Sanierung oder Neubau?

Nicht nur optisch keine Schönheit mehr, sondern auch hygienisch nicht mehr up to date – die Halle des TuS, gebaut vor über 80 Jahren. Foto: Beate Vogt-Gladigau

Nicht nur optisch keine Schönheit mehr, sondern auch hygienisch nicht mehr up to date: Die Halle des TuS hat ausgedient. Wie es weitergeht, soll eine Machbarkeitsstudie aufzeigen.

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DUCHROTH. Die guten Jahre sind vorbei, und die vereinseigene TuS-Turnhalle in Duchroth wird in Kur oder sogar in Rente geschickt. Die Beurteilung von Mitarbeitern der Kreisverwaltung nach der Besichtigung des Gebäudes war eindeutig, wie Ortsbürgermeister Jörg Schneiß in der Sitzung des Gemeinderates mitteilte. Weder der hygienische noch der bautechnische Zustand lassen noch über eine längere Zeit Veranstaltungen zu. Immerhin war der Hallenbau am Ortseingang der Gangelsberggemeinde schon in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hochgezogen worden. Rund 40 Jahre später wurde das Gebäude zwar grundlegend saniert, aber seitdem passierte nichts mehr.

Sanierung oder Neubau? Geld ist eigentlich für keine der Varianten in der Gemeindekasse, gibt Schneiß zu. Denn vereinbart wurde, dass der Turnverein seine Halle der Gemeinde überträgt, falls die Mitglieder in einer außerordentlichen Versammlung diesem Plan zustimmen. Nur eine Kommune kann Zuschüsse aus dem Dorferneuerungsprogramm für eine Sanierung (maximal 85 Prozent) oder bei einem Neubau aus dem I-Stock des Landes (maximal 40 Prozent, realistisch sind 20 bis 30 Prozent) beantragen. Würde der Verein eine Förderung aus dem Topf der Dorferneuerung beantragen, würde er wie eine Privatperson eingestuft und könnte dann nur mit 35 Prozent, maximal mit 30 000 Euro, finanziell unterstützt werden, wusste Ratsmitglied Manfred Porr.

Mittel aus dem Sportförderprogramm zu erhalten, wäre hingegen nicht nur schwierig und mit einem langen Atem verbunden, sondern sie würden mit 40 Prozent auch niedriger ausfallen. Die Sanierung wird auf etwa 900 000 Euro geschätzt, für einen Neubau würden Kosten von weit über einer Million Euro entstehen.

Wichtig sei nun aber eine Machbarkeitsstudie einschließlich Statik als Grundlage für die Entscheidung, betonte Schneiß. Dazu hatte auch Uwe Kessel von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde (VG) Rüdesheim geraten. Nach sehr viel Diskussionsbedarf erteilte der Rat den Auftrag in Höhe von insgesamt gut 8000 Euro. Dieser Betrag wird ebenfalls gefördert, falls das Projekt weiter verfolgt wird. Wenn nicht, muss die Gemeinde als Antragsteller die Kosten tragen. TuS-Vorsitzender Jürgen Schuster, der in der Sitzung anwesend war, sicherte zu, dass der TuS in diesem Fall die Hälfte der Rechnung bezahlen würde.

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Geregelt ist aber auch: Wenn die Sanierung den Betrag von 80 Prozent für einen Neubau übersteigt, gibt es auch keinen Zuschuss aus der Dorferneuerung, erläuterte Schneiß. An einer Sanierung, bei der auch der Brandschutz, die Barrierefreiheit und aktuell geforderte Energiewerte im Fokus stehen, würde sich der TuS beteiligen, einschließlich Eigenleistung. Dies war dem Ortschef in Vorgesprächen signalisiert worden.

Auch wenn die Halle komplett saniert wird, sind nur 199 Leute zugelassen. Für größere Versammlungen müsste eine spezielle und teure Lüftungsanlage eingebaut werden. Eine solche Investition sei nicht zu finanzieren, stellte VG-Beigeordneter Martin Schwerbel nüchtern fest.

Die Schwerpunkt-Funktion der Halle wird auch nach einem Rundumlifting nicht mehr auf dem Sportbetrieb liegen, sondern sie fällt dann in die Kategorie „Bürgerhaus“. Ausgeübt werden kann dann nur noch Turnbetrieb „light“ – Dabei kann etwa Tischtennisspielen und Kinderturnen weiterhin stattfinden, und auch die Tanzgruppen könnten üben. Daher werden auch Duschen und Umkleidekabinen eingebaut.

Erst nachdem die Untersuchung der beauftragten Architekten vorliegt, wird sich der Rat damit beschäftigen, wie die Zukunft des Gebäudes aussieht, das bisher eine wichtige Rolle im Dorfleben spielte, denn es ist der einzige größere Versammlungsort in Duchroth. Dem Antrag von Manfred Porr, schon vor Fertigstellung der Machbarkeitsstudie eine Arbeitsgemeinschaft aus Vertretern der Gemeinde und des TuS zu bilden, stimmte der Rat mehrheitlich zu.