Kinderbuchautorin aus Hallgarten stellt neues Buch vor

Autorin Tanja Wenz kennt den Disibodenberg. Auch ihre eigenen Eindrücke sind in das Abenteuer der drei Protagonisten eingeflossen. Foto: Beate Vogt-Gladigau
© Beate Vogt-Gladigau

Für drei Kinder wird aus einer Mutprobe ein echtes Abenteuer. Denn beim Zelten auf dem Disibodenberg lernen sie die heilige Hildegard kennen.

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HALLGARTEN. „Die dichten Wolken ließen für einen kurzen Moment das Licht des Vollmonds durchscheinen.“ Schon mit dem ersten Satz ihres Buches „Sophia und das Abenteuer auf dem Klosterberg“ zieht Autorin Tanja Wenz aus Hallgarten, den Leser geradezu in das Geschehen hinein – in eine Nacht voller Überraschungen für die jungen Menschen Sophia, Maya und Felix, die als Mutprobe, aber nur als „klitzekleine“ auf der einsamen Klosterruine auf dem Disibodenberg zelten möchten. Begleitet vom Ruf des Waldkauzes. Doch aus der „klitzekleinen“ Mutprobe wird ein ausgewachsenes Abenteuer voller Überraschungen.

126 Seiten Spannung zwischen zwei Buchdeckeln

In einer aufregenden Lesenacht stoßen Epochen aufeinander: Zum einen die der berühmten Nonne, Gelehrten, Heilkundigen, Dichterin, Komponistin und Visionärin Hildegard von Bingen und die Jetztzeit. Hinzu kommt das Gemenge, wie diese unterschiedlichen Welten von drei Kindern erfahren und verarbeitet werden, die absolut verschieden in ihrem Denken und Verhalten sind. Spannung auf 126 Seiten zwischen den Buchdeckeln ist garantiert für junge Leserinnen und Leser ab zehn Jahren, aber auch für ältere, die sich für die Facetten der Heiligen interessieren, die in einem interessanten Kontext stehen.

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Ausgelöst wird die fantastische Geschichte durch ein Buch, das Sophia findet – eingewickelt in ein vergilbtes Stofftaschentuch und in Wachspapier. Es handelt sich um die Aufzeichnungen der Nonne Silvana, die als Novizin im Kreise der Magistra Hildegard von Bingen lebte und durstig nach Wissen und Bildung war. In spannenden Monologen denkt Silvana selbst über sich nach. Mit durchaus üblichen Mitteln der Gegenwart aber lässt Tanja Wenz die Kinder per Smartphone über die ihnen bis dato unbekannten Personen recherchieren. Tatsache und unerklärbar Mystisches vermischen sich.

Die Reise der drei Abenteurer in die Welt der Hildegard nimmt noch mehr Fahrt auf, als Hildegard dann ihr eigenes Kloster gründet. Spielerisch wird ganz viel Wissen über die Universalgelehrte und ihr Umfeld in der mittelalterlichen Epoche vermittelt. Dabei hält sich Wenz durchaus an Fakten, macht sich aber ihre eigenen Gedanken und behält sich ihre eigenen Erfahrungen als Spielraum vor.

Die Autorin beschreibt die drei unterschiedlichen Charaktere des Trios oder auch die Kulisse, in der sie sich bewegen, sehr lebendig und bildhaft. Sie lässt sich die Kapelle auf dem Disibodenberg „dicht an die Ruine der Abteikirche schmiegen“. Viele Dialoge und Monologe begleiten die Begegnung des Trios mit Hildegard von Bingen, die Geschichte wird greifbar und faszinierend. Das Bild von Hildegard schält sich immer mehr heraus.

Der Disiboden ist für die jetzt 46-Jährige ein besonderer Ort, an dem sie auch öfter schreibt. Sie nennt ihn schmunzelnd einen „bestätigten Kraftort“. Im Geist ging Tanja Wenz mit den Kindern mit, als sie über den „Eselspfad“ ihre Zeltausrüstung hoch auf die Klosterruine schleppten. Sie kennt die Kapelle mit den geheimnisvollen Erscheinungen und hat auch den Waldkauz schon gehört.