Binger Open Air: Erinnerungen von Mitbegründer Jens Voll und...

Stefan Müller arbeitet seit 1991 in der Organisation des BOAF mit.Foto: Heim  Foto: Heim

Das Binger Open Air wird 30. Zu diesem Anlass spricht die AZ mit zwei „alten Hasen“. Stefan Müller ist seit 1991 ununterbrochen in der Organisation tätig, Jens Voll hat...

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BINGEN. Das Binger Open Air wird 30. Zu diesem Anlass spricht die AZ mit zwei „alten Hasen“. Stefan Müller ist seit 1991 ununterbrochen in der Organisation tätig, Jens Voll hat das Festival 1989 mit begründet und ist heute noch jedes Jahr auf dem Rochusberg zu Gast.

Stefan Müller arbeitet seit 1991 in der Organisation des BOAF mit.Foto: Heim  Foto: Heim
Jens Voll war 1989 einer der Mitbegründer des Binger Open Air Festivals.  Archivfoto: Schmidt  Foto:

Herr Voll, erzählen Sie doch mal von den Anfangstagen. Wie kam es dazu, dass dieses Festival entstand?

Voll: Man könnte sagen aus einer Bierlaune. Vertreter verschiedener Jugendgruppen saßen im JUZ, damals in der Badergasse, zusammen und beschlossen: Es müsste in Bingen doch eigentlich ein Musikfestival für junge Leute geben. Neben dem Auffinden eines Platzes bereitete das Finanzielle die größten Schwierigkeiten. Das erste Open Air konnte gestemmt werden, weil alle beteiligten Gruppen sich bereit erklärten, einen Teil des finanziellen Risikos zu tragen. Übrigens wollte der damalige Oberbürgermeister Naujack das Festival nicht genehmigen, auf Initiative des Stellvertreters Seppel Götze beschloss der Stadtrat die Genehmigung am OB vorbei.

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Gingen sie von Anfang an davon aus, dass es jedes Jahr ein Open Air geben würde?

Voll: Ich glaube, soweit haben wir anfangs nicht geplant. Erst mal musste man überhaupt das erste Festival auf die Beine stellen.

Herr Müller, gab es einen Moment in der Entwicklung des Open Airs, an dem Ihnen klar war: Das ist keine Eintagsfliege. Das Festival bleibt auf Dauer?

Müller: Als ich ’91 erstmals als Helfer dabei war, wirkte das Ganze schon sehr stabil auf mich. Es gab eine tolle Mannschaft, die nicht nur von Festival zu Festival zu denken schien. Insofern sah es für mich von Anfang an so aus, als solle hier etwas Langfristiges aufgebaut werden. Auch wenn von uns wahrscheinlich keiner geglaubt hätte, dass das Open Air 30 Jahre und länger bleibt.

In 30 Jahren hat sich sicher einiges verändert. Was waren denn so die größten Einschnitte oder Entwicklungssprünge?

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Müller: Es war natürlich am Anfang alles viel kleiner. Wir Helfer waren noch nicht in Teams eingeteilt, wie heute. Also für Kasse, Technik, Catering und so weiter. Sondern praktisch für alles verantwortlich. Sogar Security haben wir noch selbst gemacht. Dafür habe ich das Gefühl, dass wir etwas straffer organisiert waren. Wir waren eben auch viel weniger Leute.

Wie kann man sich eigentlich die Vorbereitung für ein Open Air vorstellen? Ab wann wird nach Bands geschaut, wann geht es in die heiße Phase?

Müller: Die Suche nach Bands geht eigentlich schon immer im Sommer los. Für alle anderen aus der Orga beginnt die heiße Phase so etwa gut zwei Monate vor dem Festival, würde ich sagen. Und dann wird es umso stressiger, je näher das Festival rückt.

Hat sich da in den letzten 30 Jahren etwas verändert, wie so eine typische Vorlaufphase aussieht?

Müller: Eigentlich gar nicht so sehr, glaube ich. Veränderungen verlaufen eher in Wellen. Es gab Zeiten, da wurde mit der Organisation relativ spät angefangen, und das wirkte sich dann natürlich auch aufs Festival aus.

Zum Schluss wieder die Frage an beide: Bestimmte Bands oder besondere Momente, die sich in die Erinnerung eingebrannt haben?

Voll: Ich erinnere mich besonders gern an das Jahr 1996. Damals kamen etwa doppelt so viele Gäste wie erwartet, unser Team stieß wirklich an seine Grenzen, aber am Ende war es auch ein unglaubliches Festival.

Müller: Ich habe zwei Open Airs im Kopf, die ich nie vergessen werde. Da ist 1994, unter anderem mit Die Happy, einfach ein großartiges Jahr. Und dann – ich glaube 2011 – mit dem Headliner Mad Sin. Eine tolle Psychobilly-Band. Aber auch das Jahr, in dem das Festivalgelände umgestaltet wurde. Da wurde ganz viel Energie freigesetzt und seitdem hatten wir eine Reihe wirklich starker Open Airs.

Das Interview führte Sören Heim.