Bienenrettung an der TH Bingen gelingt nicht

Imkerin Nicole Schulte (rechts) und Dennis Frei von den Stadtwerken nutzten bei ihrer Rettungsaktion einen Smoker, um den Insekten im wahrsten Sinne des Wortes Dampf zu machen. Foto: Jochen Werner

Der Versuch, die Bienen aus ihrem Nest in Höhe des zweiten Stocks der TH zu holen, ist für Nicole Schulte und Dennis Frei eine schweißtreibende Angelegenheit – am Ende ohne Erfolg.

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BÜDESHEIM. Die Rettungsaktion dauerte mehr als drei Stunden. Der Erfolg? „Naja“, sagte Imkerin Nicole Schulte unmittelbar danach in der Hoffnung, dass es die Bienenkönigin war, die sie letztendlich fangen konnte. Das allein hätte aber noch nicht den Erfolg des ungewöhnlichen Unternehmens am Montagmittag auf Höhe des zweiten Stockwerks am Gebäude eins der TH Bingen bedeutet. Die junge, noch relativ kleine Königin hätte es mit ihren Pheromonen zudem noch schaffen müssen, dass ihr das Volk auch in die Ableger-Holzbox auf den Erdboden gefolgt wäre. Viele Konjunktive.

2019 sei ein Schwarmjahr, berichtete Nicole Schulte beim Warten auf den Steiger, „denn das ist bereits der fünfte, den ich einfange.“ Am vergangenen Samstag erst hatte sie ein Volk aus einer Gartenhütte geholt. Am Montagmorgen, gegen 10.45 Uhr, als sie auf den Steiger wartete, war ihr Plan noch simpel und die Hoffnung groß: Die Bienen mit Rauch verjagen, die Königin finden und das Volk retten. Der bisher höchste Einsatz der Imkerin aus Kempten wurde dann aber schnell zum kompliziertesten. Acht Meter hoch, im zweiten Stock der TH, hatte sich das Volk eingenistet. Irgendwo im nirgendwo, hinter einem kleinen Flugloch. „Keine Ahnung, wie tief es ins Gebäude reingeht. Alles kann direkt hinter dem Putz sein, genauso gut könnte dahinter ein riesiger Hohlraum sein“, war die Fachfrau nach der Aktion ähnlich schlau wie zuvor.

Die Rettung konnte nur zusammen mit den Stadtwerken und einem Steiger erfolgen. Dennis Frei von der Elektroabteilung erlebte mit dem Spezialauftrag seine Bienenrettungspremiere, musste sich in luftiger Höhe bei mehr als 30 Grad im Schatten erst die Imkerkleidung inklusive Hut und Schleier anziehen. Genauso wie Nicole Schulte. Die hatte zudem noch den Smoker mit angezündetem Reisig und Lavendel in der Hand, um den Insekten im wahrsten Sinne des Wortes Dampf zu machen. Fürwahr eine schweißtreibende Angelegenheit für sämtliche Beteiligten. Denn schon die Zuschauer am Boden gerieten ins Schwitzen und suchten deshalb den Schatten.

„Wir versuchen alles, um die Tiere zu retten“, gab Schulte die Losung aus. Die Maßnahme war auch für sie höchst ungewöhnlich. Normalerweise finden sich Schwärme an Hecken oder Bäumen, wenn die alte Königin mit etwa der Hälfte ihres Volkes auszieht und damit einer neuen Königin Platz macht. In der TH jedoch hatte sich ein Volk bereits fest eingenistet und war so unmöglich zu fassen.

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Pünktlich um 11 Uhr war Frei mit dem Steiger vor Ort, wenige Minuten später begann die Aktion mit Rauche und Trommeln. Vor allem aber mit Warten und Hoffen, bis sich nach Stunden endlich eine junge Bienenkönigin zeigte, die Nicole Schulte sofort packen konnte.

Und dann kommt wieder die Sache mit den Konjunktiven. Hätte man die Bienen nicht einfach in ihrem selbst gesuchten Zuhause belassen können? Nein. Zwar störte das Nest an sich nicht, doch mussten wegen der Insekten zuletzt die Fenster des Hörsaals geschlossen bleiben. Außerdem, so die Imkerin, müssten die Tiere gegen die Varroamilbe behandelt werden. Falls nicht, würde das Volk den nächsten Winter höchstwahrscheinlich nicht überleben.

Am Dienstagnachmittag stand fest, dass die Mühe vergeblich war. „Ich habe alles versucht, was in meiner imkerlichen Macht steht, um das Volk zu retten“, bedauerte Schulte, „aber leider lässt sich nicht jeder Schwarm einfangen.“ Das sei nicht zu ändern. Die Imkerin ging aufgrund des geringen Flugverkehrs davon aus, dass das Volk nicht sehr groß ist. Wie auch immer. Nicole Schultes Fazit: „Auf jeden Fall wollen diese Bienen hier ihre selbst gewählte Behausung nicht verlassen!“