Politik und Bürger setzen sich in Simmertal mit Transparent...

„Wir fordern den Radweg Kellenbachtal – jetzt“: Politiker, Bürger und Behördenvertreter enthüllen das Transparent einer Interessengemeinschaft in Simmertal. Foto: Klaus Pfrengle  Foto: Klaus Pfrengle

„Radweg durch das Kellenbachtal – am Geld liegt’s nicht!“ Als der Leiter des Landesbetriebes Mobilität (LBM), Norbert Olk, die Botschaft bei der formellen Enthüllung...

Anzeige

SIMMERTAL. „Radweg durch das Kellenbachtal – am Geld liegt’s nicht!“ Als der Leiter des Landesbetriebes Mobilität (LBM), Norbert Olk, die Botschaft bei der formellen Enthüllung des Banners „Radweg durch das Kellenbachtal – jetzt“ eher beiläufig durch das Mikrofon hauchte, schienen so manche Zuhörer ihren Ohren nicht zu trauen. Kann das sein? Ist doch naturgemäß Geldknappheit das Totschlagargument Nummer eins, wenn in der Öffentlichkeit Forderungen von Straßenbaumaßnahmen gleich welcher Art laut werden.

Die Töpfe für den Ausbau von Radwegen bundesweit sind derzeit allerdings randvoll und bilden daher die rühmliche Ausnahme. Daher haben erfahrungsgemäß Radwege-Projekte gute Umsetzungschancen, zumindest dann, wenn der Naturschutz nicht darunter leidet. Und genau der ist der ausgemachte Knackpunkt, was den Planern unter dem Dach des LBM immenses Kopfzerbrechen bereitet. Ist doch das Kellenbachtal mit seiner besonders unberührten und ursprünglichen Natur, gerade im unteren Teil, aus Sicht von Naturschützern auch besonders schützenswert.

Banner und Unterschriften sollen Druck aufbauen

„Wir werden dicke Bretter bohren müssen“, weiß VG-Bürgermeister Werner Müller nur zu gut, dass er sowie seine Kollegen aus den angrenzenden Verbandsgemeinden allerhand Überzeugungsarbeit werden leisten müssen, bis wirklich gebaut werden kann. Geduld sei bei diesem Prozess ein guter Berater. Müller weiter: „Das Transparent ist neben den Unterschriften ein weiterer Mosaikstein bei der Werbung um ein Vorhaben, bei dem wir auch Druck auf die entsprechenden Stellen aufbauen wollen“. Und der VG-Chef spürt massiv Rückenwind in dieser Angelegenheit, weil er neben vielen Menschen vor allem Unterstützer und Fürsprecher aus Politik und Behörden auf seiner Seite weiß.

Anzeige

Einer davon ist der stellvertretende Landtagspräsident Hans-Josef Bracht (SPD). Als ausgewiesener Radfahrer und Radwegbefürworter ließ er es sich nicht nehmen, der Enthüllung eines für Vorbeifahrende gut sichtbaren Transparents in XXL-Format beizuwohnen. „Im Fahrrad-Hochzeiten ist es zwingend notwendig den Lückenschluss – 20 Kilometer – zwischen Simmertal und Gehlweiler herzustellen“, sagte er, der trotz aller zu erwartenden Barrieren eine zeitnahe Umsetzung prognostiziert.

Die Absicht zu bauen hat Olk auf jeden Fall. Entsprechende Pläne wurden schon ausgearbeitet. „Ich bin absolut für den Radweg“, verweist der auf die Anlegung eines Radweges zwischen Hochstetten und Simmertal im Zuge der Ortsumgehung B 41. Das sei immerhin ein Anfang. Man arbeite mit Hochdruck an den Planungen, müsse gleichzeitig aber behutsam vorgehen. Es gelte primär die Notwendigkeit, die Gesamtmaßnahme den Naturschützern behutsam beizubringen. Tierwelt- und Pflanzenwelt nicht über Gebühr belasten, ausreichend Ausgleichsflächen schaffen, Kompromisse anbieten und Argumente liefern für den Radweg abseits der Bundesstraße – so könnte es seiner Meinung nach gehen.

„Bei allem Naturschutz geht es auch um Menschenschutz“, weist Müller in diesem Zusammenhang auf die momentan herrschenden Gefahren für Radfahrer bei hohem Verkehrsaufkommen, gerade durch den Schwerlastverkehr in dem engen Tal, hin. Er macht keinen Hehl daraus, dass seiner Meinung nach Naturschutz auch seine Grenzen hat, nämlich dann, wenn Radfahrer unter aus seiner Sicht vermeidbaren Verkehrsbedingungen leiden. Gerade bei Radwegeprojekten ließen sich doch Menschen- und Naturschutz prima unter einen Hut bringen, meinten auch die zahlreichen Gäste, die sich um das Banner versammelten.

Das Schlusswort hatte Simmertals Ortsbürgermeister Werner Speh. „Ich bin guter Dinge bei diesem Projekt“, sagte der für Pragmatismus bekannte Speh. Seinem gesunden Menschenverstand nach ergäben viele Mosaiksteine am Ende ein Bild. Speh erwartet von allen Verantwortlichen, dass sie dieses recht schnell zusammenfügen mögen.