Binger Wasserschutzpolizei räumt bisherigen Dienstsitz

Das Gebäude der Wasserschutzpolizei zwischen Zollamt-Restaurant und Spielplatz der Hindenburganlage steht seit 1. Juli leer. Die Beamten mussten ausziehen. Foto: Christine Tscherner

Was mit dem bisher genutzten Gebäude künftig geschieht, ist noch ungewiss. Das Land als Eigentümer erstellt derzeit ein Wertgutachten.

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BINGEN. Kein Abzug, aber Umzug, neuer Name und Leerstand: Die Wasserschutzpolizei hat seit dem 1. Juli im Gebäude der Land-Kollegen Unterschlupf gefunden. Als Außenstelle von Mainz mussten die sieben Beamten den Pavillon am Rhein räumen. Was mit der Immobilie in Bestlage passiert? Die AZ fragte nach.

„Die Standortverlagerung ist keine Interimslösung“, teilt Joachim Winkler, Pressesprecher des Innenministeriums in Mainz, mit. Bei den Polizei-Kollegen im zweiten Stock an der Mainzer Straße hat das „Enten-FBI“ seine neue Heimat gefunden.

Entfernung zum Rhein beträgt nun 200 Meter

„Nun sind es eben 200 Meter zum Rhein statt zehn Schritte“, sagt Bernd Spoo, seit 26 Jahren bei der Wasserschutzpolizei. Ein weinendes Auge um den Verlust der Büros an der Wasserfront, ja, das verbirgt der erfahrene Beamte nicht. Auch der eigene Steiger am Kulturufer soll wegfallen.

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„Wir nennen uns jetzt WSA Mainz, Dienstgruppe Außenstelle Bingen“, sagt Spoo. Und was ist mit der lange geplanten Zusammenlegung mit Rüdesheim? Seit vielen Jahren diskutieren Arbeitsgruppen ein länderübergreifendes Polizei-Konstrukt für den Rhein. Mit gemischten Streifen, gemeinsamen Booten und Büros wird es nichts.

„Vertiefte Zusammenarbeit ist weiter der politische Wille“, weiß Spoo. Aber für eine Rheinpolizei ist die Hoheitsaufgabe anscheinend eine allzu hohe Länderhürde.

Fakt ist: Entgegen der Ankündigungen noch im vergangenen Jahr ist eine baldige Zusammenlegung mit Rüdesheim und auch die Aufteilung der Binger Beamten nach Mainz und St. Goar wieder in weite Ferne gerückt.

Nur der Auszug aus der rheinland-pfälzischen Immobilie am Binger Ufer, ja, er ist bereits vollzogen. Der Pavillon Baujahr 1980 steht leer. Der Anker vor dem Flachdachbau und das Türschild erinnern an fast 40 Jahre Wasserschutz-Heimat für die Schiffs-Kontrolleure.

Jährlich schippern rund 15 Millionen Tonnen Gefahrgut an Bingen vorbei – flüssige Brennstoffe, Heizöl oder BASF-Chemikalien für Ludwigshafen. Sicherheitschecks an Bord von Transportschiffen gehören weiter zu den Hauptaufgaben der Wasserschutzpolizei; Papiere prüfen, Lenkzeiten checken und Schwarzarbeit an Bord.

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Nicht schön, aber praktisch wurde der Flachbau für die schwierigsten und unfallträchtigsten 25 Flusskilometer des Rheins an der Binger Uferfront errichtet. „Unsere Bootshalle im Binger Winterhafen ist vom neuen und alten Standort etwa gleich weit entfernt“, sagt Spoo. Die Bootsgarage zumindest bleibt den Binger Beamten erhalten.

Um den leeren Pavillon am Rhein hat indes das Fingerhakeln längst begonnen. Die Stadtverwaltung verweist ans Land. Denn die Liegenschaft gehört Rheinland-Pfalz. Der Landesbetrieb erstelle ein Gutachten zum Wert. „Wir erfahren es als Stadt, wenn die Immobilie zum Verkauf steht“, so Pressesprecher Jürgen Port.

Der Landesbetrieb teilt mit: „Das vorgeschriebene Prozedere für leer gezogene Landesimmobilien hat begonnen.“ Zunächst werde geprüft, ob eine andere Landesbehörde Raumbedarf hat. „Sollte dies nicht der Fall sein, beginnt ein Verfahren zur Veräußerung“, so Claudia Renner von der LBB-Pressestelle. Kein Wort zum Zeitplan.

Einer, der schon sehr früh Kaufinteresse signalisiert hat, ist Klaus Endemann. Für den Zollamt-Investor würde die Nachbar-Immobilie Platzprobleme lösen. „Mit dem Grundstück hätten wir einen Standplatz für mobile Toiletten gelöst“, so Endemann auf AZ-Nachfrage.

Ob auch Heriberts Hafenbar dauerhaft auf dem Terrain ihre Bleibe finden könne? Oder Freiluftfläche auf eigenem statt städtischem Grund ein Pfund wäre? Zu Spekulationen gibt es keinen Kommentar.

„Wenn das Gutachten des Landes erstellt ist, sehen wir weiter“, bleibt auch die Binger Pressestelle zu Plänen der Stadt vage. Abriss scheint jedoch am wahrscheinlichsten, wenn keine Landesbehörde dazwischenfunkt.