Jahrhundertealtes Denkmal pflegen

Mit Rechen, Besen und Spaten packen die freiwilligen Helfer ordentlich an, um den Haselbrunnen auf Vordermann zu bringen. Foto: Heidi Sturm  Foto: Heidi Sturm

Mehrere Hundert ehrenamtliche Arbeitsstunden hat die Freie Wählergemeinschaft investiert, um den historischen Haselbrunnen zu restaurieren und die idyllische Umgebung als...

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NEU-BAMBERG. Mehrere Hundert ehrenamtliche Arbeitsstunden hat die Freie Wählergemeinschaft investiert, um den historischen Haselbrunnen zu restaurieren und die idyllische Umgebung als „einladende Visitenkarte“ herzurichten. Immerhin ist hier der Einstieg zur Hiwweltour, die stets viele Wanderer anzieht. Viele nutzen auch gerne das Plätzchen, um hier an der Sitzgruppe eine Verschnaufpause oder gar ein stärkendes Picknick einzulegen oder um sich am Brunnenwasser zu erfrischen.

Das kühle Nass stammt übrigens nicht von dem darunter vorbei plätschernden Appelbach, sondern ist reines Bergwasser aus einer klaren Quelle. Der Brunnen wurde erstmals 1297 erwähnt und ist damit etwa so alt wie die Burg, die heute das Wahrzeichen des Dorfes ist. Seinen Namen verdankt der Brunnen ebenso wie die daneben liegende „Hesselborner Mühle“ höchstwahrscheinlich den Haselnusssträuchern, die einst hier wuchsen. Das Mühlrad drehte sich noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, die heutige Generation widmet sich dem Weinbau.

Bis 1919 genutzt für die Trinkwasservervorgung

Der Brunnen direkt gegenüber diente noch bis zum Bau der Wasserleitung im Jahr 1919 der Trinkwasserversorgung der Gemeinde. Hier holten die Frauen das kostbare Nass und balancierten es in Krügen auf dem Kopf nach Hause. Hier wurde auch die Wäsche gewaschen und direkt daneben auf der Bleichwiese zum Trocknen ausgelegt.

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Mit der Zeit dachte aber kaum noch jemand an die nicht mehr genutzte geschichtsträchtige Wasserstelle, die fast ganz in Vergessenheit geraten wäre. Herbert Müller hatte aber in den 70er Jahren den damaligen Ortsbürgermeister Horst Wallraff darauf aufmerksam gemacht, dass es einmal einen solchen Brunnen gegeben hatte. So gab es damals schon die erste Restaurierung.

Der Schacht war zwischenzeitlich zusammengefallen und musste wieder aufgegraben werden. Die mehr als 100 Jahre alte Schwengelpumpe hatte sich jemand unter den Nagel gerissen, Wallraff konnte sie aber wieder „herzaubern“, wie er augenzwinkernd anmerkt. Das alte Stück wurde komplett auseinandergebaut und fachmännisch nach alter Technik mit Saugrohr und Kolben wieder funktionstüchtig gemacht. Im Winter stellt Wallraff das Wasser zum Schutz vor Frostschäden ab, im Frühjahr bringt er es mithilfe eines Aggregats wieder zum Sprudeln, führt dabei auch kleine Instandsetzungen durch.

Die FWG hat die Pflege für dieses malerische Fleckchen übernommen und packt regelmäßig an. Das Dach des Brunnens wurde erneuert, die Sitzgruppe restauriert und das Geländer entrostet, neu gestrichen und um einen Holzzaun erweitert. Der Weg zum Brunnen wurde hergerichtet: Bewusst wie in alter Zeit ein wenig holprig mit Pflastersteinen, erläuterte Beigeordneter Hans Sifft. Bepflanzte Blumenkästen am Geländer sorgen für schöne Farbtupfer im satten Grün.

Jetzt machten die Helfer das schmucke Gelände „sommerfein“: Unter anderem wurden die Bäume geschnitten, das Gras gestutzt und die Bank nebst Hinweisschuld wetterfest gestrichen. „Uns ist wichtig, die historischen Anlagen und damit das Potenzial des Dorfes zu erhalten“, sind sich die Helfer einig. Die Gemeinde habe kein Geld dafür, da müsse man eben anpacken um die touristisch wertvollen Anziehungspunkte attraktiv in den Blickpunkt zu rücken.