Felke-Turnier: Bad Sobernheim im Handball-Fieber

Die Strecke bot den Teilnehmern jede Menge landschaftliche Reize. Foto: Klaus Pfrengle  Foto: Klaus Pfrengle

„Schritt für Schritt, so weit die Füße tragen“ – so oder so ähnlich lässt sich Sinn und Zweck einer „24-Stunden-Wanderung“ wohl am ehesten charakterisieren....

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HENNWEILER. „Schritt für Schritt, so weit die Füße tragen“ – so oder so ähnlich lässt sich Sinn und Zweck einer „24-Stunden-Wanderung“ wohl am ehesten charakterisieren. Durchhalten und ankommen heißt dabei die Devise. Erfahrungsgemäß bleibt es für den Großteil allerdings beim Wunschtraum. Zu groß sind offensichtlich die Strapazen unterwegs und die Hürden, die einem der eigene Körper setzt. Etwa 400 Starter aus der Region und weit darüber hinaus wagten bei der fünften Auflage der Benefizwanderung „24 Stunden von Rheinland-Pfalz“ das Abenteuer 73 Kilometer Nonstop-Gehen am frühen Samstagmorgen. Geschafft hatte es knapp Drittel. Ausgelaugt, aber glücklich, kehrten sie im Morgengrauen auf den Wandermarktplatz in Hennweiler zurück, wo sie sich mit letzter Kraft ein Lächeln für das Abschlussfoto unter dem „Geschafft-Plakat“ abrangen. Schnell noch frühstücken und dann nix wie ab nach Hause. Ab in die Falle, die müden Glieder ausstrecken und nur noch schlafen, war dem Vernehmen nach das Motto für den Tag danach schnell ausgegeben.

Mit 150 000 Schritten mehr als 5000 Kalorien verbraucht

Mensch und Material wurden vor der Kulisse des landschaftlich abwechslungsreichen Hunsrücks vor eine harte Bewährungsprobe gestellt. Wann können Fitness-Armbänder einmal solche Zahlen präsentieren? 150 000 Schritte bei einem Kalorienverbrauch von Minimum 5000 dürften es im Durchschnitt bei jedem Teilnehmer schon gewesen sein. Respekt vor solchen Energieleistungen. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht, folgten die Wanderer aus allen Teilen des Landes den Moguntias Pipes & Drums, die den Ausmarsch für die Tagesschleife am frühen Samstagmorgen musikalisch begleiteten. War die Kolonne anfangs noch zusammen, änderte sich das Bild mit jedem Kilometer recht schnell. Im Trott ging es zunächst noch Richtung Schmidtburg und Keltensiedlung. Mit jedem weiteren Kilometer wurden die Lücken größer. Dämmerungsschleife (23 Kilometer) und Nachtschleife (18 Kilometer) rundeten eine Extremtour gespickt mit etlichen musikalischen Highlights und anderen unterhaltsamen Überraschungen entlang der Strecke ab, die neben allen sportlichen Herausforderungen vor Augen führen sollte, welche touristischen Schmankerl der Landstrich zu bieten hat.

Für viele ist nach der Tagesetappe Schluss

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Doch nicht jeder konnte die Aussichten so wirklich genießen. Wer leidet, nimmt die Schönheit der Umgebung kaum wahr. Einige Teilnehmer stießen schon recht früh an ihre körperliche Belastungsgrenze. Wenn jeder Schritt zur Qual wird, stellt sich zwangsläufig die Sinnfrage. Für einen Großteil war daher nach der Tagesetappe schon Schluss. Während die einen nicht mehr wollten, konnten die anderen nicht mehr. Der Hauptgrund: Blasen in jeder nur erdenklichen Form und Größe. Die Ersthelfer hatten durchweg alle Hände voll zu tun, um Druckstellen zu behandeln. Über muskuläre Probleme wurde eher selten geklagt. „Da waren Wundstellen dabei, die man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt“, berichtete Ersthelfer Rudo de Hoogh. Ihm rang es großen Respekt ab, dass ganz hart gesottene Wanderer trotz schmerzhafter Blessuren bis zum Ende durchhielten.

Aufgeben musste auch Stephanie Schlarb aus Kirschroth. Verschwunden war ihre anfängliche Lockerheit. Für sie war nach etwa 40 Kilometern Endstation beim Stop in Gehlweiler. Das „AZ-Taxi“ brachte sie zurück nach Hennweiler. „Ich hätte gerne weitergemacht, aber ich habe mir eine schmerzhafte Blase gelaufen“, erzählte sie dem Reporter während der Fahrt. Tieftraurig musste sie sich von ihren Mitgehern verabschieden. Wie ihr ging es vielen. „Schuhe und Strümpfe sind das A und O“, weiß der erfahrene Wanderer Tobias Bappert. Er war bisher immer dabei, wenn in Hennweiler der „Marathon-Marsch“ gestartet wurde. Und auch für das nächste Jahr hat er sich schon angemeldet. Nach Ansicht von Michael Schwickart aus Hennweiler unterschätzen vor allem viele Erstteilnehmer die Belastungen für Körper und Geist. Er selbst hielt nur durch, weil er seinem eigenen Gefühl und Rhythmus folgte. So spricht ein alter Hase, der nach der Ankunft sein Bierchen, sichtlich zufrieden mit sich und der Welt, genoss.

Sichtlich zufrieden waren auch alle „Kümmerer“. Alles funktionierte reibungslos, so der einhellige Tenor. Nach vorsichtigen Schätzungen dürfte das Wander-Event wieder ein stattliches Sümmchen in die Kassen der beteiligten Hilfsorganisationen spülen. Organisiert wurde dieses von der Hunsrück Schiefer- und Burgenstraße und somit auch den Verbandsgemeinden Kirn-Land, Rhaunen und Kirchberg. Und auch die Stadt Kirn war wieder mit von der Partie. Der Wandermarktplatz war wieder in der Hand der Vereinsgemeinschaft Hennweiler. „Wir bieten den Teilnehmern ein Komplettpaket, das sie rundum verwöhnt“, sagt Ortsbürgermeister Michael Schmidt. Die Wanderer müssten sich hier um nichts kümmern. Schmidt weiter: „Die müssen nur laufen.“