Binger Studenten engagieren sich als Waldklima-Botschafter

Waldklima-Botschafter Ann-Sophie Boehle (v.l.), Maja Englert, Jana Weghorst, Leonard Adler und Forstamtsleiter Axel Henke wollen die Erfahrungen der Förster bei Exkursionen erlebbar machen. Foto: Sören Heim

Junge Leute klären über konkrete Auswirkungen des Klimawandels auf.

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BINGEN. Etwa 45 Waldklima-Botschafter werden derzeit an der Technischen Hochschule Bingen ausgebildet. Sie nehme an dem Programm teil, weil sie „wirklich die Welt verändern“ wolle, sagte die Waldklima-Botschafterin Maja Englert in ihrer Rede auf der Fridays-for-Future-Demonstration kurz vor der Europawahl. Zumindest ein bisschen, zumindest nach den Kräften eines einzelnen Menschen.

Aber was genau sind eigentlich Waldklima-Botschafter, was machen sie, und wie nahm das Programm seinen Anfang? Als Forstamtsleiter von Boppard halte er bereits seit vielen Jahren an der Technischen Hochschule Vorlesungen zum Thema Ökologischer Waldbau, erzählt Förster Axel Henke. Und Förster seien in Mitteleuropa wohl mit die ersten, die die Auswirkungen des Klimawandels hautnah mitbekämen. Der Wald, so Henke, sei dahingehend ein sehr sensibles Frühwarnsystem. Und im Rheintal noch einmal ganz besonders: „Seit 1980 ist die mittlere Temperatur der Erde um etwa 1 Grad angestiegen. Rheinland-Pfalz weit um 1,6 Grad. Und im Mittelrheintal haben wir mit die höchsten Temperaturen von Rheinland-Pfalz und Deutschland. Man kann aufgrund der hiesigen klimatischen Bedingungen davon ausgehen, dass wir auch in Zukunft deutlich über dem deutschen Schnitt liegen werden.“

Ihren ganz konkreten Erfahrungsvorsprung bezüglich des Klimawandels würden Förster gerne in die breitere Bevölkerung tragen. „Aber dazu fehlen uns einfach in der Breite die Kräfte, das Personal.“

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Das in Kooperation mit der Technischen Hochschule auf den Weg gebrachte Programm „Waldklima-Botschafter“ ist eine Reaktion darauf. Ein Multiplikatorenprogramm, das die Erfahrungen der Förster in die Welt trägt. Die Waldklima-Botschafter, das sind junge Studenten, vor allem aus den Fächern Umweltschutz und Klimaschutz. Studenten wie Jana Weghorst, Leonard Adler, Maja Englert und Ann-Sophie Boehle, die von den Förstern lernen, den Wald zu lesen und die Ergebnisse dann Schülern spannend zu vermitteln.

Direkte und indirekte Schädigungen durch den Klimawandel gebe es, fasst Waldklima-Botschafterin Weghorst zusammen. Als direkte Schäden könne man etwa Waldschäden durch anhaltende große Trockenheit qualifizieren, aber auch sogenannte Windwürfe, also, wenn etwa flach wurzelnde Bäume wie Kiefern durch starke Stürme aus dem Erdreich gerissen werden. Zumindest, wenn dies durch Extremwetterereignisse immer häufiger geschehe. Und dann sei da noch der Borkenkäfer, der bei höheren Temperaturen prächtig gedeihe und dem Wald entsprechend langfristig zusetze. Und Waldschäden seien wiederum langfristig schädlich für das Klima, denn bekanntlich entziehen Bäume durch ihren Stoffwechselprozess der Atmosphäre CO2.

Ziel der Waldklima-Botschafter ist es, all diese Probleme und weitere durch Exkursionen direkt im Wald erlebbar zu machen. Weniger klassischer Unterricht als eine Entdeckungsreise durch einen gefährdeten Lebensraum. Dazu möchte man mit Schulen ab der neunten Klasse zusammenarbeiten und habe, so wiederum Henke, bereits zahlreiche Schulen angeschrieben. Man hoffe, dass das Angebot in den Schulen auch angenommen werde und setze auch auf die durch Fridays for Future sich bereits mit dem Klimawandel beschäftigende Schülerschaft, das Thema von sich aus an den Schulen auf den Tisch zu bringen. Denn zumindest die Waldklima-Botschafter in Ausbildung, mittlerweile alle im sechsten Semester, berichten aus ihrer Schulzeit, dass zum Klimawandel, seinen Ursachen und Auswirkungen wenig bis gar kein Unterricht stattgefunden habe.