Aus Sicherheitsgründen müssen in Hochheim/Main 40 Bäume im...

Die Bäume vor dem Rathaus gehören eigentlich auch zu den Kandidaten für eine Fällung. Mit großen finanziellem Aufwand konnten sie bisher davor bewahrt werden. Ewig geht das aber nicht.  Foto: Jens Etzelsberger  Foto: Jens Etzelsberger

Sonnenbrand, Wucherungen, Rindennekrosen, Pilzfraß, von außen unsichtbare Aushöhlungen, schlecht gewachsene Gabelungen, Wurzelprobleme – es war ein Pandämonium an...

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HOCHHEIM/MAIN. Sonnenbrand, Wucherungen, Rindennekrosen, Pilzfraß, von außen unsichtbare Aushöhlungen, schlecht gewachsene Gabelungen, Wurzelprobleme – es war ein Pandämonium an Malaisen, die sich ein Baum zuziehen kann, die Karsten Jocksch in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses aufzählte. Und all dies hat der Forstwirt und Baumkontrolleur an Bäumen im Stadtgebiet feststellen müssen. In 40 Fällen war sein Urteil radikal: Der Baum ist nicht zu retten und muss weg, bevor Menschen zu Schaden kommen.

Dass Bäume schon vor dem Erreichen ihres üblichen Lebensalters entfernt werden müssen, kann mehrere Ursachen haben, so Jocksch. Die falsche Wahl des Baumes kommt dabei ebenso vor, wie eine unsachgemäße Pflanzung und Pflege. Pioniergehölze wie Silberahorn, Birke und Pappel seien wegen ihrer mangelnden „Abschottung“ für den städtischen Raum ohnehin ungeeignet, so Jocksch. Abschottung meint dabei die Fähigkeit des Baumes, Rindenschäden zu kompensieren. Ist diese Fähigkeit nur schlecht ausgebildet, kann jede Verletzung zu einer dauerhaften Schädigung des Baumes führen. Resistentere Arten stecken solche Probleme dagegen klaglos weg. Gegen menschliches Versagen sind aber auch Bäume machtlos. Wird ein Baum zu tief eingepflanzt, sodass die Wurzelausläufe nicht mehr sichtbar sind, hat er kaum eine Chance, standsicher mit dem Boden zu verwachsen. Auch in Hochheim sind Bäume so fehlerhaft gepflanzt worden, hat Jocksch bei seinen Kontrollen festgestellt. Ein fehlender Sonnenschutz kann den Baum nachhaltig schädigen. Deshalb müssten Jungbäume entweder mit Schilfmatten oder mit einem Schutzanstrich versehen werden.

Erschwert werde seine Expertise durch efeubewachsene Bäume. In diesem Fall könne keine seriöse Aussage zum Zustand des Baumes gemacht werden.

Birgit von Stern (Grüne) wollte wissen, wie viele der zum Fällen vorgesehenen 40 Bäume noch erhalten werden könnten. Denn Ersatzpflanzungen bräuchten viele Jahre, bis sie die ökologische Wertigkeit eines alten Baumes erreicht hätten.

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Eine Quote von 40 bis 50 Stück pro Jahr sinnvoll

Bürgermeister Dirk Westedt (FDP) macht von Stern allerdings keine Hoffnung, dass es bei den 40 Bäumen noch Verhandlungsspielraum gebe. „Die müssen weg“, sagte er. Es seien sogar noch einige Bäume mehr auf der Liste gewesen, etwa die beiden vor dem Rathaus, die seit fünf Jahren zum Fällen vorgesehen seien, aber mit erheblichem Aufwand bisher davor hätten bewahrt werden können. Angesichts von 4200 Bäumen auf öffentlichen Flächen sei eine Fällquote von 40 bis 50 Stück pro Jahr aus forstwirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll, sagte Westedt. Für die 40 zu fällenden Bäume würden 32 nachgepflanzt. Dass nicht alle ersetzt würden, liege daran, dass etwa im Käsbachtal Bäume entfernt würden, um anderen besseren Wuchs zu ermöglichen und eine Nachpflanzung hier keinen Sinn mache.

Die Kosten für die Baumkontrolle bezifferte Westedt mit 12 000 Euro. Dazu kommen rund 50 000 Euro im Jahr für Pflegemaßnahmen durch externe Firmen sowie eine ähnliche Summe für Leistungen des städtischen Bauhofs.