Burgfest in Neu-Bamberg: Auf der Feste „Novo Baumburg“...

Jedem seinen Spaß: Mancher hockt sich beim historischen Burgfest in Neu-Bamberg auch schon mal in einen Käfig.Fotos: Heidi Sturm  Foto:

„Vergnüget und labet euch wohl, Ihr Bauerngesindel und hochwohlgeborene Damen“, lautete das feierfreudige Motto beim dreitägigen Burgfest auf der mehr als 800 Jahre alten...

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NEU-BAMBERG. „Vergnüget und labet euch wohl, Ihr Bauerngesindel und hochwohlgeborene Damen“, lautete das feierfreudige Motto beim dreitägigen Burgfest auf der mehr als 800 Jahre alten „Novo Baumburg“, das wieder seine Besucher auf eine Zeitreise in das mittelalterliche Treiben der Ritter, Gaukler, Jongleure und Feuerspucker nahm. Bei Fanfarenklängen und historischer Musik, bei Tanz, Magie und Handwerkskunst konnten sich die prächtig Gewandeten und auch all die anderen Mittelalterfans in die Zeit der „Alten Rittersleut“ versetzen lassen, das märchenhafte Ambiente und den herrlichen Blick auf das rheinhessische Hügelland genießen – und natürlich die Leckereien aus der Burgküche. Die hatte sich zum Auftakt des dreitägigen „Baambeier Fests“ wieder selbst übertroffen, als sich Raugraf Markus beim großen Gelage mit Rittermahl, Musik und Gaukelei die Ehre gab. Knechte und Mägde servierten den Hochwohlgeborenen gleich sechs Gänge von Fladenbroten mit Quark und Kräutern aus dem Burggarten oder Biersuppe aus dunklem Gerstensaft bis zu Allerlei vom Fisch und Rücken vom Borstenvieh. Die Mundschenke kredenzten flüssige Köstlichkeiten, solange der Magen zur Aufnahme von Speis und Trank bereit war. Für Kurzweil und Unterhaltung während des Mahls an diesem genussreichen Sommerabend sorgten Clemens der Narr, Armin der Gewaltige und Hubertus der Gaukler.

Jedem seinen Spaß: Mancher hockt sich beim historischen Burgfest in Neu-Bamberg auch schon mal in einen Käfig.Fotos: Heidi Sturm  Foto:
Künstler Kay fand sein begeisertes Publikum in Neu-Bamberg.Foto: Heidi Sturm  Foto: Heidi Sturm

Der Carneval- und Musikverein hatte sich für sein traditionsreiches Fest in den altehrwürdigen Mauern hoch über dem Dächern des Dorfes aber noch viel mehr einfallen lassen und an den beiden nächsten Tagen auch für das „gemeine Volk“ die Pforten geöffnet. Gleich dahinter hatte das Burgvolk seine Korbflechterei mit reichlich Strohballen zum Platznehmen aufgebaut und lud zum Mitmachen ein. Frauen aus dem Dorf hatten aus Flieder und Rosen, Buchsbaum und Schleierkraut wunderschöne Kränze gebunden, die eine Zierde für jede Jungfer waren. Nicht zu vergessen natürlich die bekannten Neu-Bamberger Waschweiber, die am Sonntag in alten Zinkbütten ihre Wäsche schrubbten. „Dreckige Wäsche“ werde aber nicht gewaschen, schmunzelten die gestandenen Damen, die aber zur Unterhaltung zwei gute alte Lieder zum Besten gaben: Da durfte natürlich der Evergreen von den „fleißigen Waschfrauen“ nicht fehlen, zudem gab es zur Melodie von „Mein Vater war ein Wandersmann“ noch „Wer rastet, der rostet“.

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Gruppe „Veytstanz“ liefert mitreißende Show

Für tolle Kleinkunst mit Tanz, Jonglage und einer spektakulären Feuershow sorgten Gaukler Hubertus, Arabne die Barbarin und Feuerkünstler Kay, die mit Schwungfackeln, Feuerstäben, wirbelnden Pois oder Feuerfächern flammende Bilder an den Nachthimmel zauberten. Musikalisch untermalt mit Dudelsackklängen oder Trommelrhythmen wurden die Vorführungen von Mitgliedern der hessischen Gruppe „Veytstanz“, die zu siebt ihre eigene mitreißende Bühnenshow präsentierten. „Wir möchten beweisen, dass Mittelaltermusik nicht langweilig und eingestaubt klingen muss“, erläuterte „Eric Vargson“. Beim „Mittelalterrock“ der Gruppe werden eigene fetzige Stücke mit traditionellen Instrumenten von irischer Sackpfeife und Flöten bis zu Streichpsalter und Drehleiter gespielt. Ganz klar: Für die Musiker und Gaukler gab es reichlich Handgeklapper. Wer jetzt angesichts dieses besonderen Flairs inmitten der prächtig hergerichten Ruine ein bisschen sehnsüchtig ins Schwärmen über die gute alte Zeit kam, war spätestens bei Holger dem Schrecklichen und Carolus dem Blutrünstigen „kuriert“: Die beiden Henkersknechte hatten mit höchst morbidem Vergnügen eine historische Folterecke mit Pranger, Spanischem Pferd, Schandgeige und gar einem Richtklotz aufgebaut, die in jedem Jahr ergänzt wird. Neu war jetzt ein Käfig, in dem die Verurteilten einst zur Abschreckung zur Schau gestellt und mit einem darunter angefachten Feuer bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Auf der Novo Baumburg gab es natürlich die abgespeckte Variante ohne Flammen – und so nahmen einige doch die Herausforderung an und ließen sich als Gaudi in dem Folterinstrument ein wenig hoch kurbeln. Ein Delinquent hatte es sogar 20 Minuten ausgehalten. „Da steckte eine Wette dahinter“, schmunzelten die Scharfrichter, die auch ein besonderes Fest-Angebot hatten: Für ein paar Taler wollten sie Ehefrauen einsperren, auf dass die Männer einen schönen Abend hätten. Das konnte aber schnell zum Bumerang werden, wenn die Angetrauten schneller den Geldbeutel zur Hand hatten.