Bingen die Hochzeitsstadt? Antrag der FWG im Tourismusausschuss

Bingen als Eldorado für Heiratswillige? Die FWG kann sich das gut vorstellen. Archivfoto: dpa   Foto:
© Foto:

Die Weinstadt, die Hildegardstadt, die Hochzeitsstadt. Wie? Ja, Bingen, die Hochzeitsstadt. Die FWG-Fraktion hat dieses neue Label mit einem Antrag in den Tourismusausschuss...

Anzeige

BINGEN. Die Weinstadt, die Hildegardstadt, die Hochzeitsstadt. Wie? Ja, Bingen, die Hochzeitsstadt. Die FWG-Fraktion hat dieses neue Label mit einem Antrag in den Tourismusausschuss lanciert. Die Idee ist ebenso simpel wie bestechend. Weil viele Paare für ihre Trauung außergewöhnlich schöne Plätze suchen und weil Bingen viele außergewöhnliche Plätze zu bieten hat, warum daraus nicht ein Angebots- und Rundumsorglos-Paket schnüren? Der schönste Tag des Lebens, komplett aus einer Hand, mit allem ausgestattet, was Braut und Bräutigam so wünschen, einschließlich einer Dreimannband mitten in den Weinbergen.

Die Gewährsfrau für den Erfolg dieses Konzeptes war an diesem Abend die freie Theologin Christine Lübbig. Sie wurde eigens auf Wunsch der FWG zur Sitzung gerufen, um den Ausschussmitgliedern die Varianten für die Feier des Bundes fürs Leben verständlich und schmackhaft zu machen. Letztlich geht es darum, dass die Stadt als eine Art Vermittlungsagentur auf einer Portalseite gegen Gebühr der Anbieter alles verfügbar macht, was die bald Jungvermählten zu ihrem Glück brauchen. Per Mausklick kann sich ein Paar zusammenstellen, wann, wo und wie geheiratet wird und mit welcher Ausstattung. Allerdings wurde klar, dass der Pfarrer die Trauung am Wingertshäuschen nicht vollziehen kann, da er an die dieserhalb geweihten Stätten gebunden ist. Ein freier Theologe kann das sehr wohl, oder ein freier Redner, was dann natürlich auch keinen sakramentalen Charakter hat, sondern lediglich auf besinnlich-fröhliche Wohlfühlstimmung abhebt.

In Bingen gebe es viele Orte, die für eine besondere Feierlichkeit geeignet seien, vom Rochusberg bis zum Rhein-Nahe-Eck. Voraussetzung sei ein absolut guter Service und die Vernetzung aller Dienstleistungsangebote im Paket. Die jungen Paare ließen sich das auch was kosten. Lübbig sagte, Untersuchungen zufolge lägen die Ausgaben für eine Hochzeit zwischen 20 000 und 25 000 Euro. Nicht nur dieses Geld werde überwiegend dann an Bingen gebunden. Es werde zahlreiche Übernachtungsgäste geben, auch andere Feiern, wie beispielsweise eine Silberne Hochzeit, die das Angebot der Hochzeitsstadt bei Locations und Dienstleistungen auch nutzten. „Einfach trauen. In Liebe. In Bingen“, war schon mal ein erster textlicher Wurf fürs Marketing.

Begeisterung wollte nicht so recht überspringen

Anzeige

So ganz wollte die Begeisterung nicht in die Ausschussrunde überspringen. Vor allem Oberbürgermeister Thomas Feser trat auf die Bremse und nahm den Hochzeitsglocken ihren Schwung. „Wir als Stadt Bingen machen da nix“, sagte er. Es sei nicht die Aufgabe der Stadt, für die Organisation solcher Feiern zu sorgen. Gerne unterstütze er das Konzept und werbe auch dafür, aber umsetzen müssten es andere.

Klaus Künster-Maßmig (FWG) wollte eine Brücke bauen: „Das ist ein Thema für die Stadt, das müssen wir besetzen.“ Bei der Stadt müssten die Drähte zusammenlaufen. Aber auch Elisabeth Gräff (CDU) hielt dagegen. Die Wirtschaftsbetriebe müssten bei Interesse zusammenfinden. „Die Stadt kann selbstverständlich die Flyer auslegen oder auf Messen dafür werben. Das ist nicht das Thema.“

„Ich sehe einen Markt für die Stadt“, meinte Sebastian Hamann (SPD) und wies darauf hin, dass dann aber unbedingt auch das Standesamt miteinbezogen werden müsse. Auch Frank Hemmes (CDU) sah eine Werbung für die Stadt. Er wies darauf hin, dass aber das Angebot ganz breit aufgestellt sein müsse. Kirchen und Pfarrämter sollten genauso aufgelistet sein, wie eben freie Redner oder Veranstaltungsorte im Stadtgebiet. Christine Lübbig unterstrich, genau diese Breite im Angebot sehe auch das Konzept vor.

Einstweilen blieb es bei der bloßen Kenntnisnahme im Ausschuss. Zu einem Beschluss kam es nicht. Die mehrheitliche Botschaft war: Wenn sich Betriebe zusammenfinden und eine „Hochzeitsstadt“ errichten möchten, könne gerne wieder darüber gesprochen werden.

Von Erich Michael Lang