Größere Schäden bei Überflutung verhindern

Laut Experten liegt der Aussiedlerhof bei Oberstreit direkt in der Abflussbahn. Bei Starkregen wäre der komplette Hof überflutungsgefährdet. Foto: Helena Walheim

Hochwasser kann man nicht vermeiden, aber vorsorgen. Dies machten die Fachleute deutlich, die ein Hochwasserschutzkonzept für Duchroth, Oberstreit und Boos vorstellten.

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DUCHROTH. Wassermassen fluten Straßen und Keller, reißen Autos und alles mit sich, was nicht fest im Boden verankert ist. Ein Szenario, dem man in der Verbandsgemeinde Rüdesheim entgegenwirken will. Seit 2017 waren Fachleute in allen 32 Dörfern vor Ort, um sich zusammen mit den Einwohnern ein Bild von den Gegebenheiten zu machen.

„Starkregen kann überall auftreten, ist nicht vorhersehbar und kann katastrophale Ausmaße annehmen“, sagt Heinrich Webler vom Mainzer Ingenieurbüro „icon“ als Sachverständiger für Wasserbau und Wasserwirtschaft. Gemeinsam mit Fredy Barth vom tiefbautechnischen Büro aus Wallhausen hat er die Menschen in Duchroth über das Konzept zur örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorge aufgeklärt. Außerdem haben sie erfahren, wie sie sich selbst vor größeren Schäden schützen können. Dabei ging es auch um die Orte Oberstreit und Boos.

Für jeden der drei Orte haben die Experten eine Risikoanalyse durchgeführt, Defizite benannt sowie erste mögliche Maßnahmen vorgeschlagen, die diese beheben sollen. Zum Problem in Duchroth könnte zum Beispiel der Graben in der Pappelallee werden, der teilweise verstopft ist und bei Starkregen leicht den Weg und das Gelände ringsherum überfluten könnte. Zudem sind die Bankette neben dem Weg zu hoch, was dazu führt, dass das Oberflächenwasser seitlich nicht richtig abfließen kann und es sich stattdessen staut.

Insbesondere die Gebäude an der Naheweinstraße Richtung Ortsmitte gelten wegen ihrer tiefen Lage als überflutungsgefährdet. Oft sind zudem die Eingänge, Garagen und Bordsteine zu tief gebaut – ein generelles Problem in hochwassergefährdeten Bereichen. Um Häuser zu schützen, kommen mobile Hochwasserschutzwände in Frage. Bereits in Planung ist darüber hinaus ein Rückhaltebecken „Im Brühl“.

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Oberstreit blieb von Starkregen bislang eher verschont, doch im Bereich der Kirchstraße, „Im Flur“, hin zur Lindenstraße könnte es in so einem Fall schnell zu Stauflächen kommen, wo das Wasser etwa einen Meter hoch steht. Besonders die Steillagen könnten bei Starkregen zu Überflutungen führen. Auch der Aussiedlerhof könnte komplett überflutet werden, ebenso wie der in Boos. Sie liegen direkt in der Abflussbahn und wären somit potenziell gefährdet. Zudem haben die Fachleute festgestellt, dass hier der Damm an der Bahnstraße instabil ist und saniert werden müsste. Da Boos im Überschwemmungsgebiet der Nahe liegt, gilt hier noch einmal besondere Vorsicht für diejenigen, die in der Risikozone im Bereich des Ufers wohnen.

„Hochwasser lässt sich nicht vermeiden“, sagt Webler. Vorkehrungen treffen, lautet sein eindringlicher Rat an die Bürger und er verweist dabei auf das Wasserhaushaltsgesetz. Das verpflichtet jeden, der von Hochwasser betroffen sein könnte, dazu, geeignete Schutzmaßnahmen zutreffen, um nachteilige Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte möglichst zu vermeiden. Konkret bedeutet das, dass keine wassergefährdenden Stoffe wie Altöl gelagert sein dürfen. Auch Ölheizungen und Schaltkästen sind unangebracht. Er empfiehlt Betroffenen zudem, zusätzlich eine Elementarversicherung abzuschließen.

Im April nächsten Jahres werden die Maßnahmen für die drei Ortsgemeinden endgültig feststehen. Im Juni soll das Projekt bereits abgeschlossen sein. Mit dem Konzept könne kein Hochwasser verhindert werden, jedoch die Gefahrenlage besser eingeschätzt und durch Vorsorge größeren Schäden entgegengewirkt werden.