Wie „alternative Medien“ manipulieren

Die Arbeit traditioneller Medien wie Zeitungen, Radiosender und Fernsehstationen basiert auf journalistischen Qualitätsstandards. Daran fühlen sich die sogenannten...

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STROMBERG. Die Arbeit traditioneller Medien wie Zeitungen, Radiosender und Fernsehstationen basiert auf journalistischen Qualitätsstandards. Daran fühlen sich die sogenannten „alternativen Medien“ nicht gebunden, die auch extremistische, populistische oder verschwörungstheoretische Äußerungen mit Hinweis auf die Meinungsfreiheit verbreiten. Das vermittelte Politikwissenschaftler Dr. Markus Linden bei einem Vortragsabend der sozial-liberalen Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation mit der IGS Stromberg. Diese hatte Lindens Referat zur Schulveranstaltung für alle Schüler erklärt, die in der elften oder zwölften Jahrgangsstufe einen Leistungskurs in Sozialkunde/Geschichte besuchen.

Durch die Verbreitung via Internet haben „alternative Medien“ an Zulauf gewonnen. Grundsätzlich werde durch die gewachsene Meinungsvielfalt eine politisch aktivere Bürgerschaft und deren Teilnahme am demokratischen Geschehen gestärkt, verwies Linden auf eine These, die schon 1984 von Benjamin Barber in „Strong Democracy“ belegt wurde. Der gleiche Autor zeigte 2002 auf, dass die Nutzung der alternativen Medien die Entstehung einer „privatisierten Nichtöffentlichkeit“ fördern könne. Und Cass Sunstein, dessen 2017 erschienenes Buch „#republik“ der Referent wärmstens empfahl, beschreibt darin, dass eine Radikalisierung und die Bildung von Echokammern erfolge, wenn man etwa in seinen Facebook-Gruppen immer nur durch ausgewählte Meinungen ähnlich denkender bestärkt werde. „Das ist, wie wenn man jeden Abend in seine Lieblingskneipe geht und dort nur auf Leute trifft, die alles beurteilen wie man selbst“, sagte Linden. Er lud dazu ein, bewusst einmal auf andere Medien zurückzugreifen, aber dabei auf deren Positionierung zu achten. Das wäre schon ein erster Schritt zur besseren Information.

Am Beispiel von Fernsehbeiträgen, die durch Schnitt des Filmmaterials Situationen anders zeigten, als sie tatsächlich waren, versuchte Linden zu vermitteln, dass nicht alle Nachrichten zu 100 Prozent richtig oder vollständig sind. Ein Beispiel: Nach Abschuss eines malaysischen Zivilflugzeugs steht ein ukrainischer Soldat zwischen den Trümmern und schwenkt den Teddybär eines dabei getöteten Kindes. Diese Szene wird als Indiz gewertet, dass die ukrainische Seite für den Abschuss verantwortlich war. Nicht gezeigt wird jedoch, dass der Soldat dann in Tränen ausbricht und sich bekreuzigt.

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Linden warnte eindringlich vor Verschwörungstheoretikern, die selbst Ereignisse wie die Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon 2001 als politisch motivierte Showereignisse darstellen, die Regierungen lediglich zur Begründung drastischer Maßnahmen inszenieren lassen. Dies werde dann gerne als „False Flag Operation“ (Operation unter falscher Flagge) oder „Staatsterrorismus“ den jeweiligen Geheimdiensten zur Last gelegt.

Linden beleuchtete die Arbeit alternativer Portale wie „Nuoviso TV“ oder „Compact und Compact TV“ oder „KenFM“, deren Konsumenten auch durch die Ukraine-Krise motiviert wurden, abstruse Theorien zu glauben und später als Wutbürger bei Demos in Berlin den Leitspruch „Weder links noch rechts“ skandierten oder „Mut zur Wahrheit“ forderten. Die untersuchten Portale vertreten oft die These, dass „fast alles geplant“ sei; sie sind antikapitalistisch und pflegen den gemeinsamen Identitätskern, dass Medien und Politik angeblich ein gleichgeschaltetes Kartell gegen Wahrheit, Souveränität und Bürger bilden. Anhänger der „alternativen Medien“ betiteln traditionelle Medien deshalb als „Lügenpresse“.