Besucher aus der Normandie zugeschaltet

Pfarrer Olliver Zobel (v.l.), Moderator Christoph Winter und Vikar Manuel FetthauerbeimGottesdienst und Dialog im Netz. Foto: Heim

In der Binger Johanneskirchengemeinde fand erstmals ein „Sub-Lan-Gottesdienst“ statt. Das Thema lautete: Level up your life.

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BINGEN. Ein wenig ungewöhnlich ist der Anblick im ersten Moment schon. Manche Gottesdienstbesucher haben ihre Smartphones oder Tabletts ausgepackt und tippen auf ihren Geräten. Auch Pfarrer Olliver Zobel, Vikar Manuel Fetthauer und Moderator Christoph Winter sind entsprechend ausgestattet. Wo sonst alle Aufmerksamkeit auf den Altarraum ausgerichtet sein sollte, hat am vergangenen Sonntagabend moderne Technik Einzug gehalten: in der Binger evangelischen Johanneskirchengemeinde. „Sub-Lan-Gottesdienst“ heißt das Konzept, das gleichzeitig auch noch im Kirchengewölbe auf Leinwand und über www.sublan.tv ins Netz gestreamt wird. Eine Idee, die vielleicht nur auf den ersten Blick zwischen Pfarrer und Gemeinde eine Barriere aufwirft. Denn der Sub-Lan-Gottesdienst ist tatsächlich äußerst kommunikativ ausgerichtet. Jederzeit kann online oder aus der Kirche heraus mit Fragen auf das Geschehen eingewirkt werden. Diese neue Offenheit reflektiert sich bereits in der Begrüßung, in der Pfarrer Zobel Online-Gäste aus Gau-Algesheim, Hachenburg und der Normandie direkt ansprechen kann. Möglich gemacht wird der Sub-Lan-Gottesdienst durch das neue Freifunk-W-LAN-Netzwerk, das seit einigen Wochen in und um die Johanneskirche betrieben wird. Daran hängt die Technik, die Stream und Kommunikation überhaupt ermöglicht. Mitglieder der Kirchengemeinde sind im Hintergrund ständig online und haben ein Auge auf die Kommentare, um etwaige Trolle gleich herauszufiltern. Auch thematisch schlägt die Ausrichtung des Experiments sich nieder: „Level up your life“ lautet der Titel des Gottesdienstes. Als Einstieg ins Thema dient ein kurzes Gespräch zwischen Vikar Fetthauer und Jonas Schmidt, der sein Hobby, das Computer-Rollenspiel Destiny 2, vorstellt. Die Einführung in Rüstung und Bewaffnung in der Online-Welt leitet über zu einer Lesung aus dem Epheserbrief des Paulus, in dem dieser von den Waffen und Rüstungen spricht, die Gott den Gläubigen mit auf den Weg gebe. Defensive Waffen, wie Zobel betont, mit Ausnahme eines Schwertes, dem Wort. In einer Zeit wie der heutigen, in der immer weniger sicher erscheint, sei es gut, auf diese Weise gerüstet zu sein, so Zobel. In der Folge zeigt sich die Interaktivität des Sub-Lan-Gottesdienstes dann in aller Deutlichkeit. Die „militärische Metaphorik“ ist nicht jedem am Handy oder Computer recht. Mehrere Zwischenfragen zweifeln grundsätzlich an der Angemessenheit dieser Art zu sprechen, während andere ihre Freude darüber ausdrücken, derart gerüstet besser in der Welt zurechtzukommen. Noch einmal betonte Zobel, dass es nicht darum gehe, mit der „Waffenkammer Gottes“ Gegner „niederzumachen“, sondern einerseits um eine Auseinandersetzung mit sich selbst, andererseits um die Standfestigkeit, Menschen, die den Glauben oder christliche Werte in Wort und Tat angreifen, bestimmt entgegenzutreten und damit zu überzeugen. Definitiv ein spannendes, interaktives Gottesdienstformat, das mit gemeinsamem Gesang und Gebet natürlich die klassische Form nicht aufgibt.

Zobel zeigt sich im Anschluss zufrieden mit dem Verlauf der Gespräche und gibt zu: „Ich hatte mich eigentlich auf ganz andere Fragen vorbereitet, aber dann hat es sich eben so entwickelt, und genau das ist ja das Interessante.“ Ein paar Probleme habe man beim Streaming noch mit der Tonqualität gehabt, daran wolle man für den nächsten Versuch arbeiten. Die Gemeinde freut sich nun über Rückmeldungen, mündlich oder per E-Mail.

Ist es eine gute Idee, Gottesdienste live ins Internet zu übertragen? Stört das die Gläubigen in der Kirche? Oder ist es eine wahrhaft inklusive Erfahrung?