Garde für reibungslosen Service und entführte die Binger Sängerin Claudia Beck mit Verdis „La Traviata“ in die Welt der Arien.

Angeben mit dem, was Bingen zu bieten hat, ja, so darf eine festliche Weinprobe ruhig sein. Eine Spur gestrafft, die Teller wärmer und keine Angst vor Programmpausen für Unterhaltung am Tisch, das gaben Gäste für die Zukunft mit. „Die Weinprobe soll zur Leitveranstaltung des Winzerfestes werden“, betonte Marketing-Experte Sahnen.