Die starke Frau an Luthers Seite

Lautes Stimmengewirr erfüllt die evangelische Kirche; erst durch das Glockengeläut im Hintergrund kehrt ein wenig Ruhe ein. „Und nun tauchen Sie ein ins 16. Jahrhundert und...

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HOCHHEIM/MAIN. Lautes Stimmengewirr erfüllt die evangelische Kirche; erst durch das Glockengeläut im Hintergrund kehrt ein wenig Ruhe ein. „Und nun tauchen Sie ein ins 16. Jahrhundert und die turbulente Zeit der Reformation“, begrüßt Marijke Gossler die mehr als hundert Besucher der nahezu ausverkauften Kirche. Jeder kennt Martin Luther, doch die Frau an seiner Seite ist oft unbekannt. Die Geschichte von Katharina von Bora ist genauso faszinierend wie die des Reformators.

Eng an historisch belegte Fakten gehalten

Im Rahmen von „Kultur in der Kirche“ führten Miriam Küllmer-Vogt und Gernot Blume am Klavier vom Tournee-Theater Zauberwort das Musical „Wenn Engel lachen“ auf, das das Leben der Nonne porträtiert. Es hält sich eng an historisch belegte Fakten, viele Liedtexte stammen leicht abgewandelt aus der Bibel oder den Briefen zwischen Luther und „Herr Käthe“, wie Katharina von Bora von ihm liebevoll genannt wird. Nach einer emotionalen Flucht aus dem Kloster, gemeinsam mit elf anderen Nonnen im Jahr 1523, gelingt Katharina der Weg „aus dem Grab des Klosters in die weite Welt“. Die Nacherzählung ihres Lebens wird von Miriam Küllmer-Vogt alleine gespielt; andere Personen werden von der Solokünstlerin zwar direkt angesprochen, sind aber nicht existent.

In ihrem Leben musste sie viele Beschimpfungen über sich ergehen lassen, auch die Auflösung der Verlobung mit Hieronymus Baumgartner macht ihr zu schaffen.

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Das authentische Kostüm und die gesangliche Höchstleistung der Miriam Küllmer-Vogt zeigt die Leidenschaft der gelernten Theologin. Die Mimik der Hauptdarstellerin wird gekonnt eingesetzt, auch ihr Schauspiel überzeugt. Es sind nur einige wenige Requisiten vorhanden, die aber eine tragende Rolle spielen. Das Portrait des Reformators beispielsweise wird als Probe für ein Treffen mit ihm genutzt, bei dem Katharina von Bora Luther einen Heiratsantrag macht. Als emanzipierte Frau des 16. Jahrhunderts schildert sie mit einer aufbrausenden Art, wie sie schließlich die Ehe mit Luther schloss. „Vielleicht braucht der Reformator eine Frau an seiner Seite, die ihm den Rücken stärkt. Und ihm zeigt, wo es lang geht!“. Nicht immer typisch für das Mittelalter ist es für eine Frau, ihre eigene Meinung zu sagen, was Katharina von Bora jedoch getrost ignoriert. Auch das ein Verhältnis zwischen Mönch und Nonne zur Zeugung eines Antichristen führen kann, ist für sie nicht weiter von Bedeutung. An ihrem Geburtstag formuliert Katharina von Bora den Wunsch:“ Weil du alles reformierst, nur nicht dich, wünsche ich mir: heirate mich!“, was der Mönch schließlich auch mit Ja beantwortet. „Bei unserer Hochzeit, da werden die Engel lachen und die Teufel, die werden weinen!“ – am 13. Juni 1525 wurde die Ehe zwischen den beiden geschlossen, aus der sechs Kinder hervorgingen. Die musikalische Leistung wurde mit viel Applaus und Standing Ovations seitens des Publikums belohnt. Rund 70 Auftritte stehen im Lutherjahr mit dem im Jahr 2011 entstandenen Stück an, das Küllmer-Vogts Ehemann Fabian Vogt verfasste.

Von Angela Hahn