Der Angeklagte im Durchrother Gold-Prozess hat bereits...

Prozessbeginn wieder mit fünfzehn Minuten Verspätung. Und nach weiteren fünfzehn Minuten war alles wieder vorbei. Vierzehnter Verhandlungstag im Prozess um einen angeblichen...

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DUCHROTH/BAD KREUZNACH. Prozessbeginn wieder mit fünfzehn Minuten Verspätung. Und nach weiteren fünfzehn Minuten war alles wieder vorbei. Vierzehnter Verhandlungstag im Prozess um einen angeblichen Goldbetrug. Wieder einmal waren der Verteidiger aus Bensheim und der Gutachter aus Emmelshausen angereist. Mit einem Kurztermin musste die Zeit überbrückt werden, bis ein Gutachten und eine richterliche Vernehmung aus der Schweiz vorliegen, auf die das Gericht schon lange wartet. Begonnen hatte das Berufungsverfahren am 5. September 2016. Ein 57-jähriger Mann war wegen versuchten Goldbetruges vom Amtsgericht Idar-Oberstein zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden.

Statt Schadenersatz erhielt er eine Anzeige

Angeblich hatte er in einem Schließfach bei der Volksbank in Idar-Oberstein sechs Säckchen mit Goldgranulat eingelagert. Doch diese seien plötzlich weg gewesen. Er behauptete, ein Bankmitarbeiter habe mithilfe eines Nachschlüssels das Gold gestohlen. Doch statt des „Schadensersatzes“ erhielt er eine Anklage wegen versuchten Betruges. Dem Goldgranulat war ein Zertifikat aus der Schweiz beigefügt, von dem Handyfotos vorliegen. Das schweizerische Gutachten, auf das das Gericht nun schon seit Monaten wartet, soll Aufschluss über die Echtheit dieses Zertifikats geben.

Den vierzehnten Verhandlungstag überbrückte der Vorsitzende Richter Folkmar Broszukat mit dem Verlesen einer Klageschrift, mit der der Angeklagte von seiner Lebensversicherung die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 142 000 und daran anschließend von monatlich 3743 Euro erreichen wollte. Grund für die Berufsunfähigkeit, so der Angeklagte, sei ein anderes Verfahren. Er wurde nämlich vom Landgericht Saarbrücken wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt, weil er eine Art Anzeigenmafia aufgezogen hatte, die von Unternehmen Geld kassierte für Annoncen, die niemals erschienen sind. Damals hatte es eine Hausdurchsuchung in Duchroth gegeben, und der Angeklagte saß sechs Wochen in Untersuchungshaft.

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Depressionen nach Ermittlungen

All dies habe bei ihm Angstzustände und Depressionen ausgelöst, sodass er nicht mehr in der Lage sei, seinen Beruf als Selbstständiger auszuüben. Er machte eine „posttraumatische Belastungsstörung“ geltend, was aber von der gegnerischen Versicherung abgelehnt wurde. Nun ist im aktuellen Prozess ein Neurologe mit einschlägigen Erfahrungen aus dem Bundeswehrkrankenhaus Koblenz, Lutz Mittelbach aus Emmelshausen, beauftragt, ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten zu erstellen. Dieses Gutachten soll Ende Mai vorliegen. Der nächste Prozesstermin ist am Mittwoch, dem 16. Mai, um 13.30 Uhr. Bis dahin sollen die Prozessbeteiligten auch die Akten des Rechtsstreits mit der Lebensversicherung gelesen haben, so der Vorsitzende Richter Broszukat.