Angeklagter im Goldbetrügerprozess will Frührente wegen...

DUCHROTH/BAD KREUZNACH. „Die Öffentlichkeit kann ja nach rechts rücken.“ Staatsanwalt Uwe Saulheimer-Eppelmann ist besorgt, dass alle im Gerichtssaal die Bilder auch sehen...

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DUCHROTH. DUCHROTH/BAD KREUZNACH. „Die Öffentlichkeit kann ja nach rechts rücken.“ Staatsanwalt Uwe Saulheimer-Eppelmann ist besorgt, dass alle im Gerichtssaal die Bilder auch sehen können, die über den Monitor flimmern: Plastikbeutel voller angeblichem Goldgranulat. Seit dem 5. September 2016 verhandelt die dritte Strafkammer des Landgerichts wegen versuchten Goldbetruges. Angeklagt ist ein 57-jähriger Mann aus Duchroth. Er hatte sich bei der Volksbank in Idar-Oberstein ein Schließfach gemietet. Einen Monat später erhöhte er seine Versicherungssumme von 11 000 Euro auf eine Million Euro. Dann, so seine Behauptung, habe er sechs Päckchen mit jeweils fünf Kilogramm Goldgranulat eingelagert, also insgesamt 30 Kilogramm, die einem aktuellen Wert von 1,15 Millionen Euro entsprächen. Doch plötzlich, so der Angeklagte, sei das Schließfach leer gewesen. Er behauptete, ein Bankmitarbeiter habe mit Hilfe eines Nachschlüssels das Gold gestohlen.

Statt Geldauszahlung Anzeige bekommen

Er beantragte die Auszahlung der Versicherungssumme von einer Million Euro. Doch statt des Geldes bekam er eine Anzeige wegen versuchten Betruges. Vom Amtsgericht Idar-Oberstein ist er deswegen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden und ging in Berufung.

Das Landgericht Saarbrücken hatte den Angeklagten bereits wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt. Er war Organisator einer Anzeigenmafia, die Annoncen verkaufte, die nirgendwo erschienen. Zum Nachweis der Echtheit des Goldgranulats hatte der Angeklagte mit seinem Handy Fotos von den Beuteln und den daran angehefteten angeblichen Zertifikaten eines Schweizer Unternehmens gemacht. Beim gestrigen Prozesstag hatte ein Gutachter der Kriminalpolizei Trier diese Handyaufnahmen auszuwerten.

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Er kam zu dem Ergebnis, dass diese Aufnahmen nicht nachträglich manipuliert worden seien. Eine Manipulation wäre nur möglich bei einer nachträglichen Überspielung der Bilder auf einen PC, Nutzung eines Bildbearbeitungsprogramms und Rücküberspielung auf das Handy, was der Gutachter aber im konkreten Fall ausschließen konnte. Allerdings beschwerte sich der Staatsanwalt, dass diese Bilder in seinen Unterlagen fehlten. Das kommentierte der Vorsitzende Richter Folkmar Broszukat mit den Worten: „Der Verteidiger hat es technisch hingekriegt, die Bilder auszudrucken. Ich war davon ausgegangen, die Staatsanwaltschaft kann das auch.“

Zivilklage gegen die Versicherung eingereicht

Broszukat informierte auch, dass der Angeklagte beim Landgericht eine Zivilklage gegen seine Versicherung eingereicht habe. Er verlange eine Rente, dem Vernehmen nach in Höhe von 128 000 Euro, weil er in seiner sechswöchigen Untersuchungshaft wegen des Saarbrücker Verfahrens an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. Diese Belastung habe auch während des jetzt angeklagten Tatzeitraums bestanden. Nunmehr soll sich der Angeklagte einer psychiatrischen Begutachtung unterziehen, um seine Schuldfähigkeit zu klären. Mit dem Gutachten wurde ein Arzt des Bundeswehrkrankenhauses beauftragt, der Erfahrungen mit wirklichen posttraumatischen Belastungen hat.

Staatsanwalt Saulheimer-Eppelmann war ob dieser Entscheidung etwas ungehalten. Er überlege, ob er nicht ein Verfahren wegen versuchten Prozessbetruges einleite. Die nächste Verhandlung findet statt am Donnerstag, 30. März, ab 13.30 Uhr.