Ehemaliger Pfarrer wird Bunker-Ehrenmitglied in Wallhausen

Die Bunker-Jugendlichen haben Pfarrer Josef Winkler als Ehrenmitglied in ihren Verein aufgenommen. Er hat einst verhindert, dass der Jugendtreff wegen einer Bluttat geschlossen wurde. Foto: Bartels

Die Jugendraum-Mitglieder honorieren den Einsatz von Josef Winkler vor 25 Jahren. Nach einer Bluttat an Heiligabend hatte er die Schließung des Treffs verhindert.

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WALLHAUSEN. „Nehmt den Jugendlichen nicht den Bunker weg.“ Josef Winkler (83), damals Pfarrer in Wallhausen, erinnert sich noch genau an seine Worte im Weihnachtsgottesdienst vor genau 25 Jahren. Ein schreckliches Verbrechen war an Heiligabend geschehen. Im „Bunker“, dem Wallhäuser Jugendtreff, hatte sich ein Streit um ein Mädchen entwickelt. Der Streithahn wurde schließlich vor die Tür gesetzt. Er rannte nach Hause, holte eine Sportpistole und schoss im Bunker um sich. Zwei junge Männer wurden getötet, drei Personen schwer verletzt. Der Täter flüchtete zunächst, ging dann aber zu Pfarrer Winkler, der ihn der Polizei übergab.

Noch nicht lange zuvor hatte Winkler seine Pfarrstelle in Wallhausen angetreten. Einer seiner ersten Besuche führte in die ehemalige Sattlerei Barth, in der sich die Jugendlichen in freier Regie ihr Quartier eingerichtet hatten, eben den „Bunker“, eine Einrichtung, die bei manchen offiziellen Vertretern ohnehin Stirnrunzeln hervorrief. Und jetzt noch die Bluttat. Pfarrer Winkler hatte sofort erkannt, welche Konsequenz da drohte.

25 Jahre später ist Pfarrer Josef Winkler wieder einmal im Bunker, eingeladen von den heutigen jungen Leuten. Vorsitzender Johannes Jaeckel meint: „Als das damals geschehen ist, war ich drei Jahre alt.“ Jetzt packt er mit an, um den Rollstuhl des Pfarrers über die Stufen in den Bunker zu hieven. Bis 2004 hat Winkler sein seelsorgerliches Amt in Wallhausen versehen. Heute lebt er im Seniorenheim Sankt Josef der Franziskanerbrüder in Bad Kreuznach. Jaeckel richtet einige Dankesworte an den Pfarrer: „In einer ganz schwierigen Zeit haben Sie uns unterstützt. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Bunker erhalten blieb. Und wir wollen Ihnen zeigen, wie wichtig Sie für unseren Verein waren und sind.“

Der Bunker-Verein hatte sich eine ganz besondere Würdigung ausgedacht: Winkler wird zum Ehrenmitglied ernannt. Winkler ist sichtbar gerührt: „Hier im Bunker hat die Jugend ein Stück Heimat gefunden. Ich staune, was Ihr aus dem Haus gemacht habt. Ihr führt in wunderbarer Weise fort, was damals begonnen wurde. Es sind schon einige Generationen durch diesen Bunker hindurchgegangen.“ Doch damit ist die Ehrung noch nicht beendet. Im Sinne des Seelsorgers und als symbolisches Geschenk an ihn überreicht Jaeckel dem Förderverein der Kindertagesstätte und dem Förderverein des Freibads jeweils 2500 Euro. Darauf antwortet Winkler: „Ich finde es großartig, dass Ihr die Gemeinschaft stärkt. Dass es Euch gibt, das ist für mich das größte Geschenk.“

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Für das neue Jahr bereitet der Bunker-Verein seine 45-Jahr-Feier im Juli 2020 vor, zu der auch ein Open-Air-Konzert im Brühl gehören wird. Die Bunker-Jugend ist nicht mit einem von anderenorts bekannten Jugendraum zu verwechseln. Mitglied werden kann man erst mit 16, und zwar nur dann, wenn die anderen Mitglieder zustimmen. Jaeckel: „Wir wollen eben verhindern, dass nur Karteileichen aufgenommen werden. Alle Mitglieder bringen sich nämlich in die aktive Arbeit ein.“ Mit Ende 20 werden die jungen Leute nach und nach zu „Classics“. Die Theke im Bunker ist jeden Tag ab 20 Uhr geöffnet mit abwechselndem Diensten. Im ersten Stock gibt es einen Raum, in dem Sportsendungen an die Wand gebeamt werden.

33 Mitglieder zählt der „Bunker Wallhausen e.V.“. Der Festkalender über das ganze Jahr ist voll, vom „St. Patrick’s Day“ Ende März bis zum Hobby-Fußballturnier, von der Wallhäuser Kerb bis zu Fedi-Fest und Oktoberfest. Da bleibt kaum ein freier Tag zum Aufatmen. Immer wieder spendet die Bunker-Jugend für gemeinnützige Zwecke im Dorf. Ortsbürgermeister Franz-Josef Jost ist auch an diesem Nachmittag voll des Lobes: „Gut, dass die Jugendlichen sich so für soziale Projekte im Dorf engagieren.“ Ganz am Ende äußert Pfarrer Josef Winkler einen besonderen Wunsch: „Man muss sich ja langsam an den Gedanken gewöhnen, dass einen der Chef da oben abberuft. Wenn es so weit ist, dann hätte ich gerne, dass mich die Bunker-Leute zu Grabe tragen.“ Da werden den jungen Männern die Augen feucht.