Auf Seehofer eingeschossen

30. Bildband von Luff: Der Karikaturist präsentiert seine gesammelten Werke in einem Buch. Foto: Klaus Pfrengle

Der Karikaturist Rolf Henn – besser bekannt als Luff –, der insgesamt 16 regionale Tageszeitungen beliefert, musste 2018 zwangsläufig den Innenminister zeichnen.

Anzeige

HENNWEILER. Die Woche des Karikaturisten Rolf Henn – besser bekannt als „Luff“ – startet in Frankreich. Natürlich nur geographisch, denn er will punktgenau einfangen wie sich Präsident Macron mit den Demonstrationen und Tumulten seiner Landsleute in den gelben Westen auseinandersetzt. Der Grundgedanke ist schon beim zweiten Kaffee am Morgen in seinem Kopf gereift, wie er selbst sagt „ins Unreine gedacht“. Diesen gilt es jetzt noch zu verfeinern. Mittags wird Abgabetermin seiner Karikatur sein, die, so viel kann er schon verraten, kopflose Gelbwesten im Dialog mit dem Präsidenten abbilden werden. Kopflos deshalb, weil keine organisierte Bewegung dahintersteckt, die Masse an Unzufriedenen über keine personenbezogenen Sprachrohre verfügen. Dass er die verfahrene Situation im Nachbarland überzeichnet nachstellen wird können, daran zweifelt er selbst am wenigsten. „Bisher ist es mir immer gelungen, eine klare und verständliche bildliche Aussage zu treffen“, sagt einer, der sein Handwerk beherrscht wie kein Zweiter.

Nachzuschauen ist das auch in seinem neuen Jahrbuch „LUFF 18 ERTAPPT“, welches immer am Jahresende erscheint. „Es ist meine 30. Auflage, sozusagen eine kleine Jubiläumsausgabe“, blickt der Autor auf ein Jahr voller Höhepunkte für Karikaturisten zurück. Auch im neuen Band überzeichnet der Karikaturist die Realität, bis sie fast erträglich wird, und dies, obwohl die Welt angesichts Schreckensherrschaften sowie Nachrichten immer mehr kopf steht. Doch Luff wäre nicht Luff, wenn er nicht mit spitzer Feder diese Prozesse begleitet, bildlich schildert, wie Despoten oder harmlosere politisch handelnde Personen miteinander umgehen.

Zunächst im Kopf und dann später am Zeichenbrett formt er die Informationen, bevor er sie auf seine ganz besondere Art und Weise überspitzt abbildet. Damit gehört er zu einem erlesenen Kreis von rund drei Dutzend Karikaturisten deutschlandweit, die tagtäglich Zeitungen beliefern. Mehr noch: Sie sorgen zumeist für ein Grinsen beim Betrachter. Und das dehnt sich dann immer zu einem Lachen aus, wenn Bilder nicht nur so nullachtfünfzehn daher gekritzelt sind, vielmehr über Porträtqualität und demzufolge Ausdruckskraft verfügen. Absolute Nummer eins bei den Porträts in diesem Jahr ist Horst Seehofer.

Anzeige

„Thematisch war meine Arbeit diesmal im Bereich Innenpolitik stark von seiner unrühmlichen Rolle im unionsinternen Streit um Asylpolitik. Er habe ihn oft gezeichnet, ja sich regelrecht auf ihn eingeschossen. „Aber wenn man endlich zufrieden feststellt: Jetzt habe ich ihn drauf, ich treffe genau seinen Ausdruck, dann beginnt sein Stern zu sinken“, so Luff. Die Zeit, in der der Bayer die Bühne des absurden Polit-Theaters verlassen müsse, bedauert Luff, sei absehbar.

Und ein Porträt-Karikaturist, der das Gegeneinander, Übereinander und Miteinander auszudrücken beherrscht, werden auch im nächsten Jahr Dauerbrenner regelrecht zufliegen. „Es sind halt verrückte politische Zeiten“, so Luff. Seine Art diese im Speziellen und die Großwetterlage im Allgemeinen darzustellen, sind immer erste Hingucker, auch in der AZ. Luff entlarvt, verzerrt, verfremdet, überzeichnet oder spitzt zu. Er ist ein Experte, ein Schelm, ein Provokant. Tagesaktuelle politische Themen bildlich darzustellen, darin macht ihm keiner was vor. Egal ob etablierte politische Schwergewichte oder Newcomer, der Zeichner aus Hennweiler kennt alle und kann alle. Und die er nicht kennt, lernt er eben kennen. Und umgekehrt.