Die in Groß-Umstadt vermisste Frau lebt

In den Weinbergen bei Groß-Umstadt wurde die seit zehn Tagen vermisste Seniorin wieder gefunden. Foto: Karl-Heinz Bärtl

Zehn Tage lang war die 70 Jahre alte Seniorin verschwunden. Am Sonntagabend tauchte sie in den Weinbergen bei Groß-Umstadt wieder auf. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

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GROSS-UMSTADT. Wie groß müssen wohl die Freude, das Glück und die Erleichterung für den Sohn gewesen sein, als er am späten Sonntagabend via Facebook mitteilen konnte: "Meine Mutter wurde gefunden. Ich danke 1000 x allen, die hier fleißig mit geteilt haben. Es geschehen noch Wunder."

Das Wunder, von dem er berichten konnte, ereignete sich am Sonntagabend gegen 17.40 Uhr. In den Weinbergen bei Groß-Umstadt wurde zu dieser Zeit seine 70 Jahre alte Mutter von Spaziergängern angesprochen. Seit dem 10. Oktober galt die Frau als vermisst. An diesem Tag war sie zuletzt gegen 9 Uhr in der Kreisklinik Groß-Umstadt gesehen worden. Danach verlor sich ihre Spur. Für Familie und Freunde begann eine lange, zehn Tage währende Leidenszeit voller Ungewissheiten: Was ist nur geschehen? Wo ist bloß die Mutter? Ist sie noch am Leben?

Um das herauszufinden, hatte die Polizei umfassend nach der verschwundenen Frau gesucht.

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Das bestätigte am Montag im Gespräch mit dem ECHO Tobias Laubach von der Pressestelle der Polizei in Darmstadt.

Mit Hubschrauber und Wärmebildkameras

So waren Hundestaffeln mit speziell ausgebildeten Tieren ("Mantrailer") im Einsatz: Hunde, die der Spur eines bestimmten Menschen folgen können. Außerdem suchten Hubschrauber mit Wärmebildkameras das Gebiet rund um Groß-Umstadt und die Weinberge weiträumig ab - all das jedoch ohne Erfolg.

Nach drei Tagen wurde die aktive Suche wegen fehlender Anhaltspunkte vorerst eingestellt. "Wir hofften dann auf neue Hinweise zum Verbleib der Frau", erläuterte dazu am Montag Polizeisprecher Laubach. Doch die gab es nicht. Dennoch, so der Polizeisprecher, "hatte die Suche weiter Bestand, war ja der öffentliche Vermisstenaufruf weiter in der Welt, wir wussten nur nicht, wo wir noch nach ihr suchen sollten."

Offensichtlich war sie während der zehn Tage ihres Verschwindens nie weit weg. "Das ist auch für uns ein absolutes Rätsel", sagt Laubach für die Polizei.

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Die Wiedergefundene habe sich gegenüber den herbeigerufenen Rettungskräften und der Polizei mit ihrem Namen vorgestellt. "Sie konnte sich klar artikulieren, war zwar durchnässt, weil nassgeregnet, aber eigentlich in keinem so schlechten Zustand" schildert der Polizeisprecher die Situation am Sonntagabend.

Erlösende Nachricht am Sonntagabend

Gegen 18.30 Uhr, so der Polizeibericht, gab es schließlich auch für ihre Familie die erlösende Nachricht.

"Dass ein Mensch zehn Tage lang vor allem ohne Flüssigkeitszufuhr überleben kann, ist eher ungewöhnlich", formuliert Polizeisprecher Laubach das, was der Sohn am Sonntagabend als "Wunder" bezeichnet hat. "Wir wissen auch nicht, wo sich die Frau während dieser Zeit aufgehalten hat. Sie macht dazu keine Angaben, erzählt nichts und ist jetzt vorsorglich erstmal im Krankenhaus", so der Polizeisprecher.

"Es geht ihr den Umständen entsprechend, nach zehn Tagen ohne Wasser und Essen" lässt der Sohn am Montag via Facebook wissen. Auch dort freuten sich am Montag viele, die am Schicksal seiner Mutter Anteil genommen hatten.

Von Frank Horneff