Binger Herberge erhält mit „Leser helfen“ 30 000 Euro

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Thomas Stadtfeld (links) und Wolfgang Schnörr (rechts) mit Herbergsleiter Sascha Horn (Mitte), der die Spende als Vertrauensbeweis  in die Arbeit seines Teams sieht. Foto: Christine Tscherner

Durch die Gemeinschaftsaktion der AZ kam für die Herberge eine Rekordspende zusammen. Der 24-Stunden-Betrieb kann nur mit Spenden laufen, um Menschen ohne Obdach zu unterstützen.

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BINGEN. Das ist einsamer Rekord, das ist spitze. Die große Gemeinschaftsaktion der AZ „Leser helfen“ hat für die Herberge der Caritas das Rekordspendenergebnis von 30 000 Euro erzielt. Alle sind geplättet und glücklich.

Thomas Stadtfeld (links) und Wolfgang Schnörr (rechts) mit Herbergsleiter Sascha Horn (Mitte), der die Spende als Vertrauensbeweis  in die Arbeit seines Teams sieht. Foto: Christine Tscherner

„Das ist ein großer Vertrauensbeweis in unsere Arbeit“, sagt Herbergsleiter Sascha Horn, als er von der Höhe des Betrags erfährt. Die Spender vertrauten der Herberge, dass das Geld sinnvoll für obdachlose Menschen eingesetzt werde. Die begleitende Berichterstattung der AZ habe dazu beigetragen, für die Arbeit an der Mainzer Straße zu sensibilisieren. „In Bingen ist es auch sehr angenehm zu arbeiten. Wir bekommen signalisiert: Gut, dass es Euch gibt. Das ist eine große Wertschätzung, die sich nun auch in der Höhe des Spendenbetrags ausdrückt“, so Horn.

Einsatz für Menschen ohne Obdach: Die Wohnungslosenhilfe fragt nicht nach den Gründen und Schuldigen, sondern spendet Wärme, Bett und Essen. Notwendigkeit erkennen, Raum bieten und Wege aufzeigen – das zählt. „Neben dem Spendenergebnis ist die sensible Berichterstattung über die Herberge der zentrale Punkt für uns.“ Caritas-Direktor Wolfgang Schnörr stellt den Zusammenhang aus angespannter Lage auf dem Wohnungsmarkt und den Rekordzahlen in der Herberge her: 3730 Mal bezogen Menschen im Jahr 2018 in der Binger Notunterkunft ihr Bett. „So viele wie noch nie und über 600 Gäste mehr als im Vorjahr“, verdeutlicht Herbergsleiter Sascha Horn die massive Steigerung.

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Von den 215 Schutzsuchenden, die sich im vergangenen Jahr von Fachkräften beraten ließen, stammten 65 aus Rheinland-Pfalz, viele davon aus dem Kreisgebiet. Für Horn zeigt die Heimquote: „Es sind nicht mehr nur die klassischen Durchwanderer, die in der Stadt Station machen.“

Wer seine Wohnung, aus welchen Gründen auch immer, verliert, finde zunehmend schwerer in der Region eine neue. Thomas Stadtfeld, Leiter der Wohnungslosenhilfe im Caritasverband, betont: „Wir spüren zunehmend, dass Freunde und Familie immer weniger soziale Netzwerke bilden.“ Wenn Job- oder Partnerverlust, Suchtproblematik und häufiger denn je auch psychische Probleme hinzukommen, ist der Weg zurück von der Straße meist sehr steinig.

Nicht zum ersten Mal unterstützt die AZ die Herberge für Obdachlose. Denn die Finanzierung über Mitgliedsbeiträge des Vereins, über Zuschüsse des Landkreises und der Stadt reicht am Jahresende nie. Ein Minus um die 40 000 Euro pro Jahr ist allerdings nicht mehr allein aus Spenden zu stopfen.

„Der Landkreis hat reagiert und den jährlichen Zuschuss erhöht“, so Horn. Auch Bingen hilft statt mit 3000 Euro nun mit 10 000 Euro pro Jahr. „So haben wir mehr Luft“, freut sich Horn. Der 24-Stunden-Betrieb mit Übernachtung, Beratung und Tagescafé kostet Unterhalt für Strom, Gas und Wasser und Geld für Personal. Ohne Spenden geht nichts.

Um die Zuflucht geöffnet zu halten, braucht die Herberge neben Finanzkraft auch Nachwuchs bei den Ehrenamtlichen, auch das wurde klar. Sie bilden mit ihrem Engagement das Herz des Hauses.

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Einmal im Jahr ruft die Allgemeine Zeitung rund um die Weihnachtszeit zur Unterstützung für soziale Einrichtungen in Bingen und Umgebung auf. Reportagen begleiten den Appell und illustrieren die Arbeit vor Ort. Zu erfahren, wie die zugespitzte Lage auf dem Wohnungsmarkt nach unten durchschlägt, wie sich Werte verschieben ohne Dach über dem Kopf und wie mühsam der Weg zurück sein kann – der Blick ließ nachdenklich werden.

Ziel der Caritas als Träger ist der Weg der Gäste zurück in ein „normales“ Leben. Eines mit Adresse, Arbeit und Anerkennung. Nicht immer gelingt der Schritt. Auch das gehört aber zur Realität. „Leser verstehen draußen jetzt viel besser, was hier im Haus läuft“, lobt Sascha Horn. Die Herberge an der Mainzer Straße fängt auf. Das Team aus Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen setzt dort an, wo andere am liebsten wegschauen. Begegnung ohne Urteil, Beratung oder auch bloß ein Bett für die Nacht sind die Angebote.